SpaceX plant den größten Börsengang der Geschichte
Mit einem geplanten Emissionsvolumen von 75 Milliarden US-Dollar und einer angestrebten Bewertung von 1,75 bis über zwei Billionen Dollar bereitet SpaceX den größten Börsengang in der Geschichte der Kapitalmärkte vor. Das Unternehmen reichte am 1. April 2026 vertraulich seinen S-1-Entwurf bei der amerikanischen Wertpapieraufsicht SEC ein. Was bisher als interne Strategie unter dem Codenamen "Project Apex" gehandelt wurde, ist nun offiziell: SpaceX wird an die Börse gehen, voraussichtlich im Juni 2026, und mit diesem Schritt die Finanzwelt dauerhaft verändern.
Was SpaceX heute ist
SpaceX wurde 2002 von Elon Musk gegründet und blieb seitdem konsequent aus dem Börsengeschäft heraus. Das Unternehmen vereint nach dem Erwerb von xAI im Februar 2026 gleich drei Geschäftsfelder unter einem Dach. Starlink, das Satelliteninternetsystem, versorgt rund neun bis zehn Millionen Abonnenten in 150 Ländern mit Breitbandzugang, darunter Streitkräfte in der Ukraine. xAI, Musks KI-Unternehmen, wurde bei seiner Übernahme durch SpaceX mit rund 250 Milliarden Dollar bewertet. X, die Plattform die früher Twitter hieß, ist über xAI in den Konzern integriert.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen für 2025 zeigen ein profitables Unternehmen: Der Umsatz lag bei rund 15 bis 16 Milliarden Dollar, das operative EBITDA bei geschätzten 7,5 bis 8 Milliarden. Verglichen damit wirkt die angestrebte Bewertung außergewöhnlich hoch: Apple wird derzeit mit rund drei Billionen Dollar bewertet und erzielte 2025 einen Umsatz von über 400 Milliarden Dollar. SpaceX käme damit auf eine Bewertung, die dem 110- bis 130-fachen seines Jahresumsatzes entspricht.
75 Milliarden suchen Käufer
Der vertraulich eingereichte Entwurf ist noch nicht öffentlich zugänglich. Das öffentliche S-1 wird für April oder Mai 2026 erwartet, bevor die Roadshow für institutionelle Investoren am 8. Juni startet. Das Pricing soll in der Woche des 16. bis 20. Juni erfolgen. Als Börsenplatz ist die Nasdaq vorgesehen. Underwriter des Deals sind Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Bank of America, Citigroup und Morgan Stanley: die komplette erste Reihe der Wall Street.
Ungewöhnlich ist die geplante Verteilung der Aktien: Rund 30 Prozent sollen Privatanleger erhalten, dreimal so viel wie bei typischen Großbörsenangängen. Für den 11. Juni ist ein Retail-Investor-Event mit 1.500 Teilnehmern geplant. Musk, der nach den Übernahmen rund 42 bis 54 Prozent der Stimmrechte hält, scheint bewusst auf eine breite Eigentümerbasis zu setzen. Das bisherige Rekordemissionsvolumen stammt von Saudi Aramco: 25 bis 29 Milliarden Dollar im Jahr 2019. SpaceX würde diesen Wert mehr als verdoppeln.
Die politische Dimension
Der Zeitpunkt des Börsengangs ist keine neutrale unternehmerische Entscheidung. Musk ist gleichzeitig Leiter des Department of Government Efficiency (DOGE), der Sparinitiative von Präsident Trump, und damit eine der einflussreichsten informellen Figuren in Washington. SpaceX hält Milliardenverträge mit der NASA und dem US-Verteidigungsministerium. Wie ein börsennotiertes SpaceX mit seinen Berichtspflichten und Interessenkonflikten zwischen öffentlichen Aufträgen und Aktionärsinteressen umgehen will, hat das Unternehmen bisher nicht erklärt.
Starlink trägt ein weiteres Risiko: Der Dienst ist tief in die Militärkommunikation der Ukraine und weiterer NATO-Staaten integriert. Das macht ihn zu einem strategischen Hebel in geopolitischen Konflikten. Würden Regierungsaufträge wegfallen oder regulatorische Einschränkungen greifen, träfe das profitabelste Segment unmittelbar.
Historisch, wenn es klappt
Sollte der Börsengang wie geplant verlaufen, wäre SpaceX das größte börsennotierte Technologieunternehmen der Welt nach Börsenwert, hinter nur Apple und Microsoft. Musk, der bisher sein Vermögen überwiegend in nicht handelbaren Anteilen hielt, besäße erstmals liquide Assets in Billionenhöhe. Die Woche des 16. bis 20. Juni 2026 wird zeigen, ob die Märkte bereit sind, eine solche Wette einzugehen: auf ein Unternehmen, das Raketen baut, Satelliten betreibt, KI entwickelt und eine Plattform führt, die früher Twitter hieß.