
KI-Alltag: 92 Prozent der Jungen, 15 der Alten
Quellen (8)
- t3n: ARD/ZDF-Medienstudie 2026 KI-Nutzungt3n.de
- Presseportal: ARD/ZDF-Medienstudie Pressemitteilungpresseportal.de
- ZDFheute: ARD/ZDF-Medienstudie KI und Streamingzdfheute.de
- HORIZONT: Vor allem Jüngere nutzen KI-Toolshorizont.net
- meedia: ARD/ZDF-Medienstudie 2026meedia.de
- radioszene: ARD/ZDF-Medienstudie 2026radioszene.de
- retail-news: ARD/ZDF-Medienstudie KI Streamingretail-news.de
- OnlineMarketing: ARD/ZDF-Medienstudie 2026onlinemarketing.de
Drei von fünf Deutschen nutzen KI-Anwendungen inzwischen zumindest gelegentlich. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich eine Spaltung, die schärfer kaum sein könnte: 92 Prozent der 14- bis 29-Jährigen greifen gelegentlich auf KI-Tools zu, bei den Befragten ab 70 Jahren gerade 15 Prozent. Die ARD/ZDF-Medienstudie 2026 zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der eine Technologie gleichzeitig Alltag und Fremdwort ist.
Was die Studie misst
Das Marktforschungsinstitut GIM aus Heidelberg befragte zwischen Januar und April 2026 insgesamt 2.462 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren im Auftrag von ARD und ZDF. Der Erhebungszeitraum erfasst eine Phase, in der generative KI-Anwendungen zum Massenmarkt geworden sind.
Das Ergebnis: 59 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren greifen gelegentlich auf KI-Tools zu. Mindestens einmal pro Woche nutzen KI-Anwendungen 37 Prozent. Mindestens einmal monatlich sind es bereits 50 Prozent. Damit haben KI-Anwendungen in weniger als drei Jahren den Sprung vom Nischenwerkzeug zur Mehrheitstechnologie geschafft.
Neun von zehn Jungen, einer von sieben Alten
Der auffälligste Befund der Studie ist der Generationenbruch. Bei der gelegentlichen Nutzung stehen 92 Prozent der 14- bis 29-Jährigen den 15 Prozent der ab 70-Jährigen gegenüber. Bei regelmäßiger Nutzung, also mindestens einmal pro Woche, ist der Abstand ähnlich tief: 68 Prozent der Jüngsten gegen 8 Prozent der Ältesten.
Diese Zahlen spiegeln keine bloße Technikskepsis. Sie bilden strukturelle Unterschiede ab: Wer im Studium oder Berufsalltag mit KI-Werkzeugen arbeitet oder Kollegen hat, die das tun, wird exponiert. Wer diesen Umkreis nicht hat, nicht. Das ist ein Mechanismus, der sich ohne gezielte Förderung nicht von selbst auflöst.
Was überrascht: Skepsis bleibt hoch, auch bei den aktiven Nutzern. 54 Prozent der KI-Nutzenden begegnen generierten Texten und Bildern mit Misstrauen und prüfen die Ergebnisse auf sachliche Richtigkeit. Das widerspricht dem Bild der unkritischen KI-Übernahme: Die Mehrheit nutzt, aber kontrolliert.
Die Transparenzlücke: Was Nutzer wollen, was sie bekommen
81 Prozent der Befragten halten eine transparente Kennzeichnung der verwendeten Trainingsdaten und Quellen bei KI-Ausgaben für wichtig. Gleichzeitig geben nur 43 Prozent der Nutzenden an, dass die Quellenangaben beim Umgang mit KI-Systemen für sie transparent sind. Das ist eine Erwartungslücke von fast 40 Prozentpunkten.
Diese Lücke hat praktische Konsequenzen. KI-Anwendungen werden zunehmend für Entscheidungen eingesetzt, die das Leben der Menschen berühren: Informationssuche, Bewerbungsschreiben, Übersetzungen und in Behörden und Unternehmen für weit folgenreichere Aufgaben. Wenn Nutzerinnen und Nutzer nicht wissen, woher ein System sein Wissen bezieht, können sie Fehler schwerer erkennen.
Florian Hager, Intendant des Hessischen Rundfunks, kommentierte die Studienergebnisse mit dem Hinweis, KI werde "die Mediennutzung massiv verändern" und die Studie zeige bereits, dass "vor allem jüngere Menschen durch diese Tools auf neue Art und Weise Informationen konsumieren." Was er nicht sagte: Wer nicht zu diesen jüngeren Menschen gehört, konsumiert auf dieselbe Art wie zuvor und wird schrittweise aus dem Informationsökosystem verdrängt, das KI formt.
Streaming: Stabilität statt Wachstum
Jenseits der KI-Daten ist der Streaming-Markt der zweite große Befund. YouTube führt mit einer Tagesreichweite von 71 Prozent, die ARD-Mediathek erreicht 56 Prozent, die ZDF-Mediathek 51 Prozent. Damit liegen die öffentlich-rechtlichen Angebote gleichauf mit Netflix und Amazon Prime Video, die jeweils ebenfalls 51 Prozent erreichen.
Spotify bleibt mit 44 Prozent wöchentlicher Reichweite das meistgenutzte Audioangebot, YouTube Music folgt mit 30 Prozent. Podcasts stagnieren bei 34 Prozent wöchentlicher Reichweite. Der Streaming-Markt, der lange mit zweistelligem Wachstum gerechnet hatte, stabilisiert sich.
Der Generationsbruch zeigt sich auch beim Video: Unter 30-Jährige nutzen non-lineare Abrufe für 88 Prozent ihrer Videozeit. Bei den Befragten ab 70 Jahren dominiert das klassische Programmfernsehen mit einem Anteil von 93 Prozent. Zwei Medienwelten, die kaum noch Berührungspunkte haben.
Was die Zahlen für die Politik bedeuten
Ein Generationengraben von 77 Prozentpunkten bei der KI-Nutzung ist keine rein technische Entwicklung. Wenn 85 Prozent der Menschen ab 70 Jahren KI-Tools nicht nutzen, fehlt ihnen direktes Feedback, wenn diese Systeme in Bereichen eingesetzt werden, die auch ihr Leben betreffen: Rentenbescheide, Pflegeeinstufungen, Informationsportale von Behörden.
Der EU AI Act, der seit August 2026 vollständig gilt, verpflichtet KI-Anbieter zur Transparenz über Trainingsdaten und zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte. Die Forderung von 81 Prozent der Befragten nach transparenten Trainingsquellen deckt sich mit den Anforderungen des Gesetzes. Ob Anbieter verständlich genug kennzeichnen, wird die Vollzugspraxis der nationalen Aufsichtsbehörden zeigen.
Die Studie benennt das nicht explizit, aber die Zahlen legen es nahe: Digitale Kompetenz und KI-Nutzung entstehen durch Umgebung, Ausbildung und Beruf. Eine Gesellschaft, in der eine Technologiegeneration KI versteht und nutzt und die andere nicht, produziert strukturelle Abhängigkeiten. Das ist eine politische Aufgabe, nicht nur eine der Technologiehersteller. Konkret: Bis 2027 entscheiden Bund und Länder über neue Lehrpläne. Die Medienkompetenz-Frage, wie sie bisher gestellt wurde, greift zu kurz. KI-Kompetenz ist eine eigene Kategorie.
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