
Solar übertrifft Kohle erstmals in US-Geschichte
Quellen (10)
- Ember — Solar overtakes coal in US electricity for the first month on recordember-energy.org
- Electrek — Solar beats coal in the US electricity mix for the first time everelectrek.co
- Electrek — Solar generated more electricity than coal and wind in May (EIA data)electrek.co
- ABC News — Solar generates more energy than coal in US for 1st timeabcnews.com
- EIA — U.S. Energy Information Administration press releaseeia.gov
- JEPIC-USA — Solar overtakes coal generation in US for the first timejepic-usa.org
- Renewable Energy Magazine — Solar Overtakes Coal in US Electricity For First Month on Recordrenewableenergymagazine.com
- Utility Dive — IEA cuts estimate of U.S. renewables capacity growth by about 50%utilitydive.com
- Quartz — Solar surpasses coal in U.S. electricity for first time, May 2026qz.com
- Medium — Solar Power Overtook Coal in U.S. Electricity Generation in Maymedium.com
Im Mai 2026 hat Solarenergie in den USA erstmals in der Geschichte mehr Strom geliefert als Kohle. Solar kam auf 12,8 Prozent der amerikanischen Stromerzeugung, Kohle fiel auf 12,2 Prozent. Was nach jahrzehntelanger Kohledominanz undenkbar schien, ist damit Realität geworden.
Fünf Jahre, die den Markt umkehrten
Das Ausmaß des Wandels lässt sich an einem Vergleich ablesen. Im Mai 2021 deckte Kohle noch 19,7 Prozent des US-Stroms, Solar kam auf 5,4 Prozent. Fünf Jahre später hat Solar seinen Anteil mehr als verdoppelt, während Kohle mehr als sieben Prozentpunkte verlor.

Im Mai 2026 erzeugten Solarkraftwerke in den USA einen Rekordwert von 45,5 Terawattstunden, 17 Prozent mehr als im Mai des Vorjahres. Kohle kam auf 43,4 Terawattstunden, elf Prozent weniger als im Mai 2025. Das zeigt eine Auswertung des unabhängigen Energiedaten-Instituts Ember auf Basis offizieller Daten der US-Energiebehörde EIA.
Mai ist traditionell ein starker Monat für Solar: Die Sonnenstunden nehmen zu, bevor der Kühlungsbedarf des Sommers die Gesamtnachfrage anhebt. Aber die Strukturverschiebung ist größer als Saisoneffekte erklären könnten. Solar ist nun die drittgrößte Stromquelle in den USA, hinter Erdgas und Kernenergie. Bereits im März 2026 hatten erneuerbare Energien insgesamt Erdgas zum ersten Mal in der US-Geschichte als größte monatliche Stromquelle übertroffen.
Warum Solarenergie Kohle überholt hat
Drei Faktoren erklären den Wandel: dramatisch sinkende Kosten, steigende installierte Kapazität und die rückläufige Wirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken.
Solarstrom ist seit 2010 um rund 90 Prozent günstiger geworden. Die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien IRENA beziffert die durchschnittlichen Gestehungskosten für neue Solarprojekte auf Projektbasis im Jahr 2024 auf 0,043 Dollar pro Kilowattstunde. In den meisten US-Märkten ist neuer Solarstrom damit preiswerter als Strom aus bestehenden Kohlekraftwerken, deren Betriebs- und Wartungskosten vergleichsweise hoch sind.
Gleichzeitig wurden kaum noch neue Kohlekraftwerke gebaut. Viele Betreiber haben bestehende Anlagen vorzeitig stillgelegt, weil sich ihr Betrieb gegen günstigere Gas- und Solaranlagen nicht mehr rechnet. Der Effekt ist ein struktureller Rückgang, keine kurzfristige Delle.
Ein wichtiger Vorbehalt: Die IEA hat ihre US-Solarprognose für 2030 zuletzt um fast 40 Prozent nach unten korrigiert. Hauptgrund ist die Abschaffung des Residential Solar Tax Credit zum 1. Januar 2026, der Dachanlagen für Privathaushalte besonders gefördert hatte. Politische Rahmenbedingungen können das Ausbautempo erheblich verlangsamen.

Im Vergleich: USA holt auf, Europa war früher
Die USA sind nicht das erste Land, das diesen Meilenstein erreicht. In der Europäischen Union haben Wind und Solar bereits 2025 mehr Strom erzeugt als alle fossilen Energieträger zusammen, wie Ember im European Electricity Review 2026 dokumentierte. In Deutschland lag der Erneuerbaren-Anteil am Strommix 2025 bei über 55 Prozent, Solar allein lieferte EU-weit rund 13 Prozent der Jahresstromerzeugung.
Auf globaler Ebene haben erneuerbare Energien im Jahr 2025 insgesamt mehr Strom erzeugt als Kohle, zum ersten Mal seit 1919. Damals war das weltweite Stromnetz etwa 300-mal kleiner als heute; der heutige Meilenstein findet in einem wesentlich größeren Maßstab statt. Ember und die Internationale Energieagentur werten ihn als strukturellen Wendepunkt, nicht als statistische Anomalie.
Auch Indien hat die USA 2026 als zweitgrößten Solarmarkt weltweit abgelöst. Im ersten Quartal 2026 installierte Indien 14,4 Gigawatt neue Solarkapazität. Die USA hinken beim Netzausbau und bei Haussystemen aufgrund der weggefallenen Steuergutschriften hinterher, führen beim Anteil großflächiger Freiflächenanlagen aber weiter.
Bei diesem Tempo: Solar vor Kernkraft bis 2029?
Wenn Solar in den USA seinen bisherigen Wachstumspfad beibehält, könnte Solarstrom bis 2028 oder 2029 auch Kernenergie als zweitgrößte Stromquelle ablösen. Kernkraftwerke lieferten im Mai 2026 rund 19 Prozent des US-Stroms, verglichen mit Solars neuem Rekordwert von 12,8 Prozent. Die Differenz von rund sieben Prozentpunkten entspricht in etwa dem Abstand, den Solar gegenüber Kohle in fünf Jahren aufgeholt hat.
Diese Projektion steht unter dem Vorbehalt politischer Unsicherheit. Ohne die abgeschafften Steuergutschriften für Dachanlagen wird das Wachstum bei kleineren Haushaltssystemen langsamer ausfallen. Großflächige Solarprojekte, die von anderen Förderprogrammen und sinkenden Modulpreisen profitieren, wachsen dagegen weiter.
Was feststeht: Im Mai 2026 hat Solar in den USA mehr Strom geliefert als Kohle, in absoluten Zahlen und ohne statistische Ausnahme. Der Wendepunkt, den Energieforscher für dieses Jahrzehnt prognostiziert hatten, ist eingetreten.
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