Pilotenstreik ab Ostermontag: Vereinigung Cockpit legt Lufthansa-Gruppe lahm
Drei Tage nach dem Kabinenstreik an Gründonnerstag trifft Lufthansa die nächste Welle: Die Vereinigung Cockpit hat die Pilotinnen und Piloten der Lufthansa-Gruppe für Ostermontag und Dienstag zum Ausstand aufgerufen. Der Streik beginnt am 13. April um 0:01 Uhr und endet am 14. April um 23:59 Uhr. Für Hunderttausende Osterreisende bedeutet das zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage erhebliche Flugausfälle am Heimweg aus dem Urlaub.
Vier Airlines, ein Streitpunkt
Der Streikaufruf betrifft das Cockpitpersonal von vier Konzerngesellschaften: Deutsche Lufthansa AG, Lufthansa Cargo AG, Lufthansa CityLine GmbH und Eurowings GmbH. Bei Eurowings gilt der Ausstand nur für Montag, den 13. April.
Hintergrund sind festgefahrene Tarifverhandlungen über die betriebliche Altersversorgung. Für die Kernmarke Lufthansa und Lufthansa Cargo liegt nach Angaben der Gewerkschaft bislang überhaupt kein Angebot des Konzerns auf dem Tisch. Bei Lufthansa CityLine fehlt ein tragfähiges Angebot für einen neuen Vergütungsvertrag. Bei Eurowings beschrieb die Vereinigung Cockpit das vorliegende Angebot ungewöhnlich direkt: Es bewege sich auf einem Niveau, das diesen Namen kaum verdiene.
In der Urabstimmung stimmten nach Gewerkschaftsangaben 94 Prozent des Kernpersonals und 99 Prozent der CityLine-Piloten für den Arbeitskampf. Das sind Zustimmungswerte, die wenig Spielraum für eine schnelle Einigung lassen.
Ausnahmen wegen Iran-Krise
Eine ungewöhnliche Regelung zeigt, wie weit der Iran-Krieg in den deutschen Wirtschaftsalltag reicht: Flüge von deutschen Flughäfen in den Nahen Osten sind vom Streikaufruf ausdrücklich ausgenommen. Die Vereinigung Cockpit begründet dies mit der aktuellen geopolitischen Lage. Ausgenommen sind Verbindungen nach Aserbaidschan, Ägypten, Bahrain, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Wer in diesen Regionen gestrandet ist oder reisen muss, kann bei Lufthansa-Passage und CityLine auf die entsprechenden Verbindungen zählen.
Der vierzehnte Pilotenstreik
Der Tarifkonflikt zwischen der Vereinigung Cockpit und der Lufthansa-Gruppe hat Tradition. Es handelt sich nach Auszählung von Branchenbeobachtern um den vierzehnten Pilotenstreik in der Geschichte dieser Gewerkschaft gegen Lufthansa. Frühere Konflikte drehten sich meist um Gehaltsfragen und Übergangsversorgung bei Frühverrentung. Jetzt steht die betriebliche Altersversorgung im Mittelpunkt, also die Grundsicherung im Ruhestand.
Dass Lufthansa für zwei der vier betroffenen Gesellschaften kein einziges Angebot vorgelegt hat, erklärt die Entschlossenheit, mit der die Vereinigung Cockpit in die Ostertage geht. Die Osterwoche ist neben den Sommerferien die umsatzstärkste Reiseperiode des Jahres. Arbeitskampf in diesen Tagen ist für Lufthansa besonders kostspielig, für die Gewerkschaft entsprechend wirksam als Druckmittel.
Was Reisende jetzt wissen müssen
Passagiere mit Flügen am 13. und 14. April sollten umgehend prüfen, ob ihre Verbindung noch besteht. Lufthansa ist nach EU-Recht verpflichtet, bei streikbedingten Streichungen eine kostenlose Umbuchung auf den nächstmöglichen Flug oder eine vollständige Ticketerstattung anzubieten. Ausgleichszahlungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 entfallen bei Streiks als außergewöhnlichem Umstand, solange der Beförderer angemessene Umbuchungsoptionen anbietet. Der ADAC empfiehlt betroffenen Reisenden, sich so früh wie möglich bei Lufthansa zu melden und nicht auf eine spontane Lösung am Flughafen zu warten.
Ausblick
Ein konkreter Verhandlungstermin zwischen der Vereinigung Cockpit und der Lufthansa-Gruppe ist nach aktuellem Stand nicht angesetzt. Die Gewerkschaft macht deutlich, dass ohne ein ernst zu nehmendes Angebot keine Entspannung zu erwarten ist. In der Vergangenheit kam es erst nach mehreren Arbeitskampfrunden zu belastbaren Tarifgesprächen. Nach dem Kabinenstreik an Gründonnerstag und dem Pilotenstreik ab Ostermontag steht Lufthansa vor dem dichtesten Arbeitskampfkalender seit Jahren, und eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht.