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Gesellschaft
Kerkeling und die letzten Zeugen: Buchenwald erinnert an 81 Jahre Befreiung

Kerkeling und die letzten Zeugen: Buchenwald erinnert an 81 Jahre Befreiung

Hape Kerkeling hielt zur Gedenkfeier in Buchenwald eine Rede, die persönliche Familiengeschichte mit einer Warnung vor antidemokratischen Kräften verband. Sein Großvater saß dort drei Jahre als politischer Häftling. Zwei Überlebende des Lagers, 98 und 99 Jahre alt, waren anwesend.

12. April 2026, 20:03 Uhr 648 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Hape Kerkeling ist bekannt als Komiker und Bestsellerautor. Zur Gedenkfeier für den 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald am 12. April 2026 sprach er jedoch nicht als Entertainer, sondern als Enkel: Sein Großvater Hermann war drei Jahre lang als politischer Häftling in Buchenwald interniert. Kerkelings Rede wurde zu einer der eindringlichsten demokratiepolitischen Mahnungen des Jahres. Zwei Überlebende des Lagers waren anwesend: Alojzy Maciak aus Polen, 98 Jahre alt und Andrei Moiseenko aus Belarus, 99 Jahre alt.

Was in Buchenwald geschah

Das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar war von 1937 bis zur Befreiung am 11. April 1945 eines der größten Lager auf deutschem Boden. Mehr als 250.000 Menschen aus über 50 Ländern waren dort interniert, mehr als 56.000 starben. Gefangen wurden nicht nur Juden, sondern auch politische Gegner des NS-Regimes, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und sowjetische Kriegsgefangene. Am 11. April 1945 befreiten Soldaten des amerikanischen III. Korps das Lager, nachdem Häftlinge in einem Aufstand die Bewachung überwältigt hatten.

Kerkelings Großvater Hermann wurde als Kommunist und Katholik interniert. Diese Kombination, linke Überzeugung und religiöser Glaube, machte ihn in den Augen des Regimes zu einem Feind der nationalsozialistischen Weltordnung.

Die Rede: Persönlich und politisch

Kerkeling sagte in Buchenwald, was gegen seinen Großvater als "Hochverrat" konstruiert wurde, sei für ihn "das höchste Zeugnis der Treue zur Menschheit" gewesen. Die Formulierung ist präzise: Sie dreht die Terminologie des NS-Regimes um und erklärt Widerstand zum moralischen Akt, nicht zum Verbrechen.

Kerkeling rief zur "zivilgesellschaftlichen Wehrhaftigkeit" auf und warnte vor antidemokratischen Bewegungen, ohne Parteien beim Namen zu nennen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer überbrachte die Grüße der Bundesregierung und betonte die Bedeutung der Gedenkstätten als "Orte des Lernens und der Mahnung".

Die letzten Zeugen

Maciak, 1927 in Polen geboren, war bei der Befreiung 17 Jahre alt. Moiseenko, 1926 in Belarus geboren, war 18. Beide gehören zu den letzten lebenden Überlebenden des Lagers. Ihre Anwesenheit machte greifbar, was durch schriftliche Überlieferung allein nicht vermittelt werden kann: die körperliche Realität des Erlebten, die Kontinuität zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die ein 99-jähriger Zeuge in einem Raum herstellt.

Mit dem Tod jedes weiteren Zeitzeugen wird diese unmittelbare Überlieferung schwerer. Die Gedenkstätte Buchenwald arbeitet bereits an Oral-History-Projekten, die Aussagen von Maciak, Moiseenko und anderen Überlebenden für künftige Generationen zugänglich halten. Audiovisuelle Archive und digitale Vermittlungsformate sollen die Lücke schließen, die persönliche Zeugenberichte hinterlassen.

Erinnerung als politischer Akt

Kerkelings Warnung vor antidemokratischen Kräften war kein historischer Exkurs, sondern eine Adressierung der politischen Gegenwart. In einer Zeit, in der rechtspopulistische Parteien europaweit in Parlamenten vertreten sind und die Erinnerungskultur selbst politisch umkämpft wird, zeigt die Wahl eines Komikers als Gedenkredner eine klare Absicht der Veranstalter: Kerkeling hat einen direkten familiären Zugang zu diesem Ort, der keine akademische Distanz zulässt.

Die Gedenkstätte Buchenwald verzeichnet seit Jahren wachsende Schulklassenbuchungen. Gleichzeitig wird die Frage, wie Erinnerungsarbeit ohne lebende Zeugen gelingen soll, drängender. Die Antwort des Gedenkstättenverbunds: verstärkte Digitalisierung, aber auch der Einsatz von Persönlichkeiten wie Kerkeling, die den Bogen zwischen persönlicher Geschichte und politischer Gegenwart schlagen können.

Wie es weitergeht

Am 11. April 2027 jährt sich die Befreiung zum 82. Mal. Ob dann noch lebende Überlebende anwesend sein werden, ist offen. Maciak und Moiseenko sind beide hochbetagt. Die Gedenkstätte plant für die kommenden Jahre eine Erweiterung ihrer Dauerausstellung mit besonderem Fokus auf Einzelschicksale, um die schwindende Gruppe der Zeitzeugen durch individualisierte Geschichten zu ersetzen. Kerkelings Rede hat gezeigt, dass diese Geschichte auch in der zweiten Generation noch unmittelbare politische Kraft entfalten kann.

KI-gestützt erstellt

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