
AfD bestätigt Hackerangriff auf E-Mail-Konten
Quellen (9)
- AfD bestätigt Hackerangriff auf E-Mail-Konten | tagesschau.detagesschau.de
- Hackerangriff auf AfD: Hunderttausende interne Mails könnten abgeflossen sein - Politik - SZ.desueddeutsche.de
- Massenhaft AfD-Daten widerrechtlich migriert | heise onlineheise.de
- Website veröffentlicht tausende Mails: Riesiges E-Mail-Datenleak bei der AfD | taz.detaz.de
- Vorfall im September - AfD bestätigt Hackerangriff auf E-Mail-Konten der Parteideutschlandfunk.de
- Cyberangriff: AfD bestätigt Hackerangriff auf E-Mail-Kontenhandelsblatt.com
- Zahlreiche Daten veröffentlicht: E-Mail-Konten der AfD gehackt - Hunderttausende Mails erbeutet - n-tv.den-tv.de
- Hackerangriff auf E-Mail-Konten der AfD: Daten online aufgetauchtzdfheute.de
- Unter anderem Account von Gauland: Hackerangriff auf E-Mail-Konten der AfD – diverse Mails veröffentlichttagesspiegel.de
Die AfD bestätigte auf Anfrage, dass es im September 2026 einen Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister der Partei gegeben habe, bei dem offenbar Teile einiger weniger Mail-Postfächer widerrechtlich kopiert worden seien. Die meisten dieser Konten seien seit Jahren nicht mehr genutzt worden, aktuelle Postfächer des Bundesverbands seien nicht betroffen gewesen. Nach Angaben eines Parteisprechers habe die AfD wegen des Verdachts einer Kompromittierung 24 Mail-Postfächer überprüft; bei zehn davon seien offenbar teilweise Daten gestohlen worden. Der Angriff sei rasch erkannt und beendet worden, alle Nutzer seien entsprechend informiert worden, erklärte die Partei.
Was im Netz veröffentlicht wurde
Unbekannte veröffentlichten im Internet nach eigenen Angaben Daten, bei denen es sich um rund 421.000 AfD-E-Mails handeln soll; ob diese authentisch sind, ist unklar. Die Unbekannten behaupten, die Daten stammten aus zehn Postfächern, darunter ein Account auf den Namen des früheren AfD-Parteichefs Alexander Gauland und ein Konto, das die AfD früher als Kontakt für die Bundesgeschäftsstelle genannt habe. heise online sichtete nach eigenen Angaben einen 280 Gigabyte großen Datensatz mit rund 420.000 E-Mails aus zehn Mailboxen, darunter die des Bundesschiedsgerichts, mehrerer prominenter AfD-Mitglieder und der Bundesgeschäftsstelle. Das Archiv umfasse außerdem gut 41.000 PDFs, 3.480 docx-Dateien und mehrere SQL-Datenbankabzüge. Die Angreifer veröffentlichten den gesamten Datensatz als Bittorrent und machten den Inhalt zusätzlich auf einer Website durchsuchbar.
Zur Darstellung der AfD
heise online wies darauf hin, dass die veröffentlichten Daten bis Anfang September reichen und dort offenbar noch der Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern thematisiert wird, was die Redaktion als Widerspruch zur Darstellung der AfD wertete. Zu den betroffenen Postfächern zähle offenbar auch das des AfD-Spitzenkandidaten in Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm. Mirko Ross vom IT-Sicherheitsdienstleister Asvin schätzte den Vorfall als Hacktivismus ein, für ihn sehe es nicht nach einem Innentäter aus. Eingedrungen seien sie nach eigener Aussage über eine „veraltete Website“.
Die Website hexane.cc und ihre Angaben
Laut taz ist das Leak auf der Seite hexane.cc zu finden, die sich selbst als Archiv für journalistische Recherche bezeichnet. Die dort veröffentlichten Daten umfassen nach taz-Angaben offenbar mehr als 421.000 parteiinterne Mails, die von diesem Herbst bis zurück ins Jahr 2014 datieren und unter anderem von Parteichefin Alice Weidel, Parteivize Beatrix von Storch sowie den früheren Vorsitzenden Jörg Meuthen und Alexander Gauland stammen sollen. Die Journalistin und IT-Spezialistin Lilith Wittmann erklärte nach einer ersten Sichtung, sie halte die Daten für echt. Wer für die Veröffentlichung verantwortlich ist, blieb zunächst offen, die Betreiber der Website antworteten auf eine taz-Anfrage zunächst nicht.
Was die Zusammenfassungen zeigen sollen
Rund 39.000 der Mails wurden auf der Website nach taz-Angaben offenbar mithilfe von KI zusammengefasst. 611 dieser zusammengefassten Nachrichten stuft die Website als „kritisch“ ein, weil sie vermeintliche Straftaten dokumentierten, weitere 10.450 Mails ordnet sie als von „hoher“ Relevanz ein, weil sie schweres Fehlverhalten zeigen sollten. Unter den als kritisch eingestuften Themen finden sich laut taz parteiinterne Beratungen über einen Bericht zu antisemitischen Beiträgen auf dem Telegram-Kanal einer AfD-Landtagsabgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern, ein internes Dossier über Äußerungen des Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich sowie ein Parteiausschlussverfahren gegen einen Kreisvorstand, der sich holocaustleugnend und Hitler verherrlichend geäußert haben soll. Weitere Zusammenfassungen behandeln laut taz einen Ortschef, der wegen einer „Heil Hitler“-Weihnachtskarte zurücktreten musste, sowie ein Mitglied, das über „Muselmanen“ und das „dreckige Monster Merkel“ geschrieben haben soll.
Offene Fragen zur Herkunft des Lecks
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hängt der Leak mit der parteieigenen Alternita Dienstleistungs-GmbH zusammen, deren Geschäftsführer laut Impressum Hans-Holger Malcomeß ist, der zugleich Bundesgeschäftsführer der AfD ist. Ein Funktionär berichtete der Zeitung, er habe vor einigen Wochen in der Bundesgeschäftsstelle angerufen, weil er nicht auf seine Postfächer zugreifen konnte, dort habe es geheißen, die Postfächer stünden unter Attacke. Im Berliner Landesverband erinnert man sich daran, dass die Postfächer während des Wahlkampfs im September einige Tage nicht erreichbar gewesen seien, man sei davon ausgegangen, die Bundesgeschäftsstelle kümmere sich darum.
Was noch ungeklärt ist
Der Inhalt der Website lässt sich laut SZ nicht umgehend verifizieren, denn sie zeigt einen durchsuchbaren Index, während die eigentlichen Dateien separat heruntergeladen werden müssen. Die AfD erklärte, die Onlineveröffentlichung vermutlich eines Teils der Daten werde geprüft, eine erste Einschätzung könne erst danach gegeben werden. Die Partei steht laut heise online unter Rechtsextremismusverdacht, ob das Leck ein Verbotsverfahren wahrscheinlicher macht, ist nach Einschätzung der Redaktion unklar.
Kommentare