
IWF: Ukraine wahrt Stabilität, Reformtempo sinkt
Quellen (2)
- Ukraine: 2026 Article IV Consultation and First Review of the Extended Arrangement Under the Extended Fund Facility, Requests for Waivers of Applicability of Performance Criteria, a Waiver of Nonobserimf.org
- Inflation to Continue to Decline, Economic Recovery to Remain Subdued due to War’s Consequences – Inflation Reportbank.gov.ua
Der Internationale Währungsfonds hat die erste Überprüfung seines Kreditprogramms für die Ukraine abgeschlossen und dadurch die gesamten Auszahlungen im Rahmen des Programms auf rund SDR 1,6 Milliarden (umgerechnet etwa 2,2 Milliarden US-Dollar) erhöht. Dabei handelt es sich um eine sofortige Auszahlung von SZR 503 Millionen (rund 690 Millionen US-Dollar). Die Programmleistung der Ukraine sei laut IWF insgesamt zufriedenstellend gewesen, alle quantitativen Leistungskriterien Ende März seien erfüllt worden, allerdings habe sich die Umsetzung einiger struktureller Reformen verzögert. Zugleich habe sich der wirtschaftliche Ausblick verschlechtert, hauptsächlich wegen verstärkter Angriffe auf kritische Infrastruktur und negativer Ausstrahleffekte des Kriegs im Nahen Osten.
Krieg im fünften Jahr, Stabilität aufrechterhalten
Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat laut dem Bericht sein fünftes Jahr erreicht. Dennoch habe die Ukraine unter äußerst schwierigen Bedingungen makroökonomische Stabilität aufrechterhalten, gestützt durch umfangreiche und anhaltende externe Finanzierung sowie umsichtige Politik.
Wachstum bleibt schwach, Schuldenstand bleibt hoch
Für 2026 rechnet der IWF mit einem realen Wirtschaftswachstum zwischen 1,0 und 1,6 Prozent, nach 1,8 Prozent im Jahr 2025; für 2027 erwartet der Fonds eine Beschleunigung auf 3,5 Prozent. Die Prognose für 2026 wurde nach einem schwachen ersten Quartal und anhaltenden kriegsbedingten Schocks nach unten korrigiert, verstärkt durch Ausstrahleffekte des Kriegs im Nahen Osten. Die öffentliche Verschuldung soll von 107,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Ende 2025 auf 111,8 Prozent im Jahr 2026 steigen, ehe sie 2027 leicht auf 110,3 Prozent sinkt.
Ziel für Währungsreserven im Juni verfehlt
Zwar wurden alle quantitativen Leistungskriterien und Richtwerte zum Ende März erfüllt, doch das Ziel für die Netto-Internationalen Reserven zum Ende Juni wurde verfehlt, teilweise wegen der Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten. Die Umsetzung von Reformen habe sich insgesamt verlangsamt, mehrere strukturelle Richtwerte seien verspätet oder gar nicht erfüllt worden; die ukrainische Regierung habe daraufhin Korrekturmaßnahmen und überarbeitete Zeitpläne für zentrale Reformen vereinbart. Das Exekutivdirektorium des IWF äußerte laut Bericht Bedauern über das verfehlte Reserveziel und Besorgnis über Verzögerungen bei programmkritischen Reformen; angesichts der anhaltend außergewöhnlich hohen Unsicherheit rund um den Krieg blieben die Risiken hoch.
Parlamentarische Blockaden bremsen Reformen für den EU-Beitritt
Die Reformdynamik habe sich im vergangenen Jahr abgeschwächt, teils wegen Blockaden im Parlament, was Fortschritte bei Reformen für den EU-Beitritt, für Wachstum und für die Mobilisierung von Einnahmen verzögere. Die Direktoren des IWF betonten, die Wiederbelebung struktureller Reformen sei grundlegend für eine dynamischere, widerstandsfähigere und marktbasierte Wirtschaft, und verwiesen auf die Notwendigkeit, das Geschäftsumfeld zu verbessern, Governance und Rechtsstaatlichkeit zu stärken sowie Korruptionsanfälligkeiten zu verringern.
Finanzierung bleibt gesichert – auch im Abwärtsszenario
Nach IWF-Angaben bleibt das Programm sowohl im Basis- als auch im Abwärtsszenario vollständig finanziert, gestützt durch fortlaufende Finanzierungszusagen internationaler Partner – unter anderem über das 90-Milliarden-Euro-Unterstützungsdarlehen der Europäischen Kommission für die Ukraine, die ERA-Finanzierung der G7 und weitere bilaterale Unterstützung. Die Gruppe der Gläubiger der Ukraine, die den Großteil der offiziellen bilateralen Schulden des Landes hält, habe den aktuellen Schuldenstillstand verlängert und sich verpflichtet, nach Klärung der außergewöhnlich hohen Unsicherheit eine endgültige Schuldenbehandlung abzuschließen.
Notenbank rechnete im Herbst 2025 mit gedämpfter Erholung
Bereits im Oktober 2025 hatte die Nationalbank der Ukraine in ihrem Inflationsbericht prognostiziert, dass die Inflation bis Ende jenes Jahres auf 9,2 Prozent sinken und 2027 ihr Ziel von 5 Prozent erreichen werde. Das Wirtschaftswachstum werde sich demnach 2025 auf 1,9 Prozent verlangsamen und in den Folgejahren leicht auf 2 bis 3 Prozent beschleunigen. Der Arbeitskräftemangel werde die Erholung im gesamten Prognosezeitraum bremsen, während die Arbeitslosigkeit schrittweise von rund 11 Prozent 2025 auf 10 Prozent 2026 und 9 Prozent 2027 sinken solle. Wegen steigender Verteidigungsbedürfnisse korrigierte die Notenbank ihre Annahme zum Haushaltsdefizit 2025 auf 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach oben; für 2026 rechnete sie mit einem Rückgang auf 19 Prozent und für 2027 auf 14 Prozent. Die Notenbank ging davon aus, dass die Ukraine 2025 51,5 Milliarden US-Dollar, 2026 über 45 Milliarden US-Dollar und 2027 39 Milliarden US-Dollar an internationaler Finanzierung erhalten werde.
Reserven sollen bis 2027 auf über 59 Milliarden Dollar wachsen
Laut NBU-Prognose sollen die internationalen Reserven bis Ende 2025 auf 53,6 Milliarden US-Dollar steigen, 2026 auf 52 Milliarden US-Dollar und 2027 auf über 59 Milliarden US-Dollar. Die Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits, angetrieben durch einen deutlichen Anstieg der Importe im Zuge des andauernden Kriegs, sei laut Notenbank weder auf einen Konsumboom noch auf geringe Wettbewerbsfähigkeit heimischer Waren zurückzuführen, sondern spiegle vor allem Investitionen in Verteidigungsfähigkeiten und Wiederaufbau wider. IWF und Notenbank zeichnen damit ein ähnliches Bild: Die ukrainische Wirtschaft bleibt vom Krieg gezeichnet und in hohem Maß von externer Finanzierung abhängig, während nach Einschätzung des IWF wichtige Strukturreformen weiter hinter dem Zeitplan zurückbleiben.
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