China: Erneuerbare erstmals 60 Prozent der Kapazität
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China: Erneuerbare erstmals 60 Prozent der Kapazität

2025 stammten erstmals über 60 Prozent der installierten chinesischen Stromerzeugungskapazität aus erneuerbaren Quellen. Mit über 430 neuen Gigawatt an Windkraftanlagen und Solaranlagen demonstriert China ein Ausbautempo, das kein anderes Land je erreicht hat.

Quellen (8)
  1. Chinesische Regierung: Erneuerbare übersteigen 60 Prozent (Jan. 2026)english.www.gov.cn
  2. Carbon Brief: Rekordsolarwachstum hält Chinas CO2 im ersten Halbjahr 2025 im Minuscarbonbrief.org
  3. YiCai Global: Chinas Wind- und Solarkapazität überschreitet 1.800 GWyicaiglobal.com
  4. CGTN: China überschreitet 60-Prozent-Marke bei Erneuerbarennews.cgtn.com
  5. Global Energy Monitor: China führt Welt bei Wind und Solar anglobalenergymonitor.org
  6. Bundesnetzagentur: Wachstum erneuerbarer Energien in Deutschland 2024bundesnetzagentur.de
  7. World Economic Forum: Wie China mehr Erneuerbare zubaut als jede andere Volkswirtschaftweforum.org
  8. EcoWatch: Chinas Solar- und Windinstallationen brechen weitere Weltrekordeecowatch.com
1. Juni 2026, 9:05 Uhr692 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Im Mai 2025 installierte China laut Carbon Brief 92,9 Gigawatt neue Solarkapazität in einem einzigen Monat. Das entspricht grob der gesamten deutschen Solarkapazität, die Deutschland in über zwanzig Jahren aufgebaut hat. Am Ende des Jahres hatten erneuerbare Energien in China erstmals die 60-Prozent-Marke der installierten Stromerzeugungskapazität überschritten, teilte die chinesische Regierung Ende Januar 2026 mit.

Größter Erneuerbaren-Zubau aller Zeiten

Ende 2025 verfügte China über eine installierte Windkapazität von 640 Gigawatt und eine Solarkapazität von 1.200 Gigawatt. Hinzu kommen 442 Gigawatt aus Wasserkraft und weiteren erneuerbaren Quellen. Die Gesamtkapazität erneuerbarer Energieträger liegt damit bei über 2.280 Gigawatt. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 waren es noch rund 900 Gigawatt.

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Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen erreichte laut Regierungsangaben rund 4 Billionen Kilowattstunden im Jahr 2025. Das übersteigt den Gesamtstromverbrauch der 27 EU-Staaten, der bei etwa 3,8 Billionen Kilowattstunden liegt. Im Februar 2026 übertraf sauberer Strom erstmals fossile Brennstoffe bei der monatlichen Einspeisung: Erneuerbare machten 52 Prozent der tatsächlichen Stromerzeugung aus.

Neunzig Solarpanele pro Sekunde: Mai 2025

Besonders auffällig war der Mai 2025: In diesem Monat allein installierte China laut Carbon Brief 92,9 Gigawatt neue Solarkapazität. Bei einem Standardpanel mit 400 Watt Nennleistung entspricht das etwa 90 Paneelen pro Sekunde, durchgehend über 31 Tage. Einen solchen monatlichen Zubau hat kein anderes Land der Welt je verzeichnet.

Hintergrund war ein Fördersystemwechsel: Wer bis Ende Mai Anlagen ans Netz brachte, profitierte noch von den alten Einspeisevergütungen. Das löste einen Installationssturm aus. Die zweite Jahreshälfte verlief deutlich ruhiger: Im August 2025 installierte China nur noch 7,4 Gigawatt im Monat. Über das Gesamtjahr gesehen wuchs Chinas Solarkapazität um 35 Prozent auf 1.200 Gigawatt, die Windkapazität um 23 Prozent auf 640 Gigawatt.

Im Vergleich: Was 430 Gigawatt in einem Jahr bedeuten

Deutschland verfügte Ende 2024 laut Bundesnetzagentur über eine installierte Gesamtkapazität aus Wind, Solar, Wasser und Biomasse von knapp 190 Gigawatt: 73 Gigawatt Windkraft, 99 Gigawatt Solar und rund 14 Gigawatt aus Wasser und Biomasse. China hat diesen Gesamtwert allein durch seinen Neuzubau des Jahres 2025 mehr als doppelt übertroffen.

Die Europäische Union kommt in ihrer Gesamtheit auf Kapazitäten aus Wind und Solar von rund 520 Gigawatt. Chinas Kapazität aus Windkraft und Solar beträgt 1.840 Gigawatt und übertrifft das mehr als dreifach. Die USA verfügten Ende 2025 über eine installierte Solarkapazität von rund 279 Gigawatt. In dieser Kategorie allein hat China das Vierfache.

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Ein historischer Vergleich: Dänemark gilt als Vorreiter der Energiewende und deckt bereits über 80 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen. Dänemark erreicht das mit einer installierten Kapazität von unter 20 Gigawatt. China zeigt, dass dasselbe Prinzip des konsequenten Ausbaus von Windkraft und Solar auch auf die Dimension eines milliardenschweren Industrielands übertragbar ist.

Kohle und Curtailment als offene Flanken

Trotz der Rekordzahlen gibt es strukturelle Einschränkungen. Die Stromnachfrage wächst in China schnell: Industrie, Rechenzentren und der Elektromobilitätsboom treiben den Verbrauch. Gleichzeitig genehmigte China 2024 laut Global Energy Monitor Kohlekraftwerke mit rund 50 Gigawatt neuer Leistung, mehr als in jedem Jahr seit 2015. Erneuerbare und Kohle wachsen derzeit parallel.

Ein weiteres Problem ist Curtailment: Im Nordwesten des Landes entstehen viele Solarparks, doch die Übertragungsinfrastruktur in die bevölkerungsreichen Küstenstädte fehlt noch teilweise. Fertig installierte Anlagen produzieren Strom, der nicht vollständig abgerufen werden kann. International sorgen Zölle der EU und der USA auf chinesische Solarmodule für Unsicherheit auf der Exportseite, haben aber für den inländischen Ausbau eine unbeabsichtigte Gegenwirkung: Module, die nicht exportiert werden können, senken die Inlandspreise und machen neue Projekte rentabler.

Wenn das Tempo hält: China auf dem Weg zu 70 Prozent

Hält China den Ausbau auf dem Niveau von 430 Gigawatt pro Jahr, würde die installierte Kapazität aus Windkraft und Solar bis 2027 auf rund 2.700 Gigawatt steigen. Das wäre mehr als das Fünffache der gesamten Kapazität aus Wind und Solar in der EU. Die Frage, ob dieser Wert realistisch ist, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: dem Ausbau der Hochspannungsleitungen, die Erzeugerregionen und Verbraucherregionen verbinden müssen und dem politischen Willen, den Kohlekraftwerksbestand tatsächlich abzubauen.

Für das Klima zählt nicht die installierte Kapazität allein, sondern der Strom, der fossile Träger tatsächlich verdrängt. Der Schritt von 60 Prozent Kapazitätsanteil zu 60 Prozent Erzeugungsanteil erfordert Netze und Speicher, die aktuell noch nicht im gleichen Tempo wachsen wie die Solarparks selbst.

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