VW plant laut Bericht Gehaltsstopp für viele Beschäftigte bis 2030
Wirtschaft

VW plant laut Bericht Gehaltsstopp für viele Beschäftigte bis 2030

Volkswagen will laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung die Gehälter eines Großteils seiner weltweit 600.000 Beschäftigten bis 2030 einfrieren. Der Konzern bestätigt die Pläne nicht, die IG Metall fordert in der laufenden Tarifrunde fünf Prozent mehr Entgelt.

Quellen (14)
  1. VW plant offenbar Einfrieren der Löhnet-online.de
  2. VW plant offenbar mehrjährige Nullrunde bei Gehälternberliner-zeitung.de
  3. VW-Krise: Nullrunde bis 2030 – Gehälter sollen wohl jahrelang nicht steigenbraunschweig.t-online.de
  4. 2026-09-22 Tarifrunde 2026 bei Volkswagen nimmt Fahrt aufnieder-sachsen-anhalt.igmetall.de
  5. Warnstreiks ab Januar? VW-Tarifkonflikt zwischen Blume und Cavallo spitzt sich zuwerra-rundschau.de
  6. Gekündigte VW-Tarifverträge: Ab Anfang 2027 darf gestreikt werden - Personalwirtschaftpersonalwirtschaft.de
  7. VW will Gehälter bis 2030 offenbar einfrieren – Bericht über neuen Sparplan - WELTwelt.de
  8. Autobauer in der Krise: Volkswagen will offenbar Gehälter einfrierentagesspiegel.de
  9. VW-Haustarifrunde: IG Metall fordert 5 Prozent mehr Geld :: IG Metall Wolfsburgigm-bei-vw.de
  10. Tarifrunde Volkswagen 2026igmetall.de
  11. Modernes Entgeltsystem: Verhandlungen starten am 12. November | Volkswagen Groupvolkswagen-group.com
  12. Nächster Einschnitt: Volkswagen will die Gehälter bis 2030 einfrieren | schwarzwaelder-bote.deschwarzwaelder-bote.de
  13. Neues VW-Entgeltsystem ab 2027? Was Volkswagen und IG Metall aktuell verhandeln - Personalwirtschaftpersonalwirtschaft.de
  14. VW-CEO Oliver Blume über die Kündigung von Tarifverträgen | Pflegereform | Steuerverschwendung | The Pioneerthepioneer.de
19. Oktober 2026, 8:03 Uhr702 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Grundlage ist demnach ein vom Vorstand beschlossenes Strategiepapier namens „Group Target Picture“, das für das internationale Management aufbereitet wurde und von einer „Neuausrichtung“ der internationalen Tarifverhandlungen spricht.

Was die neuen Verhandlungsrichtlinien vorsehen

Die ab dem vierten Quartal geltenden Verhandlungsrichtlinien sehen einen „Pay freeze until 2030“ vor, also ein Einfrieren der Gehälter durch das Aussetzen von Lohnerhöhungen. Neben dem Lohnstopp sollen die Richtlinien auch variable Vergütungen, Sonderzahlungen und weitere Leistungen kürzen sowie Stellen abbauen. Bei der Umsetzung sollen allerdings die Rahmenbedingungen der einzelnen Unternehmensteile berücksichtigt werden, eine vollständige Nullrunde in allen Bereichen ist damit nicht zwingend vorgesehen. Dennoch sollen alle Marken, Regionen und Betriebe einen „angemessenen“ Beitrag zu den Sparzielen leisten.

Was der Lohnstopp für Beschäftigte bedeuten könnte

Ohne Lohnerhöhungen könnten die Betroffenen wegen der Inflation einen Einkommensverlust von rund zehn Prozent hinnehmen müssen. Konjunkturforscher erwarteten für dieses und nächstes Jahr Preissteigerungen von rund drei Prozent. Besonders betroffen wären laut t-online die rund 130.000 deutschen Beschäftigten unter dem Haustarifvertrag, deren Lohnerhöhung von 5,5 Prozent laut IG Metall 2024 bis 2031 verschoben wurde. Zugleich stünden die Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk in Neckarsulm auf der Kippe.

