US-Studie: Bis zu 80.000 beschäftigte Zwangsarbeiter im Kobaltabbau
Investigativ

US-Studie: Bis zu 80.000 beschäftigte Zwangsarbeiter im Kobaltabbau

Kobalt für Akkus verbindet Smartphones, Laptops und Elektroautos mit dem Bergbau im Kongo. Eine Studie mit Befragungsdaten von 2022 dokumentiert dort Zwangsarbeit; Amnesty International bemängelt in einem Bericht von 2024, dass die meisten untersuchten Weltmarken ihre eigenen Menschenrechtsrichtlinien nicht ausreichend umsetzen.

Quellen (23)
  1. Task 4.1.14: Measuring Forced Labor in Cobalt Mining in the Democratic Republic of the Congodol.gov
  2. Recharge for rights: Ranking the human rights due diligence reporting of leading electric vehicle makers - Amnesty Internationalamnesty.org
  3. Drucksache 19/13602dserver.bundestag.de
  4. Time to Recharge | Amnesty International USAamnestyusa.org
  5. Pressemitteilung | Amnestyamnesty.de
  6. LIEFERKETTE UND MENSCHENRECHTE Inhalt Unternehmens-DNA | Dekarbonisierung | Kreislaufwirtschaft | Menschen in der Transformation | Vielfalt | Integrität | Liefevolkswagen-group.com
  7. Für einen schnellen Ausbau der E-Mobilität: BMW Group erhöht nachhaltigen Bezug von Lithium für die Batteriezellfertigungpress.bmwgroup.com
  8. BMW Group joins responsible lithium mining project in Chilepress.bmwgroup.com
  9. Bericht zum LkSG (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz) 2024assets.bosch.com
  10. Drucksache 21/5977dserver.bundestag.de
  11. Special report 04/2026: Critical raw materials for the energy transitioneca.europa.eu
  12. Temporary suspension of cobalt export from the Democratic Republic of Congo – Policies - IEAiea.org
  13. DRC ARECOMS Decision No. 004/2025 – Cobalt Quota System – Policies - IEAiea.org
  14. KSQF and UNICEF join forces to address child labour in Democratic Republic of the Congo’s mines and safeguard future generationsunicef.org
  15. taz - Lithiumgewinnung in Argentinien: Proteste werden kleingehaltentaz.de
  16. Tagesspiegel - Landnahme, Kinderarbeit, Umweltbelastung: Die schmutzige Seite des Kobalt-Abbaustagesspiegel.de
  17. Recharge for Rights – Ranking der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht der führenden Hersteller*innen von Elektrofahrzeugen – Kogruppe Klimakrise und Menschenrechteamnesty-klimakrise.de
  18. Positionspapier Batterierecycling - Fraunhofer IWKSiwks.fraunhofer.de
  19. Glencore purchases stakes in Mutanda and Katangaglencore.com
  20. What is the DRC’s role in Green, Equitable and Just Energy Transition? Key takeaways from the Cobalt Institute’s Pre-COP27 Side Event in Kinshasa - Cobalt Institutecobaltinstitute.org
  21. The World’s Biggest EV Maker Has the Industry’s Worst Human Rights Appraisal | WIREDwired.com
  22. Rohstoffe - Angst vor der Kobalt-Krise - Wirtschaft - SZ.desueddeutsche.de
  23. Netwerken voor duurzame mijnbouw en kritieke grondstoffen in Lubumbashi | FOD Buitenlandse Zaken - Buitenlandse Handel en Ontwikkelingssamenwerkingdiplomatie.belgium.be
3. Oktober 2026, 4:56 Uhr2274 Wörter · 12 Min. Lesezeit

Wie verbreitet ist Zwangsarbeit im Kobaltbergbau?

