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International

Islamabad-Gespräche: Was Iran und USA voneinander verlangen

Ab Freitag verhandeln Delegationen aus Washington und Teheran in Islamabad über ein dauerhaftes Ende des Iran-Krieges. Die zentralen Streitpunkte sind Irans Recht auf Urananreicherung und die Kontrolle der Straße von Hormuz.

9. April 2026, 9:32 Uhr 612 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Morgen treffen sich Vertreter der USA und Irans erstmals seit dem Waffenstillstand vom 7. April zu direkten Gesprächen in Islamabad. Auf dem Tisch liegen zwei Dokumente: Irans Zehn-Punkte-Forderungsliste und ein 15-Punkte-Gegenvorschlag aus Washington. Ob daraus ein dauerhafter Frieden werden kann, hängt an einer Frage, die beide Seiten als nicht verhandelbar bezeichnen.

Die Ausgangslage

Seit dem 28. Februar 2026 führen die USA gemeinsam mit Israel Luftangriffe auf iranische Militäranlagen, Energieinfrastruktur und Teile der Revolutionsgarden. Iran schloss daraufhin die Straße von Hormuz, durch die rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls fließen. Unter pakistanischer Vermittlung vereinbarten beide Seiten am 7. April eine zweiwöchige Feuerpause. Die Waffenruhe läuft am 21. April aus.

Ministerpräsident Shahbaz Sharif hat die Delegationen für Freitag, den 10. April, nach Islamabad eingeladen. Es ist das erste direkte Gespräch auf dieser Ebene seit der Islamischen Revolution 1979.

Was Iran fordert

Irans Zehn-Punkte-Plan enthält Forderungen, die Washington unter normalen Umständen kaum akzeptieren würde. Im Kern verlangt Teheran: die Regulierung der Durchfahrt durch die Straße von Hormuz in Koordination mit iranischen Streitkräften, die ausdrückliche Anerkennung von Irans Recht auf Urananreicherung, die vollständige Aufhebung aller US-Sanktionen sowie aller UN- und IAEA-Resolutionen, den Abzug sämtlicher US-Kampftruppen aus regionalen Militärbasen, vollständige Kriegsschadensentschädigung, die Freigabe aller eingefrorenen iranischen Auslandsvermögen sowie eine verbindliche UN-Sicherheitsratsresolution als Rechtsgrundlage.

Trump bezeichnete den Plan öffentlich als nicht gut genug, nannte ihn zugleich aber eine vertretbare Verhandlungsgrundlage. Das Weiße Haus stellte klar, dass Trumps rote Linie gegen jegliche Urananreicherung auf iranischem Boden unverändert bestehe.

Was die USA verlangen

Der 15-Punkte-Gegenvorschlag dreht die Logik vollständig um. Washington verlangt, dass Iran keinerlei Nuklearwaffen entwickelt, seine Bestände an hochangereichertem Uran übergibt und seine Nuklearanlagen demontiert. Hinzu kommen Obergrenzen für Irans Raketenkapazitäten und das Ende aller regionalen Proxy-Gruppen, darunter die Hisbollah und die Huthi-Bewegung. Als Gegenleistung bieten die USA die vollständige Aufhebung aller Sanktionen sowie technische Unterstützung beim zivilen Kernkraftwerk Buschehr an. CNN und Al Jazeera berichten übereinstimmend, dass die nuklearen Verpflichtungen im Entwurf der Islamabad-Tagesordnung weitgehend ausgeklammert bleiben.

Pakistans Vermittlerrolle

Pakistan hat eine bemerkenswert aktive Vermittlerrolle übernommen. Ministerpräsident Sharif hatte ursprünglich einen Zwei-Phasen-Plan vorgeschlagen: erst eine befristete Waffenruhe, dann eine Dauervereinbarung. Dieser Plan hat die Grundlage für den Waffenstillstand vom 7. April geliefert. Foreign Policy berichtete, dass Riad und Abu Dhabi informell in die Vorbereitung eingebunden waren. Für Pakistan ist die Vermittlerrolle auch eine innenpolitische Chance: Das Land hofft auf Schuldenleichterungen und Investitionen aus den Golfstaaten.

Die Nukleargräben

Der Vergleich mit dem JCPOA von 2015 ist unvermeidlich: Auch damals hatte die Obama-Regierung Iran begrenzte Urananreicherung zugestanden. Trump hatte diesen Deal 2018 aufgekündigt. Seitdem hat Iran seinen Anreicherungsgrad von 3,67 Prozent auf 60 Prozent hochgefahren. Die Internationale Atomenergiebehörde schätzt, dass Iran die für eine Bombe benötigte Materialmenge innerhalb weniger Wochen produzieren könnte.

Für Teheran ist das Anreicherungsrecht keine symbolische Forderung, sondern das Kernelement des eigenen Sicherheitskalküls. Ein Iran ohne Nuklearkapazität, so die Lesart vieler Revolutionsgardisten, wäre so verwundbar wie Libyen nach dem Verzicht auf sein Waffenprogramm.

Ausblick

Die Gespräche beginnen am Freitag in Islamabad. Die Waffenruhe läuft am 21. April aus. Sollte bis dahin kein Rahmenabkommen vorliegen, stehen die USA vor der Frage, ob sie die Angriffe wiederaufnehmen oder die Feuerpause einseitig verlängern.

KI-gestützt erstellt

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