Injizierbares Implantat soll Nerven ohne OP steuern
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Injizierbares Implantat soll Nerven ohne OP steuern

Forschende aus Abu Dhabi haben SEED entwickelt: ein samengroßes, injizierbares Implantat, das Nerven drahtlos stimuliert, ohne Batterie oder Kabel. Laut Mitteilung soll es einen Ansatz zur Behandlung chronischer Schmerzen und Bewegungsstörungen bieten. Die Studie zeigt Labor-, Ex-vivo- und Tierversuche; eine Linderung chronischer Schmerzen oder Verbesserung von Bewegungsstörungen beim Menschen ist laut einem Bericht von ScienceDaily vom Oktober 2026 noch nicht belegt.

Quellen (8)
  1. An injectable, leadless bioelectronic interface for battery-free wireless peripheral neuromodulation - PMCpmc.ncbi.nlm.nih.gov
  2. NYU Abu Dhabi and Cleveland Clinic Abu Dhabi researchers develop injectable device to control nerves without surgery | EurekAlert!eurekalert.org
  3. Abu Dhabi medical partners plant seed of new pain relief method | The Nationalthenationalnews.com
  4. Scientists created a tiny device that can control your nerves to treat chronic pain | ScienceDailysciencedaily.com
  5. Tiny Injectable Implant Could Revolutionize Neuromodulation — Pain News Networkpainnewsnetwork.org
  6. Tiny injectable device could transform treatment for chronic pain and nerve disorders - The Brighter Side of Newsthebrighterside.news
  7. NYU Abu Dhabi collaborates with Cleveland Clinic to develop wire-free injectable microdevice for chronic pain management | HealthCare Middle East & Africa - No.1 Health & Pharma Manufacturing Industryhealthcaremea.com
  8. No surgery: Abu Dhabi researchers develop device for chronic pain, movement disorders | Khaleej Timeskhaleejtimes.com
14. Oktober 2026, 8:46 Uhr607 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Forscher der New York University Abu Dhabi haben zusammen mit der Cleveland Clinic Abu Dhabi ein injizierbares, batterie- und zuleitungsloses Gerät namens SEED entwickelt, das laut Mitteilung der beteiligten Institutionen Nervenaktivität steuern soll, ohne Operation, Batterien oder Drähte. Das Implantat misst laut der zugrunde liegenden Studie 1,4 Millimeter im Durchmesser und 9 Millimeter in der Länge und lässt sich durch eine standardmäßige 14-Gauge-Nadel setzen, ohne dass dafür ein chirurgischer Eingriff nötig ist. The National beschreibt das Gerät als etwa so groß wie ein Samenkorn, entwickelt, um Menschen mit chronischen neurologischen Erkrankungen Linderung zu bringen. Am 12. Juni 2026 erschien die zugrunde liegende Studie in der Fachzeitschrift Science Advances.

Wie das Implantat funktioniert

SEED steht für „Stimulating Electrode for Electroceutical Delivery“ und nutzt laut der Studie resonante induktive Kopplung bei 65 Kilohertz: Die Wellenform für die Stimulation wird extern erzeugt und gesteuert, das Implantat selbst arbeitet ohne aktive Elektronik. Im Inneren sitzen eine Empfangsspule für die drahtlose Energieaufnahme, ein Abstimmkondensator und eine Mikro-Leuchtdiode, die Aktivierung sichtbar anzeigt. Zwei spiralförmig gewickelte Platin-Iridium-Elektroden bilden die Schnittstelle zum Nerv. Nach dem Zusammenbau wird die Schaltung in eine gedruckte Polymerhülle eingeschlossen und mit medizinischem Epoxidharz versiegelt; unter dem Rasterelektronenmikroskop zeigte sich laut der Studie ein gleichmäßiges Profil ohne sichtbare Risse, Hohlräume oder Ablösungen. Weil sich laut den Autoren die Ausrichtung eines injizierten Geräts relativ zum Zielnerv nach der Platzierung nicht aktiv kontrollieren lässt, verglichen die Forschenden per Computersimulation mehrere Elektrodengeometrien und wählten die Spiralform wegen ihrer Feldausrichtung, Amplitude und räumlichen Begrenzung. Die Autoren betonen, dass diese Simulationen weder Aktivierungsschwellen noch die Wirksamkeit im lebenden Organismus vorhersagen sollten, sondern Unterschiede der Feldausrichtung und räumlichen Begrenzung zwischen Elektrodengeometrien zeigen. Die Energie bezieht SEED drahtlos über eine externe Sendespule und die miniaturisierte Empfangsspule im Implantat; zudem ist es laut der Studie gut mit Ultraschall und Computertomografie sichtbar, was eine bildgestützte Neuromodulation unterstützt.

medizintechnik

Was die bisherigen Tests zeigen

Am Ischiasnerv von Ratten lösten perkutan platzierte SEED-Implantate motorische Antworten im Takt der Stimulationsfrequenz aus und ließen sich dabei abgestuft regeln, wie die Studie beschreibt. Prüfstand- und Ex-vivo-Versuche unter Bedingungen, die der Situation im Körper ähneln sollen, zeigten zudem eine präzise, programmierbare Kontrolle von Stimulationsfrequenz, Pulsbreite und Amplitude. Ein Bericht zum Projekt erschien am 10. Oktober 2026 bei ScienceDaily: Demnach aktivierte das Team Nerven erfolgreich auch in einem lebenden Organismus, was die Quelle als frühen Schritt zur Prüfung einer möglichen medizinischen Anwendung bezeichnet. Der ScienceDaily-Beitrag beruht auf Material der New York University. Ob das Implantat beim Menschen chronische Schmerzen lindern oder Bewegungsstörungen verbessern kann, war zu diesem Zeitpunkt laut ScienceDaily noch nicht nachgewiesen.

neuromodulation

Der Seniorautor Khalil Ramadi, Assistenzprofessor für Bioengineering an der NYU Abu Dhabi und NYU Tandon, erklärte laut der Mitteilung der beteiligten Institutionen, mit einem injizierbaren statt chirurgisch implantierten Gerät mache man diese Therapien einfacher, sicherer und zugänglicher und erhalte zugleich die präzise Kontrolle der Nervenaktivität. Die erwarteten Behandlungsvorteile setzen laut ScienceDaily voraus, dass weitere Forschung Sicherheit und Wirksamkeit bestätigt. Erstautor Mohamed Elsherif, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der NYU Abu Dhabi, sagte, die Technik könne die Lücke zwischen nichtinvasiven Therapien und klassischen Implantaten schließen und Behandlungen ermöglichen, die wirksam und leicht zu verabreichen seien.

Im Vergleich: TENS-Geräte und Rückenmarkstimulatoren

Bestehende Neuromodulationsverfahren haben eigene Grenzen, wie Pain News Network beschreibt: TENS-Geräte sind nicht invasiv und leicht zu bedienen, können aber unangenehmes Kribbeln verursachen und aktivieren dabei auch Nerven und Muskeln, die keine Behandlung brauchen. Rückenmarkstimulatoren wiederum erfordern laut Pain News Network invasive Operationen nahe der Wirbelsäule sowie implantierte Drähte und Batterien, die ausfallen, einen Ersatz erfordern und Infektionen verursachen können. SEED soll dagegen laut der Studie ohne chirurgische Implantation auskommen und sich mit einer Standardnadel setzen sowie über eine externe Spule steuern lassen, ohne implantierte Batterie.

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