Die Forscher von ICF Macro und Marakuja Kivu Research befragten dafür im August 2022 in 64 Dörfern insgesamt 946 erwachsene Bergleute. In der Stichprobe identifizierten die Forscher 251 Fälle von Zwangsarbeit unter den beschäftigten Kobaltarbeitern und leiteten daraus eine gewichtete Schätzung von 78 Prozent ab. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass sie keine Daten zu Zwangsarbeit bei selbstständig arbeitenden Bergleuten erhoben haben, weshalb die Schätzung als sehr konservativ gelten soll.

Insgesamt kommt die Studie, für die im August 2022 Bergleute befragt wurden, zu dem Schluss, dass die Arbeitsbedingungen im Kobaltbergbau insgesamt abscheulich sind.

Im Oktober 2024 veröffentlichte Amnesty International den Bericht Recharge for Rights, der 13 globale Marken nach ihrer Berichterstattung zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht bewertete. Die Organisation kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten der bewerteten Unternehmen nicht ausreichend nachweisen, internationale Menschenrechtsstandards zu erfüllen oder auch nur ihre eigenen Richtlinien umzusetzen.

Wie entstand der Rohstoffboom?

Laut der Studie, für die im August 2022 Bergleute befragt wurden, entfallen rund 70 Prozent der weltweiten Kobaltversorgung auf die DR Kongo, wobei das meiste Kobalt aus den beiden südlichen Provinzen Haut-Katanga und Lualaba stammt. Nach Angaben der Studie stieg die weltweite Kobaltproduktion von durchschnittlich 38.000 Tonnen pro Jahr zwischen 1970 und 2009 auf rund 145.000 Tonnen pro Jahr im Zeitraum 2010 bis 2019 und die Nachfrage dürfte sich bis 2030 erneut verdoppeln.

Amnesty International begründet diesen Boom damit, dass viele Regierungen den Markt für Elektrofahrzeuge fördern, um den Klimawandel zu bekämpfen, wofür Batterien Kobalt, Kupfer, Lithium und Nickel benötigen. Das Streben nach mehr dieser Minerale habe laut Amnesty zur raschen Expansion von Minen geführt, die weltweit Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden verursacht.

Der Kobaltweltmarktpreis vervierfachte sich laut einer Anfrage der FDP-Fraktion zwischen 2016 und 2018. Dieselbe Anfrage verweist darauf, dass rund zwei Drittel des weltweit verarbeiteten Kobalts aus der DR Kongo stammen, einem Land, das im Human Development Index Platz 176 von 189 belegt, in dem das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bei 800 US-Dollar jährlich liegt und 80 Prozent der Bevölkerung in absoluter Armut leben.

Wer trägt Verantwortung und was sagen die Unternehmen?

Laut einer Anfrage der FDP-Fraktion gehört die größte Kobaltmine des Landes, die Mutanda-Mine mit 29 Prozent des gesamten kongolesischen Abbaus, der Schweizer Glencore plc, während acht der 14 größten Minen im Besitz chinesischer Staatsfirmen sind. Huayou Cobalt, das zentrale Bindeglied zwischen der DRC und vielen der bewerteten Unternehmen, habe seit dem Amnesty-Bericht von Januar 2016 einige Verbesserungen vorgenommen und sei transparenter geworden, doch blieben Lücken, die eine Bewertung der Qualität seiner Sorgfaltspflichtpraktiken erschweren.

Mehrere der angeschriebenen Unternehmen, darunter Apple, BMW, Dell, General Motors, Microsoft, Sony und Tesla, widersprachen laut Amnesty im Zusammenhang mit dem Bericht Time to Recharge ihrer Einstufung in mindestens einem der fünf Kriterien.

Volkswagen schreibt in seinem Bericht für das Geschäftsjahr 2022, der Konzern lehne jegliche Form von Zwangsarbeit in den eigenen Betrieben weltweit strikt ab und habe keine Anhaltspunkte dafür, dass in der Lieferkette oder einer Produktionsstätte Zwangsarbeit eingesetzt werde. Eine eigene Stellungnahme von Daimler beziehungsweise der Mercedes-Benz Group zu der wiederholten Amnesty-Kritik liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor.

