Ausgewilderte Gorillamutter Lulingu bekommt Jungtier
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Ausgewilderte Gorillamutter Lulingu bekommt Jungtier

Die als Jungtier aus dem Wildtierhandel gerettete Flachlandgorilla Lulingu hat im Virunga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo ein Jungtier zur Welt gebracht. Vater ist der wilde Silberrücken Mwasa, Mutter und Kind gelten laut den beteiligten Tierärzten als gesund.

Quellen (9)
  1. Reintroduced Gorilla Gives Birth in the Wild | Virunga National Parkvirunga.org
  2. Rescued Gorillas Rewilded in Eastern Congo | Virunga National Parkvirunga.org
  3. Rescued Gorilla Gives Birth After Return to Wild | rewild.orgrewild.org
  4. Eastern Lowland Gorillas (Grauer's Gorilla) | Virunga National Parkvirunga.org
  5. Catastrophic Decline of World's Largest Primate: 80% Loss of Grauer's Gorilla (Gorilla beringei graueri) Population Justifies Critically Endangered Status - PMCpmc.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Mount Tshiaberimu - Virunga National Parkvirunganationalpark.org
  7. Journal of Wildlife Management (Iyer, Kahlenberg, Williamson, Kyungu, Syaluha, Mbeke, de Merode & Caillaud 2023): Viability analysis for population reinforcement of Grauer's gorillas at Mount Tshiaberimu, Democratic Republic of the Congodoi.org
  8. Four female gorillas reintroduced to the wild in the Democratic Republic of the Congorewild.org
  9. Critically endangered gorilla orphaned as a baby gives birth after historic return to the wild | Gorilla Doctorsgorilladoctors.org
3. Oktober 2026, 1:55 Uhr977 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Am 21. Mai 2026 brachte die Gorilla Lulingu im Virunga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo ein Jungtier zur Welt und zählt damit zu einer der ersten jemals erfolgreich in die Wildnis zurückgeführten östlichen Flachlandgorillas. Vater ist der wilde Silberrücken Mwasa, der mit seiner Gruppe auf dem Berg lebt, in die sich Lulingu seit ihrer Auswilderung integriert hat. Dr. Cedric Kibengo, Feldtierarzt bei Gorilla Doctors, der die Gesundheit aller östlichen Flachlandgorillas auf dem Mt. Tshiaberimu seit 2024 überwacht, erklärte, Mutter und Jungtier seien gesund und wohlauf.

Von der Rettung zur Mutterschaft

Lulingu war erst 18 Monate alt, als sie ihrer Familie entrissen und in den illegalen Wildtierhandel verkauft wurde. Die kongolesische Naturschutzbehörde ICCN und Gorilla Doctors retteten sie, laut Virunga National Park war sie damit der jüngste verwaiste Gorilla, der je zur Auffangstation GRACE gebracht wurde, der einzigen Einrichtung weltweit für gerettete östliche Flachlandgorillas. Dort pflegte GRACE sie zunächst rund um die Uhr, bevor der Gorilla Pinga die Rolle der Ersatzmutter übernahm und sie in die größere Gorillafamilie der Einrichtung aufnahm, zu der auch Mapendo, Ndjingala und Isangi gehörten, die drei Weibchen, die später gemeinsam mit Lulingu in die Wildnis zurückkehren sollten. Jackson Kabuyaya Mbeke, DR-Kongo-Landesdirektor von GRACE, sagte, er sei seit Beginn der Einrichtung dabei gewesen und Lulingus Weg spiegele alles wider, was man sich erhofft habe, er habe sie als jüngstes Waisenkind ankommen, in einer Ersatzfamilie aufwachsen, in die Wildnis zurückkehren und nun zum ersten Mal Mutter werden sehen.

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Warum 2024 vier Weibchen ausgewildert wurden

Lulingu war eines von vier Weibchen, die Ende 2024 vom GRACE-Schutzgebiet in Kasugho auf den Mt. Tshiaberimu im Virunga-Nationalpark gebracht wurden. Grund war eine Populationsüberlebensanalyse, der zufolge der kleinen, isolierten Gorillagruppe auf dem Berg ohne die Hinzufügung fortpflanzungsfähiger Weibchen ein hohes Aussterberisiko innerhalb von 50 Jahren drohte. In einer anderen Veröffentlichung desselben Parks wird für dieselbe Ausgangslage stattdessen eine Frist von 20 Jahren genannt, ohne dass die unterschiedlichen Angaben erklärt werden. Die Freilassung war laut den beteiligten Organisationen der Abschluss eines mehr als fünfjährigen Rewilding-Prozesses, geleitet von GRACE, Virunga-Nationalpark und lokalen Gemeinschaften, mit Unterstützung von Gorilla Doctors und Re:wild.

