Historische Wende: Wind und Solar erzeugen in der EU mehr Strom als Kohle, Öl und Gas
Es ist eine Zeitenwende, die in den täglichen Nachrichten fast unterging: Im Jahr 2025 haben Wind- und Solaranlagen in der Europäischen Union erstmals mehr Strom produziert als Kohle, Öl und Gas zusammen. Das zeigt der European Electricity Review 2026 des Energiedaten-Instituts Ember. Wind und Solar lieferten 30 Prozent der EU-Stromerzeugung, fossile Energieträger kamen auf 29 Prozent. Noch 2020 lag das Verhältnis bei 20 zu 37 Prozent.
Fünf Jahre, die alles verändert haben
Die Geschwindigkeit des Wandels ist bemerkenswert. Innerhalb von nur fünf Jahren haben Wind und Solar ihren Anteil um zehn Prozentpunkte gesteigert, während fossile Energien acht Prozentpunkte verloren. Solar war dabei der stärkste Wachstumstreiber: Die Stromerzeugung aus Photovoltaik wuchs 2025 zum vierten Mal in Folge um mehr als 20 Prozent und erreichte einen Rekordanteil von 13 Prozent an der EU-Stromerzeugung. Damit überholte Solar sowohl Kohle als auch Wasserkraft.
Windenergie blieb mit 17 Prozent die zweitgrößte Stromquelle der EU insgesamt und erzeugte mehr als Gaskraftwerke. Rechnet man Wasserkraft, Biomasse und andere erneuerbare Quellen hinzu, deckten Erneuerbare insgesamt 48 Prozent des EU-Stroms ab.
Kohle auf historischem Tief
Besonders drastisch ist der Rückgang der Kohle. Ihr Anteil fiel 2025 auf 9,2 Prozent, den niedrigsten Wert in der Geschichte der EU. Gas verzeichnete dagegen einen Anstieg um acht Prozent, was Ember vor allem auf geringere Wassermengen in den Stauseen und damit reduzierte Wasserkraftproduktion zurückführt.
In 14 der 27 EU-Mitgliedstaaten erzeugten Wind und Solar bereits mehr Strom als alle fossilen Quellen zusammen. Solar lieferte in Ungarn, Zypern, Griechenland, Spanien und den Niederlanden mehr als ein Fünftel der gesamten Stromerzeugung.
Was das für Deutschland bedeutet
Deutschland trug als größter EU-Strommarkt erheblich zu diesem Wandel bei. Die über 1,2 Millionen Balkonkraftwerke, der starke Zubau von Freiflächen-Photovoltaik und der Ausbau der Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee haben den deutschen Erneuerbaren-Anteil auf über 55 Prozent getrieben. Die Bundesregierung hält an ihrem Ziel fest, die Solarkapazität bis 2030 auf 215 Gigawatt zu verdreifachen.
Einordnung
Der Meilenstein ist ein Beleg dafür, dass die europäische Energiewende schneller voranschreitet als noch vor wenigen Jahren prognostiziert. Gleichzeitig zeigt der Ember-Bericht Schwachstellen: Der Gasverbrauch stieg, weil Speicher- und Netzkapazitäten nicht mit dem Erneuerbaren-Zubau Schritt halten. Die Europäische Kommission hat deshalb im Februar 2026 einen Action-Plan for Grids vorgelegt, der bis 2030 Investitionen von 584 Milliarden Euro in den Ausbau der Stromnetze vorsieht.
Ausblick
Ember rechnet damit, dass der Anteil von Wind und Solar bis 2030 auf 45 Prozent steigen könnte, sofern die aktuellen Ausbauraten beibehalten werden. Die nächsten Quartalszahlen zur EU-Stromerzeugung veröffentlicht Eurostat im Juli 2026. Die Internationale Energieagentur präsentiert ihr Update zum World Energy Outlook im Oktober.