Neue Zelltherapie aus Frankfurt verhindert Leukämie-Rückfall
Eine Stammzelltransplantation ist für viele Patienten mit aggressivem Blutkrebs die letzte Chance auf Heilung. Doch auch nach einer erfolgreichen Transplantation kommt die Leukämie bei einem Teil der Patienten zurück, und dann ist die Situation oft aussichtslos. Forschende der Universitätsmedizin Frankfurt unter der Leitung von Prof. Dr. Eva Rettinger haben jetzt in einer klinischen Phase-I/II-Studie gezeigt, dass eine neue Zelltherapie genau diesen Rückfall verhindern kann, und das mit deutlich weniger Nebenwirkungen als bisherige Ansätze.
Was sind CIK-Zellen und wie wirken sie?
Im Zentrum der Studie stehen sogenannte Zytokin-induzierte Killerzellen, kurz CIK-Zellen. Das sind Immunzellen, die aus dem Blut des Stammzellspenders gewonnen, im Labor mit Interleukin-15 (IL-15) aktiviert und dann in den Patienten übertragen werden. IL-15 ist ein körpereigenes Signalmolekül, das Immunzellen stimuliert und ihnen hilft, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören.
Bislang wurden nach einer Stammzelltransplantation sogenannte Spenderlymphozyten eingesetzt, um einen Rückfall zu verhindern. Diese Methode funktioniert, bringt aber ein erhebliches Risiko mit sich: Die Spenderzellen können auch gesundes Gewebe des Patienten angreifen, eine gefürchtete Komplikation namens Graft-versus-Host-Reaktion. Die CIK-Zellen der Frankfurter Gruppe verursachten diesen Effekt in der Studie deutlich seltener und weniger schwer.
Was die Studie zeigte
In der multizentrischen Studie, die in fünf deutschen Studienzentren durchgeführt wurde, erhielten 53 Patienten die CIK-Zelltherapie, darunter auch mehrfach transplantierte Kinder und Jugendliche. Das Ergebnis: Die Therapie stabilisierte den Erfolg der Stammzelltransplantation über einen längeren Zeitraum und verhinderte in einem relevanten Teil der Fälle das Wiederauftreten der Leukämie. Die Daten wurden im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht, einem der weltweit angesehensten Fachmagazine für Krebsmedizin.
Prof. Rettinger betonte, dass es sich um eine Therapie handelt, die auf vorhandenen Spenderzellen aufbaut und damit ohne das aufwendige und kostspielige Verfahren auskommt, das bei neueren CAR-T-Zelltherapien nötig ist. Das macht sie in der Praxis einfacher einsetzbar.
Einordnung in die Forschungslandschaft
Parallel dazu arbeiten Forschende am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg an einem noch weiter gehenden Ansatz: Statt Immunzellen im Labor zu verändern und dann zu übertragen, sollen Lipid-Nanopartikel mit mRNA und der Genschere CRISPR-Cas9 T-Zellen direkt im Körper des Patienten umprogrammieren. Diese Methode befindet sich noch in einem früheren Forschungsstadium, zeigt aber in Tiermodellen vielversprechende Resultate.
Die Frankfurter Studie ist damit ein Schritt in einer Reihe von Fortschritten, die die Behandlung von Blutkrebs in den vergangenen Jahren grundlegend verändert haben. Wo vor zehn Jahren für viele Patienten nach dem Rückfall keine Optionen mehr blieben, stehen heute mehrere Ansätze zur Verfügung. Die CIK-Therapie ist nun einer der am besten belegten davon.
Wie geht es weiter?
Die Frankfurter Gruppe plant eine Folgestudie, in der die CIK-Therapie mit einer zusätzlichen Antikörperbehandlung kombiniert wird. Am Universitätsklinikum Heidelberg arbeitet ein Team bereits an der Kombination von CAR-T-Zellen und bispezifischen Antikörpern, die die Vermehrung der Therapiezellen weiter steigern soll. Bis 2028 sollen erste Ergebnisse dieser Kombinationstherapien vorliegen.