
Brasilien beschließt mehr Ruhetage per Verfassung
Quellen (11)
- Senado aprova fim da escala 6x1 — Senado Notíciaswww12.senado.leg.br
- Emenda Constitucional nº 141planalto.gov.br
- Brazil approves constitutional amendment reducing working hours - DLA Piper GENIEknowledge.dlapiper.com
- Senado aprova fim da escala 6x1 e redução da jornada de trabalho | Agência Brasilagenciabrasil.ebc.com.br
- Câmara aprova em dois turnos fim da escala 6x1 com jornada máxima de 40 horas semanais - Portal da Câmara dos Deputadoscamara.leg.br
- Fim da escala 6x1: Que patamar estamos, o que falta e do que se trata? - Migalhasmigalhas.com.br
- Congresso Nacional promulga PEC que reduz jornada de trabalho e estabelece dois dias de descanso remunerado — Ministério do Trabalho e Empregogov.br
- Brazil Approves 5-Day, 40-Hour Workweek In Historic Labor Reformallwork.space
- CUT elogia fim da “massacrante” 6x1; CNI quer revisar PEC aprovada | Agência Brasilagenciabrasil.ebc.com.br
- Entidades alertam para alta de preços com fim da escala 6x1 | CNN Brasilcnnbrasil.com.br
- Centrais sindicais temem exclusão de categorias na PEC do fim da 6×1 | Jornal de Brasíliajornaldebrasilia.com.br
Der brasilianische Senat billigte am 14. Oktober 2026 mit 75 Ja-Stimmen und einer Gegenstimme das Ende des Arbeitsmodells mit sechs Arbeitstagen und einem Ruhetag, bekannt als 6x1. Die Präsidien von Abgeordnetenkammer und Senat promulgierten den Text als Verfassungsänderung Nr. 141 vom 16. Oktober 2026. Er sieht künftig grundsätzlich zwei bezahlte wöchentliche Ruhetage vor und senkt die Wochenhöchstarbeitszeit schrittweise von 44 auf 40 Stunden, ohne dass die Löhne sinken. Laut Verfassungstext können Kollektivvereinbarungen die zwei bezahlten wöchentlichen Ruhetage im Monatsdurchschnitt sichern; innerhalb einer Arbeitswoche muss mindestens ein Ruhetag liegen.
Vom Entwurf bis zur Promulgation
Die Abgeordnetenkammer hatte die zugrunde liegende Vorlage, die PEC 221/19, bereits im Mai in zwei Abstimmungsrunden gebilligt: im zweiten Durchgang mit 461 Ja-Stimmen gegen 19, im ersten mit 472 gegen 22. Autor des Entwurfs war der Abgeordnete Reginaldo Lopes, Berichterstatter im Senat Omar Aziz. Nach einer Phase im Verfassungs- und Justizausschuss kam die Vorlage in der Woche vor der Abstimmung ins Plenum, nachdem Senatspräsident Davi Alcolumbre dies zugesagt hatte; Senatorinnen und Senatoren ermöglichten beide Abstimmungsrunden am selben Abend durch die symbolische Annahme eines Sonderzeitplans. Einzige Gegenstimme im Senat war Hamilton Mourão, der sich in der Sitzung nicht äußerte.

Was sich für Beschäftigte konkret ändert
Laut Verfassungstext gilt ab zwei Monaten nach Veröffentlichung eine Höchstgrenze von 42 Wochenstunden, ein Jahr später sinkt sie auf 40 Stunden; die zwei bezahlten Ruhetage treten ebenfalls erst nach Ablauf der zweimonatigen Frist in Kraft. Die Neuregelung gilt laut Verfassungstext auch für bereits bestehende Arbeitsverträge und wird ohne Lohnkürzung umgesetzt, auch bei Lohnuntergrenzen. Für Beschäftigte bei der Ausführung bestimmter bereits bestehender öffentlicher Verträge greift die Arbeitszeitverkürzung laut Verfassungstext mit der Vertragsanpassung, spätestens nach einem Jahr ab Veröffentlichung. Ausgenommen von Arbeitszeit- und Erfassungsregeln sind grundsätzlich Beschäftigte mit Hochschulabschluss und einem Monatsentgelt ab dem Zweieinhalbfachen der Rentenversicherungsobergrenze, außer bei öffentlich Beschäftigten, für die diese Ausnahme laut Verfassungstext nicht gilt. Nach Angaben des Arbeitsministeriums arbeiteten im Dezember 2025 14,7 Millionen der 44,5 Millionen formal nach der CLT Beschäftigten im 6x1-Modell; damit müssen sich 33,2% dieser Beschäftigten an die neuen Regeln anpassen. Das Ministerium kündigte an, dass Branchen mit besonderen Arbeitsrhythmen ihre Arbeitszeiten gemeinsam mit den jeweiligen Gewerkschaften anpassen müssen.