BMW stellte einen Mehrjahresvertrag im Volumen von rund 285 Millionen Euro mit dem US-Unternehmen Livent vor, über den das Unternehmen ab 2022 Lithium aus argentinischen Salzseen für seine Batteriezellhersteller bezieht. Livent verwende dabei ein Verfahren, bei dem der größte Teil der genutzten Sole wieder in den umliegenden Lebensraum zurückgegeben statt verdunstet werde, wodurch laut BMW das Gleichgewicht zwischen Sole- und Grundwasserschichten weitgehend erhalten bleibe und der Flächenverbrauch deutlich geringer sei als beim herkömmlichen Verdunstungsverfahren. „Lithium ist einer der Schlüssel-Rohstoffe für die Elektromobilität. Indem wir nun von einem weiteren Lieferanten Lithium beziehen, sichern wir den Bedarf für die Produktion der aktuellen, fünften Generation unserer Batteriezellen weiter ab“, sagte Andreas Wendt, im BMW-Vorstand für Einkauf und Lieferantennetzwerk zuständig.

Als erster Automobilhersteller weltweit war BMW Anfang 2020 der Initiative for Responsible Mining Assurance beigetreten, die Umwelt- und Sozialstandards für den Rohstoffabbau erarbeitet; Livent wurde auf Empfehlung von BMW vorläufiges Mitglied und verpflichtete sich zu einer Bewertung nach diesem Standard. Um die Auswirkungen des Lithiumabbaus auf lokale Wasserressourcen wissenschaftlich zu klären, beauftragten BMW und BASF Ende 2020 die University of Alaska und die University of Massachusetts Amherst mit einer Studie, deren Ergebnisse ursprünglich für das erste Quartal 2022 angekündigt waren.

Im Februar 2022 trat BMW als sechstes Mitglied der Responsible Lithium Partnership bei, die im Frühjahr 2021 von BASF, Mercedes-Benz, Daimler Truck, Fairphone und Volkswagen für eine geplante Dauer von drei Jahren initiiert worden war. Das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit koordinierte Projekt fördert nach eigenen Angaben nicht den Einkauf von Lithium, sondern soll über eine lokale Mehrparteien-Plattform mit Bergbau, Landwirtschaft, Tourismus, indigenen Gemeinschaften und Regierung eine gemeinsame Vision für die Wassereinzugsgebiete des Salar de Atacama entwickeln.

Welche Lücken zeigten die Kontrollen nach der Offenlegung von Kinderarbeitsrisiken 2016?

Zuvor hatte Amnesty mit dem Bericht Time to Recharge den Fortschritt von Huayou Cobalt und 28 weiteren Unternehmen untersucht, denen das Risiko von Kinderarbeit in ihrer Lieferkette bereits im Januar 2016 offengelegt worden war. Bewertet wurde im Bericht Time to Recharge zu den im Januar 2016 offengelegten Kinderarbeitsrisiken nach fünf Kriterien, darunter Sorgfaltsprüfungen der Lieferkette und Transparenz über Menschenrechtsrisiken, jeweils eingestuft als „no action“, „minimum“, „moderate“ oder „adequate“. Keines der 29 Unternehmen ergriff damals ausreichende Maßnahmen, obwohl alle wussten, dass Menschenrechtsrisiken untrennbar mit dem Kobaltabbau in der DRC verbunden sind.

Apple wurde laut Amnesty Anfang 2017 das erste Unternehmen, das die Namen seiner Kobaltzulieferer veröffentlichte und galt der Recherche zufolge als Branchenführer bei verantwortungsvoller Beschaffung. Microsoft gehörte im Bericht Time to Recharge dagegen zu 26 Unternehmen, die keine Details zu ihren Zulieferern offenlegten, etwa zu den Schmelz- und Raffineriebetrieben, wodurch das Unternehmen nicht einmal die grundlegenden internationalen Standards erfüllte.