Wie das Monitoring-Team die Schwangerschaft entdeckte

Virungas Gorilla-Monitoring-Team beobachtet die Familiengruppe seit der Freilassung der vier Weibchen im Dezember 2024 engmaschig und registrierte, wie sie sich mit Mwasa paarten. Neben der Beobachtung des Fressverhaltens sammelte das Team nicht-invasiv Urinproben von Blättern und nutzte handelsübliche menschliche Schwangerschaftstests, um erhöhte Hormonwerte festzustellen, die auf eine Schwangerschaft hindeuten. Mary Brown, Africa Program Lead von Re:wild, bezeichnete das neue Leben als Zeichen für Widerstandsfähigkeit und Erholung und für das, was durch langfristige Pflege, Zusammenarbeit und gezielten Schutz möglich sei.

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Mutter und Jungtier gelten als gesund

Laut Gorilla Doctors musste keines der vier wiederausgewilderten Weibchen seit der Freilassung tierärztlich behandelt werden, mit Lulingus Jungtier habe man nun einen weiteren Patienten unter ihrer Fürsorge, Mutter und Jungtier seien gesund. Benoit Ishaba, Leiter des Gorilla-Monitorings auf dem Mt. Tshiaberimu und Ranger im Virunga-Nationalpark, berichtete, Lulingu mache einen großartigen Job und sei zentral für die Familiengruppe, man habe sie beim Säugen, Wiegen und Spielen mit dem Baby beobachtet, während der andere junge Gorilla in ihrer Gruppe Interesse gezeigt habe und Lulingu geduldig mit ihm umgegangen sei. Obwohl alle vier Weibchen bei GRACE mit jungen Gorillas interagiert hatten, hatte zuvor keine von ihnen selbst ein Jungtier großgezogen. Katie Fawcett, wissenschaftliche und geschäftsführende Direktorin von GRACE Gorillas, nannte die Geburt einen Meilenstein für die Gorillas und äußerte sich vorsichtig optimistisch, dass Lulingu die Mutterschaft gut bewältigen und das Jungtier überleben werde, unabhängig vom Ausgang sei es ein weiteres historisches Erstereignis für die Erhaltung der Art.

Im Vergleich: Eine Population am Rand des Aussterbens

Der östliche Flachlandgorilla, auch Grauer's Gorilla genannt, wird laut Virunga National Park von der Weltnaturschutzunion IUCN als critically endangered eingestuft, vom Aussterben bedroht. Eine 2016 veröffentlichte Studie schätzte, dass nur noch rund 3.800 Grauer's Gorillas in freier Wildbahn lebten, ein Rückgang von 77 Prozent innerhalb einer Generation. Vor dem Bürgerkrieg war die Population den Autoren zufolge noch auf 16.900 Tiere geschätzt worden, in der einstigen Hochburg Kahuzi-Biega-Nationalpark gingen die Bestände um 87 Prozent zurück. Auf dem Mt. Tshiaberimu selbst reicht die dokumentierte Geschichte des Rückgangs noch weiter zurück: 1959 fand der Zoologe Schaller bei einem zweiwöchigen Aufenthalt 20 Gorillas in vier Gruppen und schätzte die Gesamtpopulation auf nicht mehr als 40 Tiere. 1986 kam eine Untersuchung von Conrad Aveling zu dem Schluss, dass nicht mehr als 20 Individuen übrig geblieben seien, 1998 waren es laut Virunga National Park nur noch 16 Gorillas, als die Gorilla Organization mit einer Spende des Autors Michael Crichton begann, den Schutz zu unterstützen. Eine 2023 veröffentlichte Studie von Iyer und Kollegen bezifferte den Bestand auf dem Berg zuletzt auf 6 Grauer-Gorillas, darunter nur 2 adulte Weibchen.

Welche Risiken die kleine Population weiter bedrohen

Wie hoch das Sterberisiko für Jungtiere östlicher Flachlandgorillas in freier Wildbahn ist, haben Forscher bislang nicht untersucht, bei der eng verwandten Berggorilla-Art liegt die Jungtiersterblichkeit laut Virunga National Park bei etwa 35 Prozent. Die Autoren der Populationsüberlebensanalyse selbst weisen darauf hin, dass Faktoren wie Inzuchtdepression, Lebensraumqualität, Krankheitsrisiken und menschlicher Druck erst in späteren Phasen der Planung bewertet werden müssten. Rund um die gesamte Grenze des Mt. Tshiaberimu gilt landwirtschaftliches Vordringen laut einem Bericht des Parks als die größte einzelne Bedrohung für das Gebiet und seine Gorillas. Wegen der komplexen sozialen Dynamik von Gorillas ist es zudem möglich, dass eines oder mehrere der Weibchen nicht dauerhaft bei Mwasa bleiben und sich stattdessen einer anderen Familiengruppe anschließen. Wie viele Tiere derzeit auf dem Berg leben, lässt sich aus den vorliegenden Mitteilungen nicht eindeutig bestimmen: Nach der Verstärkung Ende 2024 stieg die Zahl laut Virunga National Park von acht auf zwölf, eine andere Veröffentlichung desselben Parks nennt an anderer Stelle neun Tiere, ohne die Differenz zu erklären. Mindestens eines der anderen wiederausgewilderten Weibchen könnte laut Virunga National Park ebenfalls schwanger sein und in den kommenden Wochen oder Monaten gebären.

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