Friedensnobelpreis 2026 geht an Navi Pillay
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Friedensnobelpreis 2026 geht an Navi Pillay

Die Juristin Navi Pillay aus Südafrika erhält den diesjährigen Friedensnobelpreis für ihren Einsatz für internationales Recht. Die 85-Jährige kämpfte einst als Anwältin gegen die Apartheid, urteilte über Völkermord in Ruanda und sitzt derzeit am Weltgerichtshof über den Fall Myanmar.

Quellen (9)
  1. Nobel Peace Prize 2026 - Press release - NobelPrize.orgnobelprize.org
  2. 2026 Nobel Peace Prize awarded to Navi Pillay | ICC News | Al Jazeeraaljazeera.com
  3. Nobel Peace Prize 2026 awarded to Navanethem "Navi" Pillay, former International Criminal Court judge - CBS Newscbsnews.com
  4. Navanethem Pillay – Facts – 2026 - NobelPrize.orgnobelprize.org
  5. 2026 - Navanethem Pillay | United Nationsun.org
  6. Former UN human rights chief Navi Pillay awarded Nobel Peace Prize | UN Newsnews.un.org
  7. Israel Denounces Nobel Peace Prize Winner Over Gaza Genocide Probe - World Newshaaretz.com
  8. Announcement, Nobel Peace Prize 2026nobelprize.org
  9. The ICC strongly rejects US sanctions against the institution | International Criminal Courticc-cpi.int
10. Oktober 2026, 17:51 Uhr731 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Das Norwegische Nobelkomitee hat den Friedensnobelpreis 2026 an die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay verliehen, mit der Begründung, sie habe sich um die Förderung von Frieden und internationalem Recht verdient gemacht. Die Bekanntgabe erfolgte am Freitag in Oslo, es war nach Angaben des Komitees bereits der 125. Friedensnobelpreis. Die heute 85-jährige Pillay sitzt derzeit als Richterin am Internationalen Gerichtshof in dem Verfahren, in dem Myanmar Völkermord an den Rohingya vorgeworfen wird. Sie erhält den gesamten Preis allein, der mit 12 Millionen schwedischen Kronen, umgerechnet etwa 1,2 Millionen US-Dollar, dotiert ist und am 10. Dezember in Oslo überreicht wird.

Von der Verteidigerin Mandelas zur Richterin am Weltgerichtshof

Pillay wurde 1941 in Durban in eine Familie indisch-tamilischer Abstammung geboren und wuchs unter der Apartheid auf. 1967 gründete sie dort als erste Frau in der damaligen Provinz Natal eine eigene Anwaltskanzlei und verteidigte Anti-Apartheid-Aktivisten, darunter Nelson Mandela. Als Anwältin deckte sie Folter auf und setzte sich für die Rechte politischer Gefangener auf Robben Island ein. 1995 wurde sie als erste nichtweiße Frau Richterin am High Court von Südafrika und trat im selben Jahr dem Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda bei, wo sie acht Jahre lang, davon vier als Präsidentin, tätig war. Von 2003 bis 2008 war sie Richterin am Internationalen Strafgerichtshof, von 2008 bis 2014 UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Von 2021 bis 2025 leitete sie die UN-Untersuchungskommission zu den besetzten palästinensischen Gebieten, seit 2019 ist sie Ad-hoc-Richterin am Internationalen Gerichtshof im Fall Gambia gegen Myanmar.

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Anerkennung und scharfe Kritik am selben Tag

Das Komitee begründete die Entscheidung auch mit der Lage des internationalen Rechts: Dessen System stehe laut Komiteevorsitzendem Jørgen Watne Frydnes „unter enormem Druck“, seine Institutionen würden „angegriffen“. UN-Generalsekretär António Guterres gratulierte Pillay und erklärte, sie habe gezeigt, dass „die Kraft des Rechts über das Recht der Kraft siegen muss“. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa nannte die Auszeichnung einen „tiefgreifenden Tribut“ an Mut, Integrität und ihr lebenslanges Engagement für Gerechtigkeit.

Pillay selbst nahm die Nachricht in einem historischen Gerichtssaal in Nürnberg entgegen, in dem einst NS-Führer angeklagt wurden; sie kündigte an, die Auszeichnung „allen Überlebenden internationaler Verbrechen“ zu widmen. Sie verwies darauf, dass internationales Recht und Menschenrechte derzeit erheblichem politischem Druck ausgesetzt seien, besonders sichtbar an den Angriffen auf den Internationalen Strafgerichtshof. Israels Regierung reagierte scharf: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf Pillay vor, „Blutverleumdungen“ gegen Israel zu verbreiten und einen „gefälschten Fall“ gegen das Land beim Internationalen Strafgerichtshof legitimiert zu haben. Das israelische Außenministerium bezeichnete die Preisvergabe als „die abstoßende Instrumentalisierung einer Auszeichnung, um antiisraelischen Hass und Vorurteile zu legitimieren“. US-Präsident Donald Trump teilte auf Truth Social einen Beitrag, in dem es hieß, das Komitee habe den Preis durch die Vergabe an Pillay „herabgewürdigt“, am selben Tag kündigte Außenminister Marco Rubio weitere Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof an, den er als „Bedrohung für die US-Souveränität“ bezeichnete.

Im Vergleich: 125 Jahre Friedensnobelpreis

Der erste Friedensnobelpreis wurde vor 125 Jahren verliehen, schon damals habe das Komitee nach eigenen Angaben die Bedeutung internationalen Rechts zur Konfliktlösung betont. Für den diesjährigen Preis gingen 287 Nominierungen ein, unter den Bewerbern waren auch die Internationale Raumstation, Nothilfeteams im Sudan und zwei führende internationale Gerichte. Die USA sind mit 24 Auszeichnungen das meistgewürdigte Land vor Großbritannien mit 13 und der Schweiz mit 11, doch seit der Ehrung des damaligen Präsidenten Barack Obama 2009 hat kein als amerikanisch gelisteter Preisträger den Friedensnobelpreis mehr gewonnen. 19-mal wurde der Preis bislang nicht vergeben, meist während der Weltkriege, darunter 1948, dem Jahr der Ermordung Mahatma Gandhis, der zuvor zwölfmal nominiert worden war. Jüngste Preisträgerin bleibt die Bildungsaktivistin Malala Yousafzai, die 2014 im Alter von 17 Jahren ausgezeichnet wurde.

Was den Erfolg gefährdet

Stunden nach der Preisverleihung kündigte Rubio an, die neuen Sanktionen sollten Transaktionen mit dem Gerichtshof verbieten und dessen Ressourcen abschneiden, die Vereinigten Staaten würden ihre Kampagne zur Zerschlagung des Strafgerichtshofs „Stein für Stein“ fortsetzen, falls Verbündete ihn nicht zügelten. Der Gerichtshof hat nie einen US-Bürger angeklagt, ermittelt aber zu Handlungen von US-Streitkräften in Afghanistan, wo er nach Einschätzung von Human Rights Watch unter bestimmten Umständen auch über amerikanische Staatsangehörige Zuständigkeit besitzen könnte. Komiteechef Frydnes erklärte, die Vergabe an jemanden mit Pillays Lebenswerk sei auch eine Botschaft an jene, die das internationale System und seine Institutionen unterminierten. Das Komitee selbst beschreibt die Lage so: In einer Zeit mit mehr Kriegen und Konflikten, als die Welt lange gesehen habe, sei internationales Recht „nicht mehr nur eine Ergänzung zu Frieden und Sicherheit“, sondern „eine absolute Notwendigkeit“.

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