Der Bericht Time to Recharge zu den im Januar 2016 offengelegten Kinderarbeitsrisiken erläutert auch die Rolle der deutschen Autofirmen BMW, Volkswagen und Daimler in der Kobalt-Lieferkette. Keines der 29 untersuchten Unternehmen komme seinen Sorgfaltspflichten zur Offenlegung und Unterbindung von Menschenrechtsverletzungen hinreichend nach, wobei die Autobranche besondere Defizite zeige. BMW habe sich in einigen Aspekten verbessert und unter den Autoherstellern am besten abgeschnitten, zeige aber weiterhin deutliche Mängel, während Volkswagen und Daimler erhebliche Mängel aufwiesen. Renault und Daimler schnitten laut Amnesty besonders schlecht ab und erfüllten nicht einmal minimale Standards für Offenlegung und Sorgfaltspflicht, was große blinde Flecken in ihren Lieferketten hinterließ. BMW schnitt unter den untersuchten Elektrofahrzeugherstellern am besten ab und hatte Lieferkettenrichtlinien verbessert, legte aber weiterhin seine Schmelz- und Raffineriebetriebe nicht offen und plante auch nicht, Bewertungen ihrer Sorgfaltspflichtpraktiken zu veröffentlichen.

„Unsere ursprünglichen Untersuchungen zeigten, dass von Kindern und Erwachsenen unter grausamen Bedingungen in der DRC gefördertes Kobalt in die Lieferketten einiger der größten Marken der Welt gelangt“, sagte Seema Joshi, Leiterin für Wirtschaft und Menschenrechte bei Amnesty International. Fast zwei Jahre später würden einige der reichsten und mächtigsten Unternehmen der Welt immer noch Ausreden finden, ihre Lieferketten nicht zu untersuchen, so Joshi und selbst jene, die untersuchten, legten gefundene Risiken und Verstöße nicht offen. Joshua Rosenzweig von Amnesty erklärte, mit wachsender Nachfrage nach Elektroautos sei es wichtiger denn je, dass die Herstellerfirmen ihre Praktiken verbessern und auch Regierungen sollten sinnvolle Maßnahmen für ethische Lieferketten ergreifen.

„Amnesty International und African Resources Watch haben vor gut zwei Jahren nachgewiesen, dass schon Kinder ab sieben Jahren ihr Leben und ihre Gesundheit im Kleinbergbau von Kobalt im Kongo riskieren und dass globale Konzerne davon profitiert haben“, sagte Mathias John, Experte für Wirtschaft und Menschenrechte bei Amnesty International Deutschland. Amnesty dokumentierte, wie große Konzerne für die Produktion leistungsstarker Akkus unter anderem von der Arbeit schätzungsweise 40.000 Kinder in kongolesischen Minen profitieren. „Unternehmen wie Apple, Samsung oder auch BMW haben die Kontrollen der Kobalt-Lieferketten zwar verbessert, sind aber noch weit davon entfernt, lückenlos zu prüfen“, sagte John weiter. Es mangle bei allen Unternehmen an Transparenz, weshalb die Gefahr bestehe, dass Käufer von Smartphones, Laptops oder E-Autos unwissentlich Kinderarbeit förderten. Keines der 29 untersuchten Unternehmen erfülle seine menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten ausreichend, auch nicht die drei deutschen Unternehmen, so John; die neue Bundesregierung müsse endlich verbindlich die Einhaltung von Sorgfaltspflichten vorschreiben, da Freiwilligkeit nicht genüge.

Was belegen die weiteren Kontrollen und Maßnahmen?

