Sechs Milliarden Euro in zwei Wochen: Wie Putin vom Iran-Krieg profitiert
EU-Ratspräsident António Costa brachte es auf den Punkt: "Bislang gibt es in diesem Krieg nur einen Gewinner: Russland." Seit dem amerikanisch-israelischen Angriff auf Iran am 28. Februar 2026 hat die Sperrung der Straße von Hormuz rund ein Fünftel des weltweiten Ölangebots vom Markt abgeschnitten. Die Preise explodierten. Russlands Öl dagegen fließt weiter, und zu Preisen, die Moskau selbst nicht für möglich gehalten hatte.
Der stille Gewinner
Am 2. April kletterte die russische Ölsorte Urals auf 116,05 Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit mehr als 13 Jahren. Das ist fast genau das Doppelte der 59 Dollar, mit denen Russland seinen Staatshaushalt für 2026 kalkuliert hatte. Die Folge: Was Moskau als Steuereinnahme aus der Ölförderung verbucht, hat sich laut Reuters-Berechnungen auf rund neun Milliarden Dollar im April verdoppelt.
Das finnische Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) hat zusammen mit der deutschen Umweltorganisation Urgewald die Gesamteinnahmen berechnet. Ergebnis: In den ersten zwei Wochen seit Kriegsbeginn verdiente Russland aus Exporten von Öl, Gas und Dünger rund sechs Milliarden Euro zusätzlich, das entspricht einem Plus von 14 Prozent im täglichen Durchschnitt gegenüber der Zeit vor den Angriffen. Aufs Jahr hochgerechnet und abhängig davon, wie lange der Konflikt dauert, ergeben sich laut CREA drei Szenarien: Endet der Krieg bald, kassiert Moskau zusätzliche 84 Milliarden Dollar. Dauert er bis Ende Mai, steigt die Summe auf 161 Milliarden. Bei sechs Monaten Dauer: 252 Milliarden Dollar.
Begünstigt wird Russland auch durch eine US-amerikanische Sonderwende: Washington gewährte einen 30-tägigen Sanktionserlass für russisches Öl, um den Preisdruck auf den Weltmärkten kurzfristig zu lindern. Der Erlass kommt in erster Linie Russland zugute.
Ukraine versucht gegenzusteuern
Kiew hat die Lage erkannt und reagiert. Zwischen dem 22. und 29. März führte die Ukraine drei Langstrecken-Drohnenangriffe auf die russischen Ölterminals an der Ostsee durch. Das Terminal in Primorsk wurde einmal getroffen, die Anlage in Ust-Luga dreimal. Durch die Treffer kam der Export von bis zu zwei Millionen Barrel Öl pro Tag zeitweise zum Erliegen. Über diese beiden Häfen läuft rund 40 Prozent von Russlands gesamter Ölexportkapazität.
Ob das reicht, ist fraglich. Russland kann den Ausfall zum Teil über andere Routen kompensieren, etwa über den Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer. Und der Preisanstieg ist so drastisch, dass selbst ein erheblich geringeres Exportvolumen zu Rekordeinnahmen führt. Das Wirtschaftsmagazin WirtschaftsWoche fasste die Lage mit einer treffenden Überschrift zusammen: "Russlands Iran-Profite gehen in Flammen auf" beschreibt eben auch: Sie existieren trotzdem.
Ein Krieg, der zwei Kriegführende begünstigt
Russland profitiert strukturell davon, dass der Iran-Krieg die westlichen Ölimportländer in eine Zwangslage bringt. Wer die Straße von Hormuz sperrt, zwingt die Weltwirtschaft, alternative Quellen zu suchen. Russland ist eine davon, Sanktionen hin oder her. Die Wirtschafts-Nachrichtenagentur Reuters zitiert Rohstoffhändler, die bestätigen: Die Nachfrage nach Urals-Öl ist seit dem 1. März 2026 spürbar gestiegen, besonders aus Indien und China, die weiterhin als Hauptabnehmer fungieren.
Für die Ukraine bedeutet das eine strategische Zwickmühle: Je mehr der Iran-Krieg eskaliert, desto besser ist das kurzfristig für Russlands Haushalt, und damit für Russlands Fähigkeit, den Krieg in der Ukraine fortzuführen. Die ukrainischen Angriffe auf russische Häfen sind ein Versuch, diesen Mechanismus zumindest zu stören. Vollständig unterbrechen lässt er sich nicht.
Was als nächstes kommt
Die zweiwöchige Waffenruhe zwischen USA und Iran, die am 7. April in Kraft trat, hat die Straße von Hormuz bislang nicht geöffnet. Iran kassiert weiterhin Transitgebühren und kontrolliert den Schiffsverkehr. Solange die Meerenge faktisch gesperrt bleibt, bleiben die Ölpreise erhöht, und damit Russlands Einnahmen. Am 22. April endet der US-Sanktionserlass für russisches Öl. Was danach passiert, hängt davon ab, ob die Islamabad-Gespräche bis dahin Ergebnisse liefern. Das CREA-Institut kündigt an, seine Szenarien wöchentlich zu aktualisieren.