
Ebola im Kongo: Mehr als 5.000 Tote
Quellen (13)
- Ebola im Kongo: Schon mehr als 5.000 Ebola-Tote im Kongo | taz.detaz.de
- Virale Infektionskrankheit: Zahl der Ebola-Toten im Kongo steigt auf mehr als 5000 – über 10.000 bestätigte Infektionen - WELTwelt.de
- Zahl der Ebola-Toten in der Demokratischen Republik Kongo steigt auf mehr als 5000 - Politik - SZ.desueddeutsche.de
- Ebola disease outbreak caused by Bundibugyo virus – Multi-country – 2026 | European Centre for Disease Prevention and Controlecdc.europa.eu
- Ebola disease caused by Bundibugyo virus, Democratic Republic of the Congo, Kenya and Nigeriawho.int
- CDC / MMWR: Notes from the Field: The First 100 Days of Five Ebola Outbreaks — Democratic Republic of the Congo, Uganda, and West Africa, 2007–2026doi.org
- SitRep N°168/MVE-BDBV/29/10/2026 – Institut National de Sante Publiqueinsp.cd
- Nature Medicine: A case of Bundibugyo virus disease treated with monoclonal antibodies and remdesivirdoi.org
- Zahl der Ebola-Toten im Kongo steigt auf mehr als 5.000 | BR24br.de
- First participant vaccinated in pivotal Phase 2/3 Bundibugyo vaccine trial in DRCcepi.net
- A study into two treatments for the Bundibugyo virus is set to begin in Bunia | Institute of Tropical Medicineitg.be
- Communiqué d’Africa CDC sur le financement de la riposte à l’épidémie d’Ebola en RDC. – Africa CDCafricacdc.org
- Ebola en RDC : l’épidémie « sous contrôle » et la courbe épidémique en baisse - Site de la Primatureprimature.gouv.cd
Seit Mitte Mai 2026 sind in der Demokratischen Republik Kongo nach Angaben der Gesundheitsbehörden 5.026 Menschen nachweislich an Ebola gestorben, die Zahl der Erkrankten stieg auf 10.351, wie die taz berichtet. Die Welt und die Süddeutsche Zeitung meldeten am 31. Oktober dieselben Zahlen. Derzeit werden 1.101 Menschen behandelt oder befinden sich in Isolation, 2.788 frühere Patienten gelten als genesen.
Der größte Ebola-Ausbruch in der Geschichte des Kongo
Der Ausbruch geht auf das Bundibugyo-Virus zurück, eine der Orthoebolavirus-Spezies, für die es laut der Weltgesundheitsorganisation keinen zugelassenen Impfstoff und keine spezifische Behandlung gibt. Nach einem Bericht der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC vom 24. September 2026 war es der größte durch das Bundibugyo-Virus verursachte Ausbruch und der weltweit zweitgrößte Ebola-Ausbruch. Der Ausbruch wurde am 15. Mai 2026 offiziell erklärt. Zu diesem Zeitpunkt waren acht Fälle laborbestätigt, zusätzlich waren 246 Verdachtsfälle registriert. Das kongolesische Institut National de Santé Publique veröffentlichte am 30. Oktober einen eigenen Situationsbericht zum Datenstand 29. Oktober.
Die WHO bezifferte die bestätigten Fälle mit Stand 20. Oktober auf 9.704. Darunter waren 4.687 Todesfälle, die Fallsterblichkeit lag bei 48,3 Prozent. In den Tagen davor kamen 976 bestätigte Fälle hinzu. Darunter waren 482 Todesfälle. 307 davon starben in der Gemeinde, 175 in Behandlungszentren. Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten kam für den 29. Oktober auf 10.274 bestätigte Fälle. Mit Daten bis zum 28. Oktober zählte es zudem 4.992 Todesfälle. 1.052 Patienten waren zu diesem Zeitpunkt in Isolation hospitalisiert, 2.766 galten als genesen. Die Behörde erklärte zugleich, die von der Demokratischen Republik Kongo gemeldeten Zahlen würden fortlaufend überprüft und harmonisiert. Angesichts von Lücken in den epidemiologischen Informationen und begrenzter Kontaktnachverfolgung schätzte sie, dass der Ausbruch wahrscheinlich größer sei als derzeit gemeldet.
