Wind und Solar erstmals an der Spitze: Deutschlands Energiewende-Meilenstein
Es ist ein Datum, das in der Geschichte der deutschen Energiewende steht: Im Jahr 2025 haben Wind und Photovoltaik erstmals gemeinsam mehr Strom erzeugt als jede andere Quelle. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) vermeldete Anfang 2026, dass Wind mit 132 Terawattstunden (TWh) der stärkste Nettostromerzeuger war, gefolgt von Solar mit 87 TWh. Damit überholte Photovoltaik die Braunkohle zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Stromversorgung.
Was die Zahlen bedeuten
Wind erzeugte 2025 insgesamt 132 TWh: rund 106 TWh aus Onshore-Anlagen, weitere 26 TWh aus Offshore-Parks in Nord- und Ostsee. Die Photovoltaik legte um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu und speiste rund 71 TWh ins öffentliche Netz ein. Weitere 16,9 TWh wurden direkt von den Anlagenbetreibern selbst verbraucht und tauchen in der offiziellen Nettostatistik nicht auf. Insgesamt deckten erneuerbare Energien 55,9 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland.
Zum Vergleich: 2015 lag der Anteil der Erneuerbaren bei rund 30 Prozent. In zehn Jahren hat sich der Anteil nahezu verdoppelt. Die Braunkohle, jahrzehntelang das Rückgrat der deutschen Stromversorgung, ist auf Platz drei abgerutscht.
Wie Deutschland dahin kam
Ende 2025 waren in Deutschland 5,7 Millionen Photovoltaikanlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 117 Gigawatt in Betrieb, gemeldet bei der Bundesnetzagentur. Allein 2025 kamen 16,4 Gigawatt neue Solarleistung hinzu. Darunter waren knapp 430.000 sogenannte Steckersolaranlagen, also Balkonkraftwerke, die mittlerweile über 1,2 Millionen Haushalte betreiben. Ihr Beitrag zur Gesamtleistung ist mit 3,2 Prozent gering, ihr kulturelles Signal ist es nicht: Die Energiewende hat auch die Balkone Deutschlands erreicht.
Beim Windausbau an Land zog das Tempo ebenfalls an: 4,6 Gigawatt neue Kapazität wurden 2025 zugebaut, deutlich mehr als die 2,6 Gigawatt des Vorjahres. Die Bundesnetzagentur wertete dies als deutliches Signal, dass die Planungsbeschleunigungsgesetze der vergangenen Jahre zu greifen beginnen.
Europäischer Kontext
Deutschland ist kein Einzelfall. Fraunhofer ISE wies darauf hin, dass in der gesamten EU die Photovoltaik im Jahr 2025 erstmals die Kohlekraft bei der Stromerzeugung übertraf. Länder wie Spanien, die Niederlande und Portugal haben noch höhere Anteile erneuerbarer Energien. Der EU-weite Trend zeigt: Die Transformation des Stromsystems ist kein deutsches Experiment mehr, sondern europäische Realität.
Noch offene Baustellen
Trotz des Meilensteins bleibt die Energiewende eine Dauerbaustelle. Der fossile Anteil stagnierte 2025, statt zu sinken: Der Rückgang der Braunkohle wurde durch steigende Gaserzeugung weitgehend kompensiert. Das Ziel der Bundesregierung, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf mindestens 80 Prozent zu steigern, erfordert einen Ausbau auf 115 Gigawatt Windkraft an Land und 215 Gigawatt Photovoltaik. Beim Solar liegt Deutschland auf Kurs. Beim Wind nicht ganz. Aber erstmals seit Jahrzehnten zeigen die Kurven in dieselbe Richtung.