Zustimmung aus Regierung und Gewerkschaften
Präsident Lula nannte die Änderung laut einem Beitrag auf X einen Sieg für die Beschäftigten und erklärte, sie bedeute mehr Zeit zum Leben, Ausruhen, für die Familie und das Aufwachsen der Kinder. Sein Herausforderer in der Stichwahl, der rechte Senator Flávio Bolsonaro, hatte die Reform zuvor abgelehnt, kündigte aber am Dienstag vor der Abstimmung an, dafür zu stimmen; seine Partei gab die Abstimmung frei. Die Gewerkschaftszentrale CUT bezeichnete das Ende des von ihr als zermürbend beschriebenen Modells als großen Sieg der Arbeiterschaft. Força-Sindical-Präsident Miguel Torres erklärte, die Maßnahme komme Millionen Menschen zugute, die mehr Zeit für Gesundheit, Familie, Bildung und Freizeit hätten; Studien und internationale Erfahrungen zeigten zudem tendenziell steigende Produktivität.

Widerstand aus der Industrie
Der Industrieverband CNI schätzte nach der Senatsabstimmung, dass die Reform die Produktionskosten um R$ 267,2 Milliarden erhöhen und die Verbraucherpreise durchschnittlich um 6,2% steigern könnte; das Bruttoinlandsprodukt könnte um 0,7% beziehungsweise R$ 76,9 Milliarden sinken. Nach CNI-Schätzung würden sich Industrieprodukte im Schnitt um 6% verteuern, Kleidung und Schuhe um bis zu 6,6% und Supermarkteinkäufe um 5,7%. CNI-Präsident Ricardo Alban kritisierte die Zustimmung ohne vertiefte Debatte über die wirtschaftlichen Folgen und forderte, der Kongress solle das Thema nach Bewertung von Inflation und Wettbewerbsfähigkeit erneut diskutieren. Auch die Verbände Fiemg, Abrasel, CBIC und Abrainc warnten vor Risiken für die formelle Beschäftigung, zusätzlichem Personalbedarf in Bars und Restaurants, Verzögerungen am Bau und steigenden Immobilienpreisen. Der Handelsverband CNC bedauerte die Diskussion der Strukturreform mitten im Wahlzeitraum und forderte vertiefte technische Untersuchungen.
Die aktuelle Reform ist nicht die erste Verkürzung der Wochenarbeitszeit in Brasilien: Schon mit der Verfassung von 1988 sank sie von 48 auf 44 Stunden; die heutige Reform sieht nun einen zusätzlichen Ruhetag vor und senkt die Wochenhöchstarbeitszeit schrittweise von 44 auf 40 Stunden. Von den laut Arbeitsministerium 44,5 Millionen formal nach der CLT Beschäftigten arbeiteten im Dezember 2025 bereits 29,7 Millionen im 5x2-Modell, während 14,7 Millionen von der Reform unmittelbar betroffen sind. Eine Dieese-Auswertung der IBGE-Erhebung PNAD für 2025 schätzt den Kreis der Begünstigten deutlich weiter: 26,8 Millionen Beschäftigte, davon 22 Millionen formell Beschäftigte, entsprechend 54% der Beschäftigten mit formell registriertem Arbeitsverhältnis, sowie rund 4,8 Millionen informell Beschäftigte mit mehr als 40 Wochenstunden.
Offene Baustellen vor der vollen Wirkung
Laut Verfassungstext kann ein ergänzendes Gesetz Übergangsmaßnahmen für Einzelkleinstunternehmer, Kleinstunternehmen und kleine Unternehmen festlegen, sofern das Beschäftigungsniveau erhalten bleibt. Der oppositionsführende Senator Rogerio Marinho hatte mit der PEC 12/2026 einen Entwurf für ein Modell mit stundenbezogener Vergütung eingebracht; PL-Fraktionschef Sóstenes Cavalcante erklärte, ein gewählter Präsident Flávio Bolsonaro solle diesen Entwurf verabschieden.
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