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International
Trump droht Kuba mit Übernahme nach Iran

Trump droht Kuba mit Übernahme nach Iran

Trump kündigte am Freitag an, die USA würden Kuba 'fast sofort übernehmen' und verwies auf den heimkehrenden Flugzeugträger USS Abraham Lincoln. Das Weiße Haus nannte es einen Scherz, verhängte aber noch am selben Tag neue Sanktionen.

3. Mai 2026, 1:20 Uhr 668 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Donald Trump hat am Freitag beim Forum Club der Palm Beaches in West Palm Beach angekündigt, die USA würden Kuba „fast sofort übernehmen". Als konkretes Instrument nannte er den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln, der gerade von einem Einsatz im Persischen Golf zurückkehrt. Das Weiße Haus bezeichnete die Aussage hinterher als Scherz. Doch noch am selben Tag verhängte die Regierung neue Sanktionen gegen kubanische Institutionen und ausländische Banken mit Kuba-Verbindungen. Kubas Regierung rief zur internationalen Solidarität auf und sprach von Drohungen, die ein „gefährliches Niveau" erreicht hätten.

Scherz als Signal

Trumps wörtliche Formulierung beim Publikumsevent: „Wir werden den Träger ranschicken, der hält hundert Meter vor der Küste und dann sagen die: Danke schön, wir ergeben uns." Sein Umfeld ordnete die Aussage als Übertreibung und teilweise ironisch gemeint ein. Doch das Finanzministerium verhängte noch am selben Abend Sanktionen gegen mehrere kubanische Personen und ausländische Banken, die Geschäfte mit Havanna betreiben. Das Muster ist vertraut: rhetorische Eskalation, scheinbare Relativierung, dann konkretes Handeln.

Im Februar 2026 hatte Trump bereits von einer möglichen „freundlichen Übernahme" Kubas gesprochen. Damals ordnete sein Stab die Äußerung als unverbindliche Überlegung ein. Seither wurden die US-Sanktionen gegen Kuba schrittweise ausgeweitet. Der Zugang kubanischer Unternehmen zu internationalen Finanzmärkten hat sich weiter verschlechtert.

Kuba in der tiefsten Krise seit der Sowjetunion

Kuba steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Treibstoffmangel sorgt täglich für mehrstündige Stromausfälle, in den Supermärkten fehlen Grundnahrungsmittel. Das US-Embargo, das seit 1962 besteht, schneidet Kuba von US-Dollar, einem Großteil des internationalen Handels und vielen Finanzierungsmöglichkeiten ab. Obama hatte die Beziehungen 2015 kurz normalisiert; Trump revidierte das in seiner ersten Amtszeit. Zwischen 2020 und 2025 verließen nach UN-Schätzungen mehr als eine Million Kubaner das Land, die meisten in Richtung USA.

Gleichzeitig ist Kuba kein wehrloser Kleinstaat. Russland betreibt in Lourdes südlich von Havanna seit Jahrzehnten eine Abhörstation, mit der Satellitenverbindungen auf dem amerikanischen Kontinent überwacht werden. China hat in den vergangenen Jahren Investitionen auf der Insel ausgebaut: Infrastruktur, Telekommunikation und Hafenanlagen. Eine US-Militäraktion würde direkt in dieses russisch-chinesische Engagement eingreifen und eine diplomatische Kettenreaktion auslösen, die weit über Kuba hinausginge.

Kongress gibt Trump freie Hand

Der US-Senat lehnte am Freitag einen Antrag der Demokraten ab, der den Präsidenten verpflichtet hätte, vor militärischen Operationen gegen Kuba die Zustimmung des Kongresses einzuholen. Die Abstimmung verlief weitgehend entlang von Parteilinien: Die republikanische Mehrheit stimmte geschlossen dagegen. Das Weiße Haus hatte die Resolution als verfassungsrechtlich nicht bindend bezeichnet. Für Trump bedeutet die gescheiterte Abstimmung: Er hat rechtlich freie Hand, die Druckstrategie weiter zu eskalieren, ohne den Kongress einbinden zu müssen.

In der Regierung prüfen mehrere Ressorts laut Medienberichten tatsächlich sogenannte „kinetische Optionen" gegen Kuba. Das Pentagon setzt nach derzeitigem Stand auf Diplomatie und Wirtschaftsdruck als primäre Werkzeuge. Verteidigungsminister Pete Hegseth hat sich öffentlich nicht zu Kuba geäußert.

Ein Muster der Expansion

Die Kuba-Drohung folgt einem Muster, das Trump seit Beginn seiner zweiten Amtszeit verfolgt. Grönland soll Bundesstaat werden, der Panamakanal in amerikanische Kontrolle übergehen, Kanada sei der Einladung offen. In jedem dieser Fälle wechseln Trumps Aussagen zwischen Ankündigung, Relativierung und konkretem Druck. Im Fall des Panamakanals führte das zu ernsthaften diplomatischen Verwerfungen mit Panama und scharfer Kritik aus ganz Lateinamerika.

Kuba unterscheidet sich insofern, als es eine kommunistische Einparteiherrschaft ist, die äußeren Druck traditionell zur innenpolitischen Mobilisierung nutzt. Präsident Miguel Díaz-Canel rief in einer ersten Reaktion zur internationalen Solidarität auf und bezeichnete Trumps Worte als Teil eines Druckfeldzugs auf Länder, die den USA politisch nicht folgen wollen. Gleichzeitig zeigen die Migrationsströme der vergangenen Jahre, dass Teile der kubanischen Bevölkerung eine Systemveränderung nicht grundsätzlich ablehnen.

Was als Nächstes entscheidet

Der USS Abraham Lincoln wird voraussichtlich in den nächsten zwei bis drei Wochen seinen Heimathafen Norfolk erreichen. Ob der Kurs der Trägergruppe bewusst in Sichtweite Kubas führt, wird das erste konkrete Signal geben, wie ernst Trump die Drohung meint. Im Kongress planen Demokraten eine erneute Abstimmung über eine War Powers Resolution. Außenminister Marco Rubio, der kubanische Wurzeln hat, gilt in der Regierung als Bremse für militärische Optionen gegen Havanna. Ob das gegen Trumps Eskalationslogik ausreicht, ist offen.