Uni Alberta: Leseprogramm verdreifacht Fortschritt meistens
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Uni Alberta: Leseprogramm verdreifacht Fortschritt meistens

Ein Leseforscher der University of Alberta meldet nach eigenen Angaben die größte Leseintervention der kanadischen Geschichte: Binnen fünf Monaten verdreifachte sich der Lesefortschritt bei den meisten leseschwachen Zweitklässlern in fünf Provinzen. Rund die Hälfte der Kinder braucht laut vorläufigen Ergebnissen danach keine weitere Förderung mehr.

Quellen (8)
  1. Groundbreaking literacy program triples rate of progress among struggling young readers | Folioualberta.ca
  2. Canada’s largest literacy project triples reading progress for struggling students - News@Yorkyorku.ca
  3. Dunn, Georgiou, Savage, Parrila (2025): 'Efficacy of Small-Group Reading Intervention for Grades 2 and 3 Children With Reading Difficulties: A Cluster Randomized Controlled Trial', Journal of Learning Disabilitiesdoi.org
  4. ‘Intense’ intervention key to childhood reading struggles: U of A study | Globalnews.caglobalnews.ca
  5. Provinces adopt early screening program to fight falling literacy scores after signs of promise in Alberta - The Globe and Mailtheglobeandmail.com
  6. Reading gains come with pushback as Alberta expands screenings - Calgary Journalcalgaryjournal.ca
  7. University of Alberta - Groundbreaking literacy program triples rate of progress among struggling young readerseducationnewscanada.com
  8. Research aims to close literacy gap | Faculty of Educationyorku.ca
10. Oktober 2026, 12:49 Uhr624 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Der Leseforscher George Georgiou von der University of Alberta hat nach eigener Angabe die größte Leseintervention in der kanadischen Geschichte durchgeführt: Bei den meisten teilnehmenden Kindern verdreifachte sich die Fortschrittsrate innerhalb von nur fünf Monaten. Laut den vorläufigen Ergebnissen braucht in der Folge etwa jedes zweite Kind keine weitere Förderung mehr.

Das Training wurde laut Universität 1.000 leseschwachen Zweitklässlern in fünf Provinzen vermittelt, viermal pro Woche für jeweils 30 Minuten. Für rund 80 Prozent der Teilnehmenden entspricht die Verbesserung laut Dr. George Georgiou, Professor an der Faculty of Education der University of Alberta, einem zusätzlichen Lernzuwachs von eineinhalb Jahren, über das hinaus, was durch normale Entwicklung zu erwarten gewesen wäre.

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Phonik in kleinen Gruppen, 16 Wochen lang

Über einen Zeitraum von 16 Wochen trainierten die Kinder laut York University in Kleingruppen mit Schwerpunkt auf phonologischer Bewusstheit, Phonik, dem Lesen unregelmäßiger Wörter und dekodierbaren Texten. In Alberta nahmen 56 Schulen aus sieben Schulbezirken teil, dazu eine Suzuki-Charterschule und eine Schule der Alexander First Nation. Georgiou verfolgt die Leseleistung von Schülern in Alberta bereits seit 2008, als er ein erstes Interventionsprogramm mit evidenzbasierten Methoden einführte; 2022 half ihm sein Ansatz, einer Gruppe von Grundschülern nach dem pandemiebedingten Rückgang wieder zum Niveau von vor der Pandemie zu verhelfen.

Zwei Universitäten, zwei unterschiedliche Zahlen

Während die University of Alberta von 1.000 Teilnehmenden in fünf Provinzen spricht, nennt die York University für dasselbe Projekt rund 642 beziehungsweise mehr als 600 Schüler in vier Provinzen. Ergebnisse aus Ontario stehen laut York University noch aus. Beide Universitäten bezeichnen ihre bisherigen Zahlen als vorläufig; eine vollständige Studie soll laut York University erst zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden.

Ein Teil der Kinder profitierte weniger stark

Laut Georgiou haben etwa fünf bis zehn Prozent der Kinder Lernschwierigkeiten wie Legasthenie, andere hatten möglicherweise schlechten Unterricht in den ersten Schuljahren oder kein unterstützendes häusliches Umfeld mit Büchern und vorlesenden Eltern. Rund 10 Prozent der Kinder in seiner Kohorte verbesserten sich laut Georgiou nicht, bei weiteren 5 Prozent verschlechterte sich die Leseleistung, was er größtenteils auf schlechte Teilnahme zurückführt.

leseförderung

Wer das Projekt finanziert

Finanziert wurde die Forschung laut York University von einer Koalition aus Förderern, darunter der Social Sciences and Humanities Research Council, die Max Bell Foundation und Alberta Education. Die Max Bell Foundation stellte laut Georgiou zunächst 180.000 Dollar bereit, in diesem Jahr kamen weitere 60.000 Dollar hinzu, um das Programm auf British Columbia und Saskatchewan auszuweiten. Alberta Education, einer der Förderer, hatte 2023 bereits mehr als 5 Millionen Dollar bereitgestellt, um Schüler von der Kindergartenstufe bis zur dritten Klasse auf Leseschwächen zu untersuchen und ihnen Intervention anzubieten.

Im Vergleich: ähnliche Ergebnisse in früheren Kohorten

Eine frühere Kohorte desselben Forschungslabors mit 362 Schülern aus vier Schulbezirken in Alberta erzielte zwischen Oktober 2021 und Februar 2022 ähnliche Resultate: 82 Prozent verbesserten ihre Lesefähigkeiten im Schnitt um 1,5 Jahre, 72 Prozent benötigten danach keine weitere Intervention mehr. In der Fort Vermilion School Division in Alberta erreichen acht Jahre nach Einführung eines solchen Förderprogramms laut einem Bericht der Globe and Mail inzwischen 86 Prozent der Neuntklässler altersgerechte Lesekompetenz, gegenüber 43 Prozent davor.

Was eine landesweite Ausweitung noch braucht

York University erklärt, man wolle die Intervention künftig landesweit in Kanada ausweiten und sieht in dem Projekt einen Fahrplan für die Zukunft der kanadischen Bildung. Die Co-Forscher erklären, geschultes Schulpersonal könne mit evidenzbasierten Methoden Lesedefizite verhindern, bevor sie sich vergrößern und so die Zahl der Kinder verringern, die intensive Unterstützung benötigen. Zugleich kritisiert ATA-Präsident Jason Schilling das verpflichtende Screeningmodell der Provinz: Es schränke die Autonomie der Lehrkräfte ein und spiegle nicht die Realität des Unterrichts wider. Ob sich die vorläufigen Erfolge bestätigen, zeigt erst die vollständige Studie, die laut York University zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen soll; die Ergebnisse aus Ontario stehen laut York University ebenfalls noch aus.

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