
Sprach-Kitas: Ministerin weist Kürzung zurück
Quellen (5)
- „Jedes Kind soll unterstützt werden“ | Hessen Sozialsoziales.hessen.de
- 21. Wahlperiode Drucksache 21/4559 HESSISCHER LANDTAG 02. 06. 2026 Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNENstarweb.hessen.de
- Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag Bitterer Tag für Kindertagesstätten: CDU und SPD stimmen für Ende der Sprach-Kitas - Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtaggruene-hessen.de
- Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag Sprach-Kitas weiter sichern: GRÜNE fordern Übergangsfinanzierung bis zur Bundesförderung - Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtaggruene-hessen.de
- Sprach-Kitas erhalten: Rechtsanspruch für Kinder ab dem dritten Lebensjahr!afd-fraktion-hessen.de
Hessens Sozialministerin Heike Hofmann (SPD) erklärte am 1. Oktober 2026 im Landtag in Wiesbaden, die Landesregierung nehme bei der Sprachförderung in hessischen Kitas keine Kürzungen vor, sondern entwickle sie weiter. Ziel sei es, die Förderung dauerhaft, flächendeckend und rechtssicher im System der Kindertagesbetreuung zu verankern, sagte sie. Die Förderung werde insgesamt beibehalten, obwohl die Kassen knapp seien, weil Sprachförderung für die Landesregierung von zentraler Bedeutung sei, so Hofmann.
Das Programm endet Ende 2026
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte bereits am 2. Juni 2026 im Landtag beantragt, die Streichung der Sprach-Kitas zu stoppen und die 500 betroffenen Sprachförderkräfte zu sichern. Die Förderung des Programms endet laut diesem Antrag bereits Ende 2026, während das neue Landesgesetz voraussichtlich erst im Sommer 2027 beschlossen werden soll. Nach Angaben der Grünen-Fraktion stimmten CDU und SPD am 19. August 2026 im Sozialausschuss trotz Protesten von Erzieherinnen und Elternbeiräten für das Ende des Programms.
Grüne fordern Verlängerung bis 2028
Hintergrund ist ein geplantes Bundesgesetz, das laut Dahlke zusätzliche Personalressourcen für Kitas in herausfordernden Lebenslagen vorsieht und ab 2029 rund zehn Prozent der Kitas in jedem Bundesland fördern soll, ähnlich dem bisherigen hessischen Programm. Es sei widersinnig, Ende 2026 rund 500 Stellen für Sprachförderung zu streichen, wenn ab 2029 eine nahezu identische Bundesförderung starte, sagte Dahlke. Die Landesregierung müsse die Sprach-Kitas deshalb bis Ende 2028 sichern und den Übergang in die Bundesförderung gestalten, forderte sie. Kontinuität sei für Kinder, Eltern und Fachkräfte entscheidend, denn wenn bewährte Strukturen jetzt wegfielen, gingen Fachkräfte und Expertise verloren und müssten zwei Jahre später wieder neu aufgebaut werden, so Dahlke.
Kritik an der Kitafinanzierung reicht weiter zurück
Schon im Antrag vom 2. Juni hatten die Grünen das Auslaufen der Sprach-Kitas nach vorherigen Kürzungen bei den Integrierten Gesamtschulen und dem Sozialindex als nächsten Kahlschlag bei der Bildung in Hessen bezeichnet. Die angekündigte Erhöhung der Betriebskostenzuschüsse werde den Fortbestand der 500 Sprachförderkräfte nicht sichern, da unklar bleibe, wie viel Geld die einzelnen Kitas zusätzlich erhielten, kritisierten die Grünen. Die Höhe der Landeszuschüsse richte sich derzeit ausschließlich nach der Kinderzahl einer Einrichtung, was bei sinkenden Kinderzahlen dazu führe, dass die Zuschüsse sinken, während Betriebskosten wie Miete oder Energie steigen. Die Grünen forderten deshalb eine grundsätzliche Reform der Betriebskostenzuschüsse mit einer planungssicheren jährlichen Erhöhung, die steigende Preise ausgleicht.
