Artemis 2 landet im Pazifik: Erster Mondflug seit 54 Jahren endet erfolgreich
Update 11. April, 10:22 Uhr: Einen Tag nach der Rückkehr meldet sich Europa zu Wort. ESA-Astronaut Alexander Gerst betonte gegenüber dem Deutschlandfunk die veränderte Philosophie hinter Artemis: "Es geht nicht mehr so sehr darum, Flaggen aufzustellen. Wir können künftig dauerhaft auf dem Mond präsent sein und ihn besser untersuchen als bisher." ESA-Chef Josef Aschbacher hob bei einer Pressekonferenz die Möglichkeit einer künftigen europäischen Forschungsstation auf dem Mond hervor. Das europäische Servicemodul, gefertigt im Bremer Airbus-Werk, hatte die Orion-Kapsel während der gesamten neun Tage mit Antrieb, Energie und Lebenserhaltung versorgt — ein stiller, aber zentraler Beitrag Europas, der nun weithin anerkannt wird.
Neun Tage nach dem Start ist die Artemis-2-Crew am Freitag im Pazifik vor San Diego gelandet. Es war der erste bemannte Mondflug seit Apollo 17 im Jahr 1972. Vier Astronautinnen und Astronauten, darunter erstmals eine Frau und ein Nicht-Amerikaner, absolvierten einen Mondvorbeiflug und stellten dabei einen neuen Distanzrekord auf. Das Besondere: Die Mission hat kein Mal auf dem Mond gelandet und ist trotzdem die bedeutendste bemannte Raumfahrtmission seit einer Generation.
Ein Rekord, der seit 1970 gehalten hatte
Auf dem Höhepunkt ihrer Mondumlaufbahn erreichte die Orion-Kapsel eine Distanz von 252.756 Meilen (406.771 Kilometer) zur Erde. Damit überbot die Besatzung den Rekord der Apollo-13-Mission aus dem Jahr 1970, die unfreiwillig auf 248.655 Meilen von der Erde entfernt war, weil eine Tankexplosion die Mondlandung verhinderte. Der Rekord hatte also 56 Jahre ungebrochen gehalten.
Die kritischste Phase der Rückkehr war der Atmosphäreneintritt. Die Orion-Kapsel traf mit rund 38.400 Kilometern pro Stunde auf die Erdatmosphäre, die Außenhülle erhitzte sich auf über 2.700 Grad Celsius. Der Abstieg durch die Atmosphäre dauerte 13 Minuten. NASA-Administrator Bill Nelson hatte vor dem Manöver gewarnt: "Wir können erst feiern, wenn die Crew sicher auf dem Schiff ist." Die Bergung übernahm die USS John P. Murtha.
Vier historische Premieren in einer Crew
Vier Menschen machten diese Mission zu einem Wendepunkt in der Geschichte der bemannten Raumfahrt:
- Reid Wiseman (NASA, Kommandant) führte die Mission
- Victor Glover (NASA, Pilot) wurde zur ersten Person of Color, die je in die Nähe des Mondes geflogen ist
- Christina Koch (NASA, Missionsspezialistin) wurde zur ersten Frau in der Geschichte der Mondfahrt
- Jeremy Hansen (Canadian Space Agency) wurde der erste Nicht-Amerikaner im Mondflug überhaupt
Koch und Glover hatten beide Erfahrung aus langen ISS-Missionen, Hansen ist Kampfjetpilot und Astronaut seit 2009. Für alle vier war es der erste Flug jenseits der niedrigen Erdumlaufbahn. Der kanadische Premierminister Mark Carney hatte während der Mission per Videoschalte Kontakt zur Besatzung aufgenommen.
Was Artemis 2 von Apollo unterscheidet
Artemis 2 war kein Landeversuch. Die Mission folgte einer freien Rückkehrtrajektorie um den Mond, ähnlich wie Apollo 8 im Jahr 1968. Der Unterschied zu Apollo liegt im System: Die Orion-Kapsel ist größer, schwerer und mit modernerer Lebenserhaltungstechnik ausgestattet. Die Space Launch System (SLS) Trägerrakete, die die Kapsel in den Weltraum brachte, erzeugt beim Start einen Schub von 8,8 Millionen Pfund und ist damit die stärkste Rakete, die die NASA je gebaut hat.
Artemis 1 war 2022 ein unbemannter Testflug gewesen. Artemis 2 bewies nun, dass das System Menschen sicher in die Mondumgebung und zurück bringen kann. Das war die zentrale Frage, die dieser Mission vorausging: ob Orion und SLS nach jahrelangen Verzögerungen und Milliardenkosten im Ernstfall funktionieren.
Nächster Schritt: Mondlandung, frühestens 2027
Nach der Bergung aus dem Pazifik fliegen die vier Astronauten zum Johnson Space Center in Houston, wo ein umfassendes medizinisches Untersuchungsprogramm beginnt. Die physiologischen Daten aus Artemis 2 fließen direkt in die Vorbereitung der nächsten Mission ein. Artemis 3 soll erstmals seit 1972 wieder Menschen auf die Mondoberfläche bringen, nach aktueller NASA-Planung darunter erneut Christina Koch. Ein verbindliches Datum hat die NASA noch nicht genannt. Intern gilt Ende 2027 als angestrebtes Ziel.