Iran-Krieg: Zweiwöchige Waffenruhe vereinbart, Gespräche geplant
Update 9. April, 00:17 Uhr: Irans Parlamentspräsident Ghalibaf benennt drei konkrete Verletzungen der Waffenruhe: die israelischen Angriffe auf den Libanon, eine angebliche Drohnen-Verletzung des iranischen Luftraums sowie die amerikanische Weigerung, Iran Urananreicherung zuzugestehen. US-Vizepräsident Vance reagierte mit einer offenen Drohung und bezeichnete die Feuerpause als fragil. Die Opferzahl im Libanon ist auf mindestens 254 Tote und über 1.165 Verletzte gestiegen.
Nach Wochen intensiver Kampfhandlungen haben die USA und Iran am Mittwoch eine zweiwöchige Waffenruhe vereinbart. Die Feuerpause wurde maßgeblich durch Pakistan vermittelt, das sich in den vergangenen Tagen als diplomatischer Schlüsselakteur positioniert hat. US-Präsident Donald Trump kündigte die Einigung über seine Plattform Truth Social an, der iranische Außenminister Abbas Araghchi bestätigte die Annahme kurz darauf. Doch bereits wenige Stunden nach Inkrafttreten zeigen sich erhebliche Risse im Abkommen.
Der Weg zur Einigung
Die Waffenruhe kam erst zustande, nachdem Trump in den vergangenen Tagen seine Drohungen gegen den Iran massiv verschärft hatte. Der US-Präsident hatte ein Ultimatum für einen vernichtenden Schlag gegen iranische Infrastruktur gesetzt. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif und Armeechef Feldmarschall Asim Munir intervenierten in letzter Minute und baten Trump, die geplante Offensive auszusetzen. Trump erklärte, er habe auf Bitten Pakistans die bereits entsandte Militärkraft gestoppt.
Der Durchbruch basiert auf einem iranischen Zehn-Punkte-Vorschlag, den die USA zunächst zurückgewiesen hatten. Vermittler in Islamabad überarbeiteten das Dokument so, dass es mit dem 15-Punkte-Rahmen des Weißen Hauses kompatibel wurde. Trump erklärte, fast alle strittigen Punkte seien geklärt worden.
Die Bedingungen der Feuerpause
Zentraler Bestandteil der Vereinbarung ist die Öffnung der Straße von Hormuz. Araghchi kündigte an, dass Iran die strategisch entscheidende Meerenge für den internationalen Schiffsverkehr freigeben werde, allerdings unter Koordination mit den iranischen Streitkräften und mit technischen Einschränkungen. Diese Formulierung lässt erheblichen Interpretationsspielraum und sorgt bereits für Unbehagen bei westlichen Regierungen und Reedereien.
Beide Seiten verpflichten sich zur Einstellung der Kampfhandlungen für 14 Tage. In dieser Zeit sollen in Islamabad Friedensverhandlungen beginnen, bei denen US-Vizepräsident JD Vance die amerikanische Delegation anführen wird. Es wäre das höchstrangige direkte Treffen zwischen den USA und Iran seit der Islamischen Revolution von 1979.
Sofortige Belastungsproben
Die Waffenruhe steht jedoch bereits unter enormem Druck. Nur Stunden nach der Ankündigung startete Israel seine bisher größte Angriffswelle gegen Hisbollah-Ziele im Libanon, mehr als 100 Ziele in weniger als zehn Minuten in Beirut, dem Süd-Libanon und dem Bekaa-Tal. Nach Angaben des libanesischen Zivilschutzes wurden dabei mindestens 254 Menschen getötet und über 1.165 verletzt. Auch zentrale Wohnviertel in Beirut wurden ohne Vorwarnung getroffen. Israel argumentiert, die Feuerpause beziehe sich ausschließlich auf den bilateralen Konflikt zwischen den USA und Iran, nicht auf den Krieg gegen die Hisbollah.
Iran sieht das anders: Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf benannte drei konkrete Verletzungen des Abkommens: erstens die fortgesetzten israelischen Angriffe auf den Libanon, den Teheran als Teil der Vereinbarung betrachtete; zweitens eine angebliche Drohnen-Verletzung des iranischen Luftraums; drittens die amerikanische Weigerung, Iran das Recht auf Urananreicherung zu gewähren. Ghalibaf erklärte, unter diesen Umständen seien sowohl ein Waffenstillstand als auch Verhandlungen sinnlos.
Auch die Frage der Hormuz-Öffnung bleibt umstritten. Irans Revolutionsgarden erklärten, die Meerenge werde nie wieder in ihren früheren Zustand zurückkehren. Das von den Garden eingeführte Kontrollsystem, bei dem Schiffe eine Art Mautgebühr entrichten müssen, soll offenbar bestehen bleiben. Die USA und ihre Verbündeten fordern dagegen eine vollständige und bedingungslose Freigabe.
Vance warnt Iran mit ungewöhnlicher Schärfe
US-Vizepräsident JD Vance reagierte auf die iranischen Drohungen mit auffallend hartem Ton. Er bezeichnete die Feuerpause als „fragile truce“ und warnte, bestimmte Kräfte in Iran würden lügen und versuchen, selbst diese brüchige Vereinbarung zu sabotieren. Wörtlich sagte Vance: „If the Iranians don't do the exact same thing, they're going to find out that the president of the United States is not one to mess around.“ Gleichzeitig versuchte er, die Libanon-Frage zu entschärfen, und sprach von einem „legitimen Missverständnis“: Iran habe geglaubt, die Waffenruhe schließe den Libanon ein, das tü sie aber nicht. Vance reist gemeinsam mit Sondergesandtem Steve Witkoff und Jared Kushner nach Islamabad, um die Verhandlungen zu stabilisieren.
Internationale Reaktionen
Die Weltgemeinschaft reagierte überwiegend erleichtert, aber zurückhaltend. Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte die Waffenruhe und dankte Pakistan für die Vermittlung. Er betonte, Ziel müsse nun ein dauerhaftes Ende des Krieges sein, das nur auf diplomatischem Weg zu erreichen sei. Auch die EU, China und Russland äußerten sich positiv, mahnten aber eine zügige Umsetzung und die Einbeziehung aller Konfliktparteien an.
An den Finanzmärkten löste die Waffenruhe zunächst eine massive Erleichterungsrally aus. Der Ölpreis brach zweistellig ein, Aktienmärkte weltweit legten kräftig zu. Doch mit den neuen Meldungen über eine mögliche Aufkündigung der Feuerpause geraten die Gewinne wieder unter Druck.
Ausblick: Samstag als erster Test
Am Samstag sollen die ersten formellen Gespräche zwischen der US-Delegation unter Vance und iranischen Vertretern in Islamabad beginnen. Die entscheidende Frage ist, ob Iran bis dahin an der Waffenruhe festhält. Parlamentspräsident Ghalibaf hat die Latte hoch gelegt: Ohne eine Einstellung der israelischen Angriffe auf den Libanon und ohne Zugeständnisse bei der Urananreicherung sieht Teheran keinen Verhandlungsspielraum. Ob Vance und Witkoff