Ausbreitung in mehrere Länder
Seit der Ausbruchserklärung wurden Fälle in fünf Ländern registriert: der Demokratischen Republik Kongo, Uganda, Frankreich, Kenia und Nigeria. In Kenia stieg die Zahl der bestätigten Fälle bis zum 26. Oktober auf neun. Zwei davon starben, darunter der erste Fall, ein aus dem Kongo offenbar über Uganda eingereister kenianischer Staatsbürger. Nigeria meldete am 20. Oktober seinen ersten laborbestätigten Fall in der Bundeshauptstadtregion Abuja. Die Patientin, laut taz die Ehefrau eines Schweizer Diplomaten, wurde später medizinisch in die Schweiz evakuiert. Auch ein Arzt, der zuvor im Ostkongo im Einsatz war, wurde in Frankreich positiv getestet und später genesen aus dem Krankenhaus entlassen, wie die taz berichtet. Ein weiterer, im Kongo tätiger Gesundheitsmitarbeiter wurde zur Behandlung nach Deutschland evakuiert, wie ein im August veröffentlichter Fallbericht im Fachjournal Nature Medicine beschreibt. Uganda, das an die Demokratische Republik Kongo grenzt, verschärfte seine Grenzkontrollen und schickt Reisende aus der Seuchenregion für drei Wochen in Quarantäne, berichtete der Bayerische Rundfunk. Die WHO rät trotz der internationalen Ausbreitung von Reise- oder Handelsbeschränkungen gegenüber betroffenen Ländern ab.
Impfstoffe und Medikamente werden erst getestet
Am 23. Oktober erhielt der erste Teilnehmer der klinischen Studie Tumaini in Bunia eine Impfung. Die Phase-2/3-Studie soll Sicherheit, Immunantwort und Wirksamkeit mehrerer Impfstoffkandidaten gegen das Bundibugyo-Virus untersuchen, darunter den gegen das Ebola-Virus (EBOV) zugelassenen Impfstoff Ervebo, wie CEPI mitteilte. Die Studie prüft die Kandidaten per Ringimpfung, bei der vor allem Kontaktpersonen mit hohem Ansteckungsrisiko geimpft werden. Zwei weitere, eigens gegen das Bundibugyo-Virus entwickelte Kandidaten von Moderna und der Universität Oxford sollen demnächst hinzukommen. Parallel sollte ab dem 2. Juli in Bunia die Behandlungsstudie Partners beginnen, die den Antikörpercocktail MBP134 und das Virostatikum Remdesivir einzeln und in Kombination gegen die Standardversorgung testen soll, wie das Institute of Tropical Medicine mitteilte. Sie soll sechs Monate lang laufen. Ziel ist es, zwischen 700 und 1.000 Teilnehmende aufzunehmen. Die Wirksamkeit wird anhand der Sterblichkeit 28 Tage nach Behandlungsbeginn gemessen. Der Fallbericht in Nature Medicine beschreibt, wie der Patient unter dieser Kombination aus Antikörpern, Remdesivir und Unterstützungstherapie am 22. Tag nach Symptombeginn gesund entlassen wurde. Die Autoren betonen jedoch, der klinische Nutzen der Antikörpertherapie bleibe unklar und größere Studien seien nötig, um Wirksamkeit und Nutzen der Therapien zu bewerten.
Vorwürfe zu fehlender Finanztransparenz
Mitte Oktober erklärte Generaldirektor Jean Kaseya von der Afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC, internationale Geber hätten fast 962 Millionen US-Dollar direkt an internationale Organisationen und Nichtregierungsorganisationen ausgezahlt, die Ebola-Bekämpfung umsetzen sollten. Diese Mittel seien nicht an die kongolesische Regierung gegangen. Mehr als 700 Millionen US-Dollar davon seien den nationalen Behörden nicht bekannt. Laut Africa CDC nahmen nur 30 Prozent der betroffenen Organisationen an einer Besprechung teil und legten ihre Finanzdaten offen. Sie gaben an, rund 220 Millionen US-Dollar erhalten zu haben. Davon seien 120 Millionen bereits eingesetzt und 100 Millionen noch verfügbar. Africa CDC beklagte, Organisationen hätten trotz Aufforderungen die notwendigen Informationen weiterhin nicht übermittelt und kündigte an, mit der kongolesischen Regierung einen vollständigen Finanzabgleich vorzunehmen. Sollten Organisationen ihre Transparenzpflichten weiter verweigern, könne das bis zum Entzug ihrer Betriebserlaubnis im Land führen. Eine Stellungnahme der betroffenen Organisationen zu diesen Vorwürfen liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor.
Vom Höhepunkt zu weiter steigenden Gesamtzahlen
Anfang September hatte das staatliche Einsatzteam den Ausbruch bei einer von Premierministerin Judith Suminwa Tuluka geleiteten Lagebewertung noch als „unter Kontrolle“ eingestuft und von sinkender Übertragung gesprochen, auch in früheren Hotspots. Virologe Placide Mbala erklärte damals, die Epidemiekurve habe ihren Höhepunkt überschritten, mahnte aber zugleich zur Vorsicht, weil die Wirkung der Maßnahmen erst nach einigen Wochen sichtbar werde. Die Fallsterblichkeit lag laut WHO mit Stand 20. Oktober 2026 bei 48,3 Prozent. Wie belastbar die zugrunde liegenden Daten tatsächlich sind, bleibt offen: Das ECDC verweist selbst auf Lücken in den epidemiologischen Informationen und auf eine wahrscheinliche Untererfassung des Ausbruchs.
Kommentare