Ministerin verweist auf neue Struktur ab Mitte 2027
Hofmann begründete ihre Linie in ihrer Rede im Landtag damit, dass das bisherige Programm nur einen Bruchteil der Kinder erreicht habe, weniger als zehn Prozent hätten davon profitieren können. Die bloße Verlängerung eines auslaufenden Förderprogramms schaffe keine dauerhafte Perspektive, sondern eine Doppelstruktur, sagte sie. Das Land habe mit dem Programm Verantwortung übernommen und sei mit Millioneninvestitionen eingesprungen, als der Bund sich schrittweise zurückgezogen habe, so die Ministerin. Mit der Novellierung des Kinder- und Jugendhilfegesetzbuches schaffe die Landesregierung die Grundlage dafür, dass eine neue Struktur bereits ab Mitte 2027 greifen könne; eine Förderlücke werde vermieden, indem Träger schon vor der Gesetzesänderung Abschlagszahlungen erhielten. Nach aktuellem Stand gehe man davon aus, dass ein Großteil der 337 im Programm Sprach-Kitas geförderten Fachkräfte weiterhin im Bereich der sprachlichen Bildung in Hessen gebraucht und eingesetzt werden könne, sagte Hofmann. Das Qualitätsentwicklungsgesetz des Bundes befinde sich noch im Stadium eines Entwurfs, man verfolge das Verfahren genau, wolle aber in der Frage der frühkindlichen Sprachbildung in Hessen nicht abwarten. Man handle jetzt und schaffe die Voraussetzungen dafür, dass eine spätere Bundesförderung sinnvoll in die hessischen Strukturen integriert werden könne, schloss Hofmann.
Während die Grünen durchgehend von 500 betroffenen Sprachförderkräften sprechen, nennt Hofmann 337 im Programm Sprach-Kitas geförderte Fachkräfte. Woher die Differenz zwischen beiden Zahlen stammt, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.
AfD: Auch der Grünen-Antrag reicht nicht
Auch die AfD-Fraktion kritisiert, dass die Landesregierung das Programm Sprach-Kitas Ende 2026 auslaufen lässt, obwohl der Bedarf an früher Sprachförderung in Hessen weiter steige. Zum Setzpunkt der Grünen brachte die AfD-Fraktion am 13. August 2026 einen eigenen Antrag ein, der über die bloße Sicherung des Programms hinausgehen sollte. Sprache sei nicht eines von vielen Bildungsthemen, sondern das Fundament, auf dem alles andere stehe, sagte Gerhard Bärsch, familienpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion. Der Antrag der Grünen verteidige das Programm zwar gegen das Auslaufen und mache deutlich, dass die Landesregierung am falschen Ende spare, bleibe aber bei der Frage stehen, wie dieses eine Programm gerettet werden könne, sagte Bärsch. Er sage nicht, was passiere, wenn die nächste Förderrunde ende, der Haushalt wieder klemme oder eine andere Koalition andere Prioritäten setze, kritisierte Bärsch. Die AfD-Fraktion brachte stattdessen einen eigenen Antrag ein, der einen Rechtsanspruch auf Sprachförderung für jedes Kind ab dem dritten Lebensjahr in der Kita, regelmäßige Sprachstandserhebungen, verbindliche Elternarbeit der Träger und ein systematisches Qualitätsmonitoring vorsieht. Nur so werde aus einem befristeten Programm ein verlässliches Recht der Kinder, sagte Bärsch.
Monate bis zur neuen Struktur Mitte 2027
Zwischen dem Auslaufen der bisherigen Förderung Ende 2026 und dem von der Ministerin angekündigten Start der neuen Struktur Mitte 2027 liegen mehrere Monate, die nach ihren Angaben durch Abschlagszahlungen an die Träger überbrückt werden sollen. Ob damit tatsächlich ein Großteil der 337 von Hofmann genannten Fachkräfte weiterbeschäftigt wird, bleibt nach aktuellem Stand offen.
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