Union Berlin: Marie-Louise Eta wird erste Cheftrainerin der Bundesliga
Der 1. FC Union Berlin hat am Samstag Cheftrainer Steffen Baumgart entlassen und Marie-Louise Eta zur Nachfolgerin ernannt. Die 34-Jährige ist die erste Frau, die in der Geschichte der Bundesliga ein Männerteam als Cheftrainerin betreut. Ihr erster Auftrag: den Klub in den letzten fünf Spielen der Saison vor dem Abstieg zu bewahren. Es ist kein ehrenvolles Symbolamt, sondern ein sportlicher Notfallplan mit realen Konsequenzen.
Seit der Gründung der Bundesliga 1963 haben ausschließlich Männer als Cheftrainer auf der Seitenlinie gestanden. Das hat sich an diesem Wochenende verändert.
Von der Spielerin zur Bundesliga-Trainerin
Eta spielte bis 2018 als Stürmerin beim Frauen-Bundesligisten Werder Bremen. Mit 26 Jahren beendete sie ihre aktive Karriere und wechselte in den Trainerbereich. Die Entscheidung, so früh mit dem Spielen aufzuhören, öffnete ihr einen ungewöhnlichen Weg: Während viele Spielerinnen ihrer Generation noch aktiv waren, absolvierte Eta ihre Trainerlizenzen und arbeitete sich durch die Nachwuchsabteilungen verschiedener Vereine.
2023 kam sie zu Union Berlin, zunächst als Trainerin der U19-Mannschaft. Im November desselben Jahres wurde sie als Co-Trainerin der Männerprofimannschaft eingesetzt. Damit war sie die erste Frau in dieser Funktion in der Geschichte der Bundesliga. Das war bereits ein Novum. Jetzt kommt die zweite Premiere: dieselbe Frau, derselbe Verein, eine Position höher.
Baumkarte Ende: Nur zwei Siege in vierzehn Spielen
Steffen Baumgart hatte Union durch eine schwache Rückrunde geführt. Union hatte in der Hinrunde noch solide Ergebnisse erzielt. Die Rückrunde offenbarte Probleme, die Baumgart nicht lösen konnte. Von den letzten 14 Bundesligaspielen gewann der Verein nur zwei. Das 1:3 gegen Abstiegskandidat Heidenheim war der Auslöser für die Trennung. Nach 29 Spielen steht Union mit 32 Punkten auf Platz zehn. Der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz beträgt sieben Punkte. Angesichts der Form der letzten Wochen und fünf verbleibender Spiele gegen Gegner aus der oberen Tabellenhälfte ist dieser Abstand keine Sicherheit. Mindestens sechs Punkte aus den verbleibenden fünf Spielen braucht Union nach üblichem Verlauf zum gesicherten Verbleib.
Eine doppelte Premiere im selben Verein
Was an Etat Ernennung strukturell bemerkenswert ist: Union Berlin hat damit als einziger Bundesligaverein beide historischen Schritte vollzogen. 2023 war Eta die erste Frau als Assistenztrainerin bei einer Männermannschaft der Bundesliga. Jetzt ist sie die erste Frau als Cheftrainerin. Beide Schritte im selben Verein, innerhalb von drei Jahren. Das ist keine Zufallskette, sondern eine institutionelle Entscheidung, die Union Berlin über Jahre konsequent getroffen hat.
Das unterscheidet diesen Schritt von einer symbolischen Geste. Eta übernimmt nicht in einer Phase der Stärke, sondern in einer Phase, die sportlich unter Druck steht. Sie ist nicht als Vorzeigelösung in ruhigem Fahrwasser berufen worden. Fünf Spiele, mindestens zwei Siege braucht Union erfahrungsgemäß, um den Klassenerhalt zu sichern. Den Beweis muss sie auf dem Platz erbringen.
Etat Vorteil ist die Kontinuität: Sie kennt den Verein seit 2023, arbeitete am Abstiegskampf der Saison 2023/24 als Co-Trainerin mit und hat in dieser Zeit das Vertrauen der Spieler aufgebaut. Union hat keine Außenseiterberufung riskiert, sondern auf jemanden gesetzt, den die Mannschaft kennt. Das ist keine mutige Entscheidung, sondern die naheliegendste.
Fünf Spiele, dann die Frauenmannschaft
Etat Engagement beim Männerteam ist auf das Saisonende begrenzt. Die Bundesligasaison 2025/26 endet Mitte Mai 2026. Danach übernimmt sie planmäßig die Cheftrainerposition bei der Frauen-Profimannschaft von Union Berlin. Ob ihr Interimseinsatz bei den Männern über diesen Zeitraum hinaus verlängert wird, ist nach aktuellem Stand nicht vorgesehen.
Die Frage, die in den nächsten Wochen die Kommentarspalten füllen wird, ist nicht die nach der historischen Einordnung, sondern eine einfachere: Hat Union genug Punkte, um in der Bundesliga zu bleiben? Scheitert der Klassenerhalt, werden Kommentare folgen, die das mit der Trainerentscheidung verknüpfen. Gelingt er, ist das Argument entkräftet. Beide Ausgänge sagen letztlich mehr über die öffentliche Debatte über Frauen im Spitzensport als über Etat Fähigkeiten als Trainerin.