Volkswagen äußert sich nicht zu den Plänen

Auf Anfrage erklärte Volkswagen, man äußere sich nicht zu „solchen Spekulationen“; die bevorstehende neue Verhandlungsrunde sei „der Ort, um zuerst intern betriebliche Absprachen jeder Art“ zu besprechen. Der Konzern steht laut Berichten unter Druck durch US-Zölle, die Schwäche der Töchter Audi und Porsche sowie Probleme im China-Geschäft.

Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn

Die Tarifkommission der IG Metall bei Volkswagen hat laut Gewerkschaft für die Tarifrunde 2026 einstimmig die Forderung nach fünf Prozent mehr Entgelt bei zwölf Monaten Laufzeit, ebenso für die Ausbildungsvergütungen, sowie nach einer sozialen Komponente beschlossen, die insbesondere unteren Entgeltgruppen zugutekommen soll. Der Haustarif gilt laut IG Metall für rund 130.000 Beschäftigte der Volkswagen AG an den Standorten Braunschweig, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter und Wolfsburg; auch die drei sächsischen Standorte Chemnitz, Dresden und Zwickau sind Teil des Haustarifs. Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo begründete die Forderung damit, dass die Haustarif-Beschäftigten ihre letzte Entgelterhöhung im Mai 2024 erhalten hätten und seither die Preise im Supermarkt, an der Zapfsäule und bei Versicherungen gestiegen seien. Nach Darstellung der Gewerkschaft liegen die strukturellen Probleme des Konzerns nicht bei den Entgelten: Die Personalaufwandsquote habe 2025 bei rund 15 Prozent gelegen und sinke seit Jahren, während für das Geschäftsjahr 2025 zugleich rund 2,6 Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet worden seien.

Vorstandschef Blume und Betriebsrat widersprechen sich offen

Volkswagen hatte Ende September nach Angaben der Berliner Zeitung fast alle Tarifverträge gekündigt; die Werra-Rundschau nennt zehn gekündigte Verträge, darunter den Manteltarifvertrag, der Arbeitszeit und Urlaubstage regelt. Die Kündigungen bei Volkswagen Group Services, Wolfsburg AG und AutoVision folgten nach Angaben der Tarifsekretärin Katja Brammertz binnen 24 Stunden auf den einstimmigen Beschluss der Tarifkommission, fünf Prozent mehr Entgelt ab Januar 2027 zu fordern. Im Podcastinterview mit „The Pioneer“ erklärte Vorstandschef Oliver Blume, die Welt habe sich in den vergangenen zwei Jahren erheblich verändert, weshalb es die Revision gebe; auch die Arbeitnehmerseite habe sie gefordert. Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo widersprach dieser Darstellung scharf und bezeichnete das Interview als Zumutung; auch IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger wies die Darstellung laut Manager Magazin als bewusste Verdrehung der Tatsachen zurück. Die Gewerkschaft stellte laut Werra-Rundschau klar, dass sie innerhalb des Zukunftstarifvertrags von 2024 lediglich eine Gesprächsklausel genutzt habe, um ein Überprüfungsgespräch zu zukunftbedrohten Werken zu erzwingen, woraufhin die Unternehmensseite dieselbe Klausel genutzt und unmittelbar die Kündigung verkündet habe. Gewerkschaft und Betriebsrat sehen darin den Versuch, vor Beginn der eigentlichen Tarifrunde Verhandlungsmasse zu schaffen.

Ab 2027 wäre die IG Metall streikfähig

Die Tarifverträge wurden laut dem Arbeitsrechtler Thomas Ubber offenbar durchweg zum 31. Dezember 2026 gekündigt, sodass ab dem 1. Januar 2027 mit Ausnahme des Zukunftstarifvertrags keine Friedenspflicht mehr gilt und die IG Metall für die übrigen Tarifverträge streiken darf, sofern die Verhandlungen gescheitert sind und sie einen Streikbeschluss über rechtmäßige Streikziele gefasst hat. Arbeitskämpfe setzen laut IG Metall zudem eine beschlossene und gegenüber der Arbeitgeberseite erhobene konkrete Tarifforderung voraus. Ubber ordnete die Strategie so ein: Volkswagen wolle sich damit die Möglichkeit verschaffen, zur Durchsetzung seines Sparprogramms das gesamte Tarifregime auf den Verhandlungstisch zu bringen, da die IG Metall ohne die Kündigungen Verhandlungen über ungekündigte Regelungen hätte verweigern können.

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