Lungenkrebs-Früherkennung jetzt Kassenleistung für Raucher
Lungenkrebs ist in Deutschland die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern und die zweithäufigste bei Frauen: Rund 57.000 Menschen erkranken jährlich, etwa 45.000 sterben daran. Der Grund für die hohe Sterblichkeit ist, dass die Krankheit meist erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird, wenn eine Heilung kaum noch möglich ist. Seit dem 1. April 2026 gibt es ein neues Instrument, das das ändern soll: das Lungenkrebsscreening per Niedrigdosis-Computertomografie, ab sofort Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung.
Wer hat Anspruch auf das Screening?
Berechtigt sind gesetzlich Versicherte zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre lang stark geraucht und dabei mindestens 15 Packungsjahre angesammelt haben. Ein Packungsjahr entspricht dem Konsum einer Schachtel Zigaretten täglich über ein Jahr. Wer seit weniger als zehn Jahren nicht mehr raucht, ist ebenfalls anspruchsberechtigt. Insgesamt deckt das Programm nach Schätzungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) rund 60 Prozent aller potenziellen Lungenkrebsfälle ab.
Der Ablauf ist denkbar einfach: Die Versicherten wenden sich an eine allgemeinmedizinische oder internistische Praxis, die am Screening teilnimmt. Dort werden sie über Nutzen und mögliche Risiken aufgeklärt und bei Eignung in eine zertifizierte Radiologiepraxis überwiesen. Das CT selbst dauert wenige Minuten und ist mit sehr geringer Strahlenbelastung verbunden.
Wie viele Leben kann das Programm retten?
Laut G-BA-Beschluss kann eine regelmäßige jährliche Untersuchung über zehn Jahre hinweg fünf von tausend Frauen und sechs von tausend Männern vor dem Tod durch Lungenkrebs bewahren. Konkret: Von 1.000 berechtigten Frauen, die regelmäßig teilnehmen, sterben innerhalb von zehn Jahren 19 an Lungenkrebs. Ohne Screening wären es 24 von 1.000. Bei Männern sinkt die Zahl von 29 auf 23.
Das klingt nach kleinen Zahlen, ist es aber in der Breite nicht. Allein in Deutschland gibt es nach Schätzungen mehrere Millionen Menschen, die die Kriterien erfüllen. Wenn auch nur ein Bruchteil von ihnen regelmäßig teilnimmt, lässt sich die Zahl der Lungenkrebstodesfälle in Deutschland messbar senken.
Warum kommt das Programm erst jetzt?
Die USA und mehrere europäische Länder bieten das Lungenkrebsscreening seit Jahren an. In Deutschland hat die Einführung länger gedauert, weil der G-BA zunächst umfangreiche Qualitätssicherungsmaßnahmen definieren wollte, um Falschalarm-Diagnosen zu minimieren. Das Programm enthält deshalb strenge Anforderungen an die Radiologiepraxen: Spezielle Qualifikationen, zertifizierte CT-Geräte und KI-gestützte Software zur computerassistierten Erkennung sind Pflichtvoraussetzungen für eine Teilnahme.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg hatte in früheren Studien gezeigt, dass auch für ehemalige Raucher eine risikoadaptierte Screening-Strategie sinnvoll ist: Je nach individuellem Risikoprofil profitieren manche Gruppen deutlich stärker als andere. Diese Erkenntnisse flossen in die Ausgestaltung der neuen Kassenleistung ein.
Wie geht es weiter?
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die Vergütung der beteiligten Praxen bereits beschlossen. Das Screening ist damit vollständig in die Regelversorgung integriert. Das DKFZ empfiehlt, das Programm in den nächsten Jahren auf weitere Risikogruppen auszuweiten, etwa auf Menschen mit bestimmten Berufsexpositionen wie Asbest oder Radon. Bis Ende 2026 soll eine erste Evaluation der Teilnahmequoten vorliegen.