Straße von Hormus: Iran öffnet Meerenge unter eigener Kontrolle
Update 9. April, 09:05 Uhr: Iran verlangt ab sofort Transitgebühren von einem Dollar pro Barrel Ladung, zahlbar in Bitcoin oder Stablecoins. Für einen voll beladenen Supertanker mit zwei Millionen Barrel ergibt sich eine Maut von bis zu zwei Millionen Dollar pro Durchfahrt. Die iranische Marine warnt zudem vor Seeminen in der Meerenge und empfiehlt eine nördliche Ausweichroute. Trump fordert eine Öffnung der Meerenge ohne jede Einschränkung, einschließlich der Abschaffung der Mautgebühren.
Die Straße von Hormus, Nadelöhr des globalen Ölhandels, wird nach Wochen der Blockade wieder für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet. Irans Außenminister Abbas Araghchi gab am Mittwoch die Freigabe der Meerenge bekannt, allerdings unter Bedingungen, die weit von einer normalen Durchfahrt entfernt sind. Die iranischen Revolutionsgarden behalten die operative Kontrolle, und die Bundesregierung mahnt die Einhaltung internationaler Seerechtsabkommen an.
Von der Blockade zur kontrollierten Öffnung
Die Krise an der Straße von Hormus begann am 28. Februar 2026, als Iran als Reaktion auf die amerikanisch-israelischen Militärschläge den Schiffsverkehr durch die Meerenge unterbrach. Durch die nur 34 Kilometer breite Wasserstraße fließt rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung. Die Blockade trieb die Energiepreise in die Höhe und löste weltweit Versorgungsängste aus.
Mit der nun verkündeten Öffnung reagiert Teheran auf die Waffenruhe-Vereinbarung mit den USA. Araghchi betonte jedoch, die Öffnung erfolge in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen. Konkret bedeutet das: Die Revolutionsgarden der Islamischen Republik betreiben weiterhin ein Kontrollsystem, das Beobachter als Mautstelle beschreiben.
Das iranische Kontrollregime
Die IRGC-Marine hat in den vergangenen Wochen ein umfassendes Überwachungssystem an der Meerenge aufgebaut. Schiffe müssen sich registrieren und mit dem iranischen Militär koordinieren, bevor sie die Durchfahrt antreten können. Irans Parlament beriet zudem über einen Gesetzentwurf, der formelle Durchfahrtsgebühren vorsieht, zahlbar in iranischen Rial. Der Entwurf schließt ein vollständiges Transitverbot für Schiffe unter US-amerikanischer und israelischer Flagge ein sowie Einschränkungen für Länder, die an einseitigen Sanktionen gegen Iran beteiligt sind.
Der Kommandeur der IRGC-Marine machte die langfristige Strategie deutlich: Die Straße von Hormus werde für die USA und Israel nie wieder in ihren früheren Zustand zurückkehren. Iran strebe eine neue Sicherheitsordnung für den Persischen Golf an, in der Teheran eine zentrale Rolle spiele.
Position der Bundesregierung
Die Bundesregierung reagierte mit einer klaren völkerrechtlichen Positionierung. Ein Regierungssprecher betonte, die Straße von Hormus sei nicht ausschließlich iranisches Seegebiet. Es gelte das UN-Seerechtsübereinkommen, das die Transitdurchfahrt durch internationale Meerengen regelt. Bei der Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs müsse ein freier, sicherer und gebührenfreier Seeschiffsverkehr sichergestellt werden.
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht insbesondere die Gefahr einer globalen Energiekrise, sollte der Konflikt erneut eskalieren. Deutschland unterstützt aktiv diplomatische Initiativen und beteiligt sich an einer von Großbritannien koordinierten Koalition von rund 40 Ländern, die über die Hormuz-Krise beraten.
Wirtschaftliche Auswirkungen
Die Ankündigung der Öffnung löste an den Energiemärkten sofortige Reaktionen aus. Der Brent-Ölpreis fiel um rund 16 Prozent, Diesel-Futures brachen noch stärker ein. Allerdings mahnen Analysten zur Vorsicht: Die Öffnung unter iranischer Militärkontrolle ist nicht gleichbedeutend mit freiem Handel. Reedereien und Versicherer dürften zunächst abwarten, bevor sie ihre Routen normalisieren. Die Versicherungsprämien für Transporte durch den Persischen Golf bleiben auf Rekordniveau.
Asiatische Länder haben in den vergangenen Wochen bilaterale Abkommen mit Iran über die Durchfahrt ihrer Schiffe geschlossen. Diese pragmatische Herangehensweise steht im Kontrast zur westlichen Forderung nach vollständiger Freiheit der Durchfahrt und deutet auf eine neue geopolitische Ordnung an der Meerenge hin.
Ausblick: Dauerzustand oder Übergang?
Die zentrale Frage lautet, ob Irans Kontrollregime an der Straße von Hormus ein vorübergehendes Druckmittel in den Verhandlungen ist oder ein dauerhaftes Machtinstrument. Sollten die Friedensgespräche in Islamabad scheitern, könnte Iran die Meerenge erneut vollständig blockieren. Gelingen die Verhandlungen, wird die Frage der Hormuz-Kontrolle ein Kernpunkt jedes Friedensabkommens sein. Für die Weltwirtschaft bleibt die Lage so lange unsicher, wie die freie Durchfahrt von iranischer Zustimmung abhängt.