Bosch berichtet in seinem Bericht zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz für 2024 von einem bereits im Vorjahr gemeldeten Vorgang namens „Bou-Azzer-Mine“, zu dem das Unternehmen im Berichtsjahr eine Betroffenheitsanalyse durchführte und Handlungsempfehlungen an potenziell betroffene Bereiche weitergab. Zu den im Rahmen der Risikoanalyse 2024 identifizierten Risiken zählen unter anderem das Verbot von Zwangsarbeit und aller Formen der Sklaverei, das Verbot von Kinderarbeit sowie die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage durch Umweltverunreinigungen. Für die Bewertung der Lieferanten nutzt Bosch laut seinem Bericht zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz für 2024 internationale Indizes wie den Global Slavery Index und den ITUC Global Rights Index, ergänzt um Auditergebnisse und die Akzeptanz des eigenen Verhaltenskodex für Geschäftspartner. Eine aktive Kommunikation der Grundsatzerklärung an alle Lieferanten ist laut Bosch in seinem Bericht zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz für 2024 derzeit standardmäßig nicht vorgesehen, weil der Verhaltenskodex als Alternativprozess mit derselben Zielrichtung diene.

Die Bundesregierung teilte im September 2019 mit, dass sie seit 2013 keine Maßnahmen der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit in der DR Kongo fördert und bislang keine zusätzlichen konkreten Unterstützungen für den Bergbau gegenüber der kongolesischen Regierung zugesagt hat. Die von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe entwickelten CTC-Zertifizierungsstandards für den Kleinbergbau wurden laut der Mitteilung der Bundesregierung vom September 2019 bislang nur für Tantal-, Zinn- und Wolframerze sowie Gold angewendet; erwartet wurde, dass sie auch auf den artisanalen Kupfer-Kobalt-Abbau ausgeweitet werden. Über diese Maßnahmen würden laut Bundesregierung in ihrer Mitteilung vom September 2019 derzeit 28 Bergbaubetriebe und Kooperativen mit insgesamt rund 25.000 Bergleuten erreicht. Weitere konkrete Ergebnisse zur Wirkung einzelner Maßnahmen mit spezifischem Bezug zu Kobalt gebe es laut der Mitteilung der Bundesregierung vom September 2019 bislang noch nicht, so die Bundesregierung.

Im Jahr 2024 wurden laut UNICEF bereits 1.015 Kinder aus Minen geholt, 599 davon kehrten in Schulen zurück und 416 in Berufsbildungsprogramme; keines sei demnach in den Bergbau zurückgekehrt.

Was ist beschlossen und was bleibt offen?

Das langsame, unsystematische Tempo der Verbesserungen zeige die Notwendigkeit einer Gesetzgebung, um echten Wandel voranzutreiben, so Amnesty. Amnesty forderte alle kobaltverarbeitenden Unternehmen auf, ihrer Verantwortung aus den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie den OECD-Leitsätzen für Minerale nachzukommen, mit Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette von der Mine über die Verhüttung bis zur Produktionsstätte.

Nach der internationalen Aufmerksamkeit durch den Amnesty-Bericht von 2016 richtete die kongolesische Regierung ein Komitee gegen Kinderarbeit im Mineraliensektor ein und entwarf eine nationale Strategie, die bis 2025 alle Kinder aus handwerklichen Minen entfernen sollte; Amnesty hielt es damals für zu früh, die Wirkung zu beurteilen und bemängelte, dass die Strategie an konkreten Zeitplänen, zugewiesenen Verantwortlichkeiten und einem Umsetzungsplan fehle.

Am 22. Februar 2025 setzte die kongolesische Regulierungsbehörde ARECOMS mit der Entscheidung Nr. 001/ARECOMS/2025 die Ausfuhr von Kobalt aus der DR Kongo zunächst befristet bis zum 21. Juni 2025 aus, als Begründung nannte die Behörde den hohen Lagerbestand auf dem Markt. Das Exportverbot galt für industriellen, semi-industriellen und handwerklichen Abbau gleichermaßen und wurde im Sommer 2025 zunächst bis zum 21. September und dann bis zum 15. Oktober 2025 verlängert.

Seit dem 16. Oktober 2025 gilt stattdessen ein Quotensystem: Für Oktober 2025 wurden 3.625 Tonnen Kobalt zur Ausfuhr freigegeben, für November und Dezember jeweils 7.250 Tonnen. Für 2026 sieht ARECOMS insgesamt 96.600 Tonnen vor, davon eine Basisquote von 87.000 Tonnen und eine strategische Quote von 9.600 Tonnen, über die ARECOMS nach eigenem Ermessen für Projekte von nationaler Bedeutung entscheidet; für 2027 soll grundsätzlich dieselbe Menge gelten, vorbehaltlich vierteljährlicher Anpassungen.

Die Quoten werden anteilig nach historischen Exportvolumina verteilt, mit Ausnahmen für die staatliche Entreprise Générale du Cobalt und die Société pour le Traitement du Terril de Lubumbashi, während Unternehmen mit weniger als 100 Tonnen Export 2024, Raffinerien ohne eigene Bergbautätigkeit oder erschöpften Reserven ausgeschlossen bleiben. ARECOMS behält sich zudem das Recht vor, überschüssige Bestände zurückzukaufen und Quoten von Unternehmen zu entziehen, die Kobalt von Dritten oder aus artisanalem Abbau verarbeiten; außerdem kann die Behörde die gesamte Regelung je nach Marktlage oder strategischen Überlegungen weiter überarbeiten.

Der Europäische Rechnungshof stellt fest, dass die meisten der für die Energiewende benötigten Mineralien außerhalb der EU abgebaut und verarbeitet werden und die Versorgung oft auf ein einziges oder eine Handvoll Nicht-EU-Länder konzentriert ist. Das 2024 in Kraft getretene EU-Gesetz über kritische Rohstoffe verpflichtet die Mitgliedstaaten, bis 2030 nicht mehr als 65 Prozent eines strategischen Rohstoffs aus einem einzigen Nicht-EU-Land zu bezlehen; bei Lithium, Magnesium, Gallium und seltenen Erden wird diese Schwelle auf der Verarbeitungsstufe laut Rechnungshof bereits heute überschritten. Die im Gesetz über kritische Rohstoffe, das 2024 in Kraft getreten ist, festgelegten Ziele, 10 Prozent der strategischen Rohstoffe selbst zu fördern, 40 Prozent zu verarbeiten und 25 Prozent durch Recycling zu decken, sind nicht verbindlich. Die EU-Kommission habe laut dem Europäischen Rechnungshof die Bedingungen für den Abbau in Natura-2000-Gebieten geklärt, nicht aber in Bezug auf die Wasserrahmenrichtlinie; eine bereits 2021 zugesagte Aufnahme von Nachhaltigkeitskriterien für Bergbau in die EU-Taxonomie stehe weiterhin aus.

Parallel kündigte die Khalid bin Sultan Al Qasimi Humanitarian Foundation im Juni 2026 eine Partnerschaft mit UNICEF an, um Kinder aus dem informellen Bergbausektor der Gesundheitszone Kambove in der Provinz Haut Katanga zu holen. Viele dieser Kinder verdienten laut UNICEF nur 1 bis 3 US-Dollar am Tag, Geld, das für den Haushalt als überlebensnotwendig gilt, ihnen aber Bildung und langfristige Entwicklung verwehrt. Das neue Programm soll nach Angaben von UNICEF und KSQF mehr als 200 Kinder und 100 Haushalte direkt erreichen, unter anderem über monatliche Geldtransfers an 100 Familien; es baut auf dem 2023 erstmals erprobten TPS+-Modell auf, das gefährdete Kinder identifiziert und mit Sozialdiensten verbindet. „Kinderarbeit im Bergbausektor ist eine der schwersten humanitären Herausforderungen unserer Zeit, sie beraubt Kinder ihrer Gesundheit, Sicherheit und Zukunft“, sagte KSQF-Direktorin Lujan Mourad.

Ob die 2020 beauftragte Studie zum Wasserverbrauch inzwischen vorliegt, lässt sich den ausgewerteten Quellen nicht entnehmen.

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