Supreme Court hebt Aufschub für Pikes Hinrichtung auf
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Supreme Court hebt Aufschub für Pikes Hinrichtung auf

Der US Supreme Court hob am 30. September 2026 den vom Sechsten Circuit gewährten Hinrichtungsaufschub für die wegen des Mordes an Colleen Slemmer aus dem Jahr 1995 verurteilte Christa Pike auf. Die Richterinnen Sotomayor, Kagan und Jackson widersprachen und verwiesen auf ihre noch ungeprüften rechtlichen Einwände gegen das Urteil.

Quellen (6)
  1. 26A428 Nelsen v. Pike (06/30/2026)supremecourt.gov
  2. Supreme Court of the United States KENNETH NELSEN, WARDEN CHRISTA PIKE,supremecourt.gov
  3. RECOMMENDED FOR PUBLICATION Pursuant to Sixth Circuit I.O.P. 32.1(b) File Name: 26a0275p.06opn.ca6.uscourts.gov
  4. No. ---------- In the Supreme Court of the United States EXECUTION SCHEDULED: SEPTEMBER 30, 2026, AT 10:00 AM (CDT)supremecourt.gov
  5. EXECUTION SCHEDULED SEPTEMBER 30, 2026 at 10:00 a.m. (Central) No. _______________ SUPREME COURT OF THE UNITED STATESsupremecourt.gov
  6. Supreme Court of the United States CHRISTA GAIL PIKE, STATE OF TENNESSEE,supremecourt.gov
1. Oktober 2026, 5:05 Uhr1179 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Der Oberste Gerichtshof der USA hat am 30. September 2026 den Weg für die Hinrichtung von Christa Pike freigemacht, indem er einen zuvor von einem Berufungsgericht verhängten Aufschub aufhob. Richterin Sotomayor verfasste dazu ein abweichendes Votum, dem sich die Richterinnen Kagan und Jackson anschlossen. Tennessee wollte Pike für den Mord an Colleen Slemmer aus dem Jahr 1995 hinrichten, die Exekution war für 10 Uhr Ortszeit angesetzt.

1995: Mord an Colleen Slemmer und jahrelange Rechtsmittel

Am 12. Januar 1995 schlug, quälte und tötete Christa Pike Colleen Slemmer, laut Gerichtsakte, weil sie sich „an diesem Tag einfach gemein" fühlte. Sie schnitt Colleens Kehle sechsmal durch, schlug sie mit einem Fleischerbeil auf den Rücken und zerschmetterte ihren Schädel mit einem Stück Asphalt. Eine Jury verurteilte Pike wegen Mordes ersten Grades zum Tode, der Tennessee Supreme Court bestätigte Urteil und Strafe 1998. Ihre Rechtsmittel scheiterten danach mehrfach: 2011 vor dem Tennessee Court of Criminal Appeals, 2016 vor dem Bundesbezirksgericht und 2019 vor dem Sechsten Circuit Court of Appeals. Im Januar 2025 erhielt Pike vom Tennessee Department of Correction eine geschwärzte Kopie des neuen Protokolls für die Giftspritzenhinrichtung. Am 30. September 2025 setzte der Tennessee Supreme Court ihre Hinrichtung auf den 30. September 2026 fest.

2025/2026: Streit um das Hinrichtungsprotokoll

Am 5. Dezember 2025 änderte der Tennessee Supreme Court seine Rule 12 so, dass jede Anfechtung der Hinrichtungsmethode nach Festsetzung eines Hinrichtungstermins zunächst mit einem Antrag bei ihm selbst beginnen muss. Pike reichte daraufhin am 8. Januar 2026, mehr als acht Monate vor dem angesetzten Termin, beim Chancery Court für Davidson County Klage gegen das neue Giftspritzenprotokoll ein. Im Juni 2026 beantragte sie zusätzlich beim Tennessee Supreme Court die Bestellung eines Sondergutachters, der die Fakten zu ihren Einwänden klären sollte. Dieser Sondergutachter führte eine Anhörung über zweieinhalb Tage durch, die klinische Psychologin Dr. Bethany Brand sagte dabei aus, das Herausholen aus der Zelle und Festschnallen auf die Hinrichtungsliege werde bei Pike wahrscheinlich eine Flashbackepisode auslösen, in der sie sich gedanklich in frühere Vergewaltigungen zurückversetzt fühle. Eine Woche später empfahl der Sondergutachter dennoch, alle ihm vorgelegten Fragen zu Pikes Gunsten abzulehnen. Der Tennessee Supreme Court folgte dem und wies Pikes Antrag am 23. September 2026 zurück, weil ihre Erfolgsaussichten gegen das Protokoll unwahrscheinlich seien. Pikes Anwälte hatten argumentiert, die geänderte Regel verletze ihr Recht auf ein ordentliches Verfahren, weil sie schon vor jeder Beweisaufnahme eine Erfolgswahrscheinlichkeit nachweisen müsse und ihr die beantragte Beweisaufnahme verweigert worden sei.

In ihrer Petition an den Supreme Court warfen sie zudem die Frage auf, ob ihr geltend gemachtes psychisches Leid unter dem Protokoll nach dem achten Verfassungszusatz als Einwand gegen die Hinrichtungsmethode anerkannt werden könne, da sie bereits als Kleinkind Opfer von Vergewaltigungen geworden sei und mit posttraumatischer Belastungsstörung diagnostiziert sei. Als zweite Rechtsfrage legten sie vor, ob die geänderte Regel 12(4)(E) gegen die Verfassung der USA und Tennessees verstoße. Nach dem in der Petition beschriebenen Ablauf sollte Pike auf einer Trage fixiert und ihr danach Pentobarbital gespritzt werden. Am 29. September 2026 wies der US Supreme Court sowohl Pikes Antrag auf Aufschub als auch ihre Petition für ein Writ of Certiorari in dieser Sache zurück. Ihre Anwälte verwiesen zugleich darauf, dass Pike die einzige Frau im Todestrakt Tennessees ist und nach ihrer Darstellung die erste Frau wäre, die der Bundesstaat seit mehr als 200 Jahren hinrichtet.

August/September 2026: Eingeständnis des Staates

Pike hatte zuvor schon einmal staatliche Entlastung im Postconviction-Verfahren beantragt und argumentiert, ihr Prozessanwalt habe es versäumt, mildernde Beweise für schwere sexuelle Gewalt vorzulegen, die sie als Minderjährige erlitten habe. Laut Sotomayors Dissens gab Pike an, der Staat habe sie bei der entsprechenden Anhörung wiederholt als „pathologische Lügnerin" bezeichnet und ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt infrage gestellt. Im August 2026 räumte der Bundesstaat Tennessee nach Angaben von Pikes Anwälten erstmals ein, dass sie als Jugendliche Opfer sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung geworden sei und zur Tatzeit an unmedizierter bipolarer Störung sowie posttraumatischer Belastungsstörung gelitten habe. Bei einer weiteren Beweisanhörung erklärte der Staat laut Sotomayors Dissens, er bestreite nicht die „furchtbaren Dinge", die Pike als Minderjährige erlitten habe. Nach dieser Erklärung beantragte Pike am 29. September 2026 beim Bundesbezirksgericht für den östlichen Bezirk von Tennessee, das Urteil von 2016 wieder zu eröffnen, mit dem ihr Habeasantrag auf Bundesebene abgelehnt worden war. Ihre Anwälte argumentierten, das Eingeständnis erodiere das Fundament des früheren Verfahrens und belege, dass der Staat während ihres Postconviction-Verfahrens „Taktiererei" betrieben und es dadurch „verfälscht" habe. Sie beantragten zugleich, den Fall an das Bezirksgericht zurückzuverweisen, weil es sich um einen regulären Antrag nach Regel 60(b)(6) und nicht um eine zweite Habeas-Petition handele.

30. September 2026: Aufschub durch das Berufungsgericht und seine Aufhebung

Ein Richterpanel des Sechsten Circuit Court of Appeals gewährte daraufhin einen Aufschub der Hinrichtung: Richterin Stranch verfasste die Mehrheitsentscheidung, der sich Richterin Moore anschloss, Richter Griffin widersprach. Die Mehrheit begründete das damit, ein Aufschub sei ein billigkeitsrechtliches Mittel und notwendig, um die Argumente beider Seiten ordnungsgemäß zu prüfen. Das Gericht ordnete an, die Vollstreckung bis auf Weiteres auszusetzen. Griffin nannte den Antrag dagegen einen „weiteren aussichtslosen Versuch in letzter Minute, eine rechtmäßige Hinrichtung zu verzögern". Nach seiner Ansicht ignorierte die Mehrheit den Antiterrorism and Effective Death Penalty Act, der die Befugnis von Bundesgerichten einschränkt, eine Hinrichtung wegen einer zweiten oder nachfolgenden Habeas-Petition auszusetzen. Griffin argumentierte, Pikes Antrag enthalte keine neuen Fakten, sondern berufe sich lediglich auf Mitgefühlsäußerungen des Staates am Ende der Sondergutachteranhörung, er hätte deshalb ihren Antrag auf Zurückverweisung abgelehnt und den Antrag selbst als zweiten oder nachfolgenden Antrag nach dem Gesetz abgewiesen. Auch der Bundesstaat Tennessee vertrat die Position, Pikes Antrag müsse als zweite oder nachfolgende Habeas-Petition nach den strengen gesetzlichen Vorgaben behandelt werden, weil sie nicht die Integrität des Bundesverfahrens angreife, sondern erneut über die Begründetheit ihrer ersten Petition verhandeln wolle. Tennessee argumentierte zudem, Pike habe ihren Rule-60(b)-Antrag erst am Vortag der Hinrichtung eingereicht, obwohl dessen Grundlage schon mehr als einen Monat zuvor entstanden sei, ein Verhalten, das in der Todesstrafen-Prozessführung nicht unüblich sei.

Am 30. September 2026 hob der Supreme Court im Verfahren Nelsen v. Pike diesen Aufschub wieder auf; laut Sotomayors Dissens ebnete die Entscheidung damit den Weg dafür, dass der Staat Pike hinrichten könne, bevor ihre anhängigen rechtlichen Einwände gegen ihre Verurteilung ordnungsgemäß geprüft werden könnten. Die tragende Begründung der Mehrheit dafür liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor. Dokumentiert ist das abweichende Votum von Sotomayor, dem sich Kagan und Jackson anschlossen.

Reaktion der Familie des Opfers

Colleen Slemmers Mutter und Stiefvater, May und Raul Martinez, reisten nach Tennessee, um der Hinrichtung beizuwohnen. Kurz vor der Hinrichtung hatte May Martinez gegenüber einem Lokalmedium gesagt: „Einunddreißig Jahre sind lang genug zu warten." Ihr Stiefvater hatte schon Anfang September erklärt, er wolle es einfach geschehen sehen, denn das werde das letzte Kapitel dieses Falls abschließen. Pikes Anwälte selbst räumten in ihrem Antrag ein, dass ein Aufschub für die Hinterbliebenen Colleen Slemmers schwer sei.

Festgehalten ist damit vor allem, dass der Streit um Pikes Fall bis zuletzt zwischen einem Eingeständnis des Staates zu ihrer Vorgeschichte sexueller Gewalt und dem gesetzlichen Ziel, zweite Habeas-Anträge zu begrenzen, hin und her ging, bevor der Supreme Court den Weg für die Hinrichtung freimachte.

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