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International

Vance reist nach Pakistan: Höchstrangiges US-Iran-Treffen seit 1979 geplant

US-Vizepräsident JD Vance wird die amerikanische Delegation bei den Friedensgesprächen mit Iran in Islamabad anführen. Es wäre das höchstrangige direkte Treffen zwischen Washington und Teheran seit der Islamischen Revolution.

8. April 2026, 19:00 Uhr 672 Wörter · 4 Min. Lesezeit

US-Vizepräsident JD Vance wird am Samstag in Islamabad die erste Runde der Friedensgespräche zwischen den USA und Iran leiten. Das bestätigte das Weiße Haus am Mittwoch. Begleitet wird Vance von Sondergesandtem Steve Witkoff und Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Präsident Trump. Auf iranischer Seite führt Außenminister Abbas Araghchi die Delegation. Es wäre das höchstrangige direkte Treffen beider Länder seit der Islamischen Revolution von 1979.

Warum Vance die Delegation anführt

Die Wahl von Vance als Chefunterhändler ist bemerkenswert und hat diplomatische Signalwirkung. Laut regionalen Quellen betrachtet Iran den Vizepräsidenten als eher geneigt, den Konflikt zu beenden, als andere hochrangige US-Vertreter. Vance hatte sich bereits als Senator gegen neue amerikanische Militärabenteuer positioniert und argumentiert, Trumps politischer Erfolg beruhe teilweise darauf, keine neuen Kriege zu beginnen.

Pakistans Armeechef Feldmarschall Asim Munir hatte in den vergangenen Tagen intensive Gespräche sowohl mit Vance als auch mit dem iranischen Außenminister Araghchi geführt. Diese parallelen Kommunikationskanäle waren entscheidend, um die Waffenruhe zu ermöglichen und den Boden für die Verhandlungen zu bereiten.

Pakistans Rolle als Vermittler

Die Tatsache, dass die Gespräche in Islamabad stattfinden, unterstreicht Pakistans gewachsene geopolitische Bedeutung. Das Land hatte Ende März einen diplomatischen Sprint gestartet und Außenminister aus der Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten zu Beratungen nach Islamabad eingeladen. Pakistan konnte beide Seiten an den Verhandlungstisch bringen, weil es sowohl zu Washington als auch zu Teheran belastbare Beziehungen unterhält.

Premierminister Shehbaz Sharif und Feldmarschall Munir hatten Trump persönlich gebeten, die geplante Militäraktion gegen Iran auszusetzen. Dass Trump dieser Bitte nachkam, zeigt den Einfluss, den Pakistan in dieser Krise gewonnen hat. Für Islamabad ist die Vermittlerrolle eine historische Chance, sich als unverzichtbarer Akteur auf der Weltbühne zu etablieren.

Verhandlungsrahmen und strittige Punkte

Die Gespräche basieren auf einem Rahmenwerk, das aus Irans Zehn-Punkte-Vorschlag und dem 15-Punkte-Plan des Weißen Hauses zusammengeführt wurde. Pakistan hatte als Vermittler eine überarbeitete Fassung erstellt, die beide Seiten als Verhandlungsgrundlage akzeptierten. Trump erklärte, fast alle strittigen Punkte seien geklärt.

Doch zentrale Differenzen bleiben bestehen. Die Frage, ob die Waffenruhe auch den Libanon einschließt, ist der akuteste Streitpunkt. Iran besteht darauf, Israels Krieg gegen die Hisbollah als Teil des Gesamtkonflikts zu behandeln. Die USA und Israel lehnen dies ab. Weitere ungelöste Themen sind der dauerhafte Status der Straße von Hormus, die Zukunft des iranischen Atomprogramms und die Frage von Reparationen für die Kriegsschäden.

Sicherheitsarrangements in Islamabad

Pakistan hat für die Gespräche umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Islamabad wird zum diplomatischen Zentrum einer der brisantesten Verhandlungen der jüngeren Geschichte. Die geografische Nähe Pakistans zu Iran, die gemeinsame Grenze und die kulturellen Verbindungen machen das Land zu einem geeigneten neutralen Boden. Gleichzeitig ist Pakistan als Atommacht und wichtiger US-Partner in der Lage, Sicherheitsgarantien für beide Seiten zu bieten.

Ausblick: Fenster der Gelegenheit

Die Verhandlungen stehen unter enormem Zeitdruck. Die Waffenruhe ist auf zwei Wochen befristet, und ohne greifbare Fortschritte droht die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen. Vance warnte Iran öffentlich, dass Trump nicht mit sich spaßen lasse, sollte die Vereinbarung scheitern. Araghchi konterte, Iran werde sich nicht unter Druck setzen lassen. Die Rhetorik beider Seiten zeigt, wie dünn das Eis ist, auf dem sich die Diplomatie bewegt. Dennoch bietet die Tatsache, dass überhaupt direkte Gespräche auf dieser Ebene stattfinden, einen Hoffnungsschimmer. Ein Durchbruch in Islamabad könnte den Nahen Osten grundlegend verändern, ein Scheitern würde die Region in eine noch tiefere Krise stürzen.

KI-gestützt erstellt

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