Iran-Krieg kostet Deutschland bis 2027 mindestens 40 Milliarden Euro
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert den Schaden des Iran-Krieges für die deutsche Volkswirtschaft auf mindestens 40 Milliarden Euro bis Ende 2027. Das Ifo-Institut halbierte seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr. Das Beunruhigende daran: Diese Zahlen beschreiben das Szenario, in dem der Konflikt nicht weiter eskaliert.
Wie stark bricht das Wachstum ein?
Das Ifo-Institut prognostiziert für 2026 noch 0,8 Prozent Wirtschaftswachstum im optimistischen Szenario, 0,6 Prozent im pessimistischen. Vor dem Iran-Krieg hatte Ifo 1,3 Prozent erwartet: Die Wachstumserwartung hat sich also nahezu halbiert. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung kommt auf 0,9 Prozent. Alle vier großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen damit, dass der negative Effekt des Iran-Krieges auf das BIP zwischen 0,2 und 1,0 Prozentpunkten liegt. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor hatte die deutsche Wirtschaft bereits um 0,2 Prozent geschrumpft. Ein erneuter Rückfall in die Rezession ist bei anhaltenden Kämpfen oder einer erneuten Eskalation nicht ausgeschlossen.
IW-Ökonom Thomas Obst formulierte es direkt: Ein weiterer Eskalationsschub würde die Folgen für Deutschland „deutlich dramatischer“ machen. Gemeint sind Energiepreisschocks, unterbrochene Lieferketten und sinkende Kaufkraft der Haushalte. Das IMK warnt zudem vor einem Rückgang der Beschäftigungszahlen um 0,2 Prozent bis Ende 2026.
Inflation klettert in Richtung drei Prozent
Das Ifo-Institut erwartet, dass die Verbraucherpreise 2026 um 2,8 Prozent steigen, im Eskalationsszenario knapp unter drei Prozent. An den Tankstellen ist diese Entwicklung bereits Alltag. Diesel kostete zuletzt im Bundesdurchschnitt 2,346 Euro pro Liter und übertrifft damit den bisherigen Rekord aus der Ukraine-Krise 2022. Super E10 liegt bei durchschnittlich 2,155 Euro.
Goldman Sachs bezeichnete die durch die Sperrung der Straße von Hormuz verursachte Angebotsverknappung als die größte Ölversorgungskrise in der Geschichte der globalen Energiemärkte: größer als das arabische Ölembargo 1973 und der irakische Einmarsch in Kuwait 1990. Der Rohölpreis hat seit Kriegsbeginn um mehr als 40 Prozent zugelegt. Die Bundesbank schätzt, dass jeder Anstieg des Ölpreises um zehn Prozent das deutsche BIP-Wachstum um rund 0,1 Prozentpunkte senkt: Der Iran-Krieg kostet Deutschland allein dadurch mehr als vier Zehntel Prozent Wachstum pro Jahr.
Warum Deutschland besonders verwundbar ist
Deutschland bezieht rund 35 Prozent seines Rohöls aus Ländern, die ihre Exporte über die Straße von Hormuz oder den Golf von Oman transportieren. Direkte Lieferungen aus dem Iran spielen seit den Sanktionsjahren keine Rolle mehr, die indirekten Preiseffekte über den Weltmarkt aber umso mehr. Besonders hart trifft es die energieintensive Industrie: Petrochemiebetriebe, Aluminiumhütten und die Glasindustrie berichten von Produktionskostenanstiegen zwischen 30 und 50 Prozent seit Kriegsbeginn.
Anders als 2022, als Russland als Hauptlieferant von Gas und Öl direkt ausfiel, trifft der Iran-Schock Deutschland primär über den Weltmarktpreis. Das macht die Lage berechenbarer, aber nicht weniger ernst. Der private Konsum, der 2025 erstmals seit Jahren eine tragende Konjunkturstütze war, droht angesichts der gestiegenen Energiekosten wegzubrechen.
Was nach Islamabad entschieden wird
Am 10. April haben die USA und der Iran in Islamabad ihre ersten direkten Verhandlungen seit 1979 aufgenommen. Die Waffenruhe läuft am 22. April aus. Gelingt bis dahin eine tragfähige Einigung, schätzt Goldman Sachs den möglichen Ölpreisrückgang auf 18 bis 25 Prozent, wenn die Straße von Hormuz wieder vollständig befahrbar wäre. Scheitern die Gespräche, tritt nach Einschätzung aller großen Wirtschaftsinstitute das Eskalationsszenario in Kraft: Wachstum unter 0,6 Prozent, Inflation nahe drei Prozent und ein Gesamtschaden für die deutsche Volkswirtschaft, der die 40-Milliarden-Marke deutlich überschreiten würde.