Lufthansa-Streik an Gründonnerstag: UFO legt Kabinenpersonal nieder
Am Gründonnerstag, dem 10. April, legt die Gewerkschaft UFO das Kabinenpersonal von Lufthansa und Lufthansa CityLine nieder. Der Streik läuft von Mitternacht bis 22 Uhr, allein in Frankfurt fallen 550 Flüge aus. Betroffen sind schätzungsweise 100.000 Passagiere mitten im Osterreiseverkehr. Das Besondere: Wer seinen Flug verliert, hat gesetzlichen Anspruch auf Entschädigung, denn ein Streik des eigenen Personals gilt nicht als höhere Gewalt.
Was im Tarifkonflikt auf dem Spiel steht
Der Konflikt zwischen UFO und Lufthansa läuft seit mehr als fünf Monaten ohne greifbares Ergebnis. Die Gewerkschaft fordert für das Kabinenpersonal der Kerngesellschaft bessere Planbarkeit der Dienste und längere Kündigungsfristen bei kurzfristigen Einsatzänderungen. Bei Lufthansa CityLine, dem Regionalbetrieb der Gruppe, ist die Ausgangslage grundsätzlicher: Lufthansa will CityLine umstrukturieren und rund 800 Kabinenstellen abbauen. UFO verlangt dafür einen Sozialtarifvertrag mit Abfindungsregelungen und Übergangslösungen für die Betroffenen. Im März stimmten 94 Prozent des Kernpersonals und fast 99 Prozent der CityLine-Belegschaft für Streikmaßnahmen. Lufthansa bezeichnete den Ausstand als verantwortungslos und kündigte an, einen Notbetrieb aufrechtzuerhalten.
Warum UFO genau jetzt eskaliert
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. UFO nutzt bewusst den Osterreiseverkehr, um den maximalen Druck auf Lufthansa zu erzeugen. Streiks an Ferientagen erhöhen die Verhandlungsmacht der Gewerkschaft, weil die Kosten für das Unternehmen und die öffentliche Aufmerksamkeit besonders hoch sind. UFO-Sprecher erklärten, Lufthansa habe in den vergangenen Wochen keinen Millimeter Bewegung gezeigt. Schlichtungsgespräche hätten keine Fortschritte erzielt, der Streik sei das einzige verbliebene Druckmittel.
Welche Strecken und Flughäfen betroffen sind
Frankfurt und München sind die am stärksten betroffenen Drehkreuze. Allein in Frankfurt fallen 550 Flüge aus. CityLine-Verbindungen ab Hamburg, Berlin, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Bremen und Hannover fallen ebenfalls aus. Kurzfristige Buchungen wurden von Lufthansa auf Donnerstag und Samstag umgeleitet. Wer seine Reise nach dem Streikende am Freitagabend fortsetzen kann, muss mit überfüllten Samstagsflügen rechnen.
Was Passagiere jetzt wissen müssen
Streiks des eigenen Personals gelten nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2018 nicht als außerordentliche Umstände. Das bedeutet: Wer wegen des Streiks mehr als drei Stunden Verspätung hat oder dessen Flug ausfällt, hat nach der EU-Fluggastrechteverordnung Anspruch auf Ausgleichszahlung. Die Höhe richtet sich nach der Flugstrecke: 250 Euro bis 1.500 Kilometer, 400 Euro bis 3.500 Kilometer, 600 Euro auf längeren Strecken. Zusätzlich ist Lufthansa verpflichtet, entweder eine Umbuchung auf den nächsten verfügbaren Flug oder eine vollständige Erstattung anzubieten. Wer beides nicht erhält, kann sich an die Schlichtungsstelle söp oder einen Fluggastrechtedienstleister wenden.
Wie es weitergeht
Ab Samstag, dem 11. April, soll der reguläre Betrieb wieder laufen. Ob die Tarifverhandlungen nach dem Streik Fortschritte machen, ist unklar: UFO hat weitere Aktionen nicht ausgeschlossen, sollte Lufthansa keine verbindlichen Angebote vorlegen. Das Unternehmen hat die nächsten Verhandlungstermine noch nicht kommuniziert. Die Hauptversammlung am 6. Mai wird der nächste öffentliche Termin, bei dem Aktionäre das Management zu Arbeitskosten und dem Dauerkonflikt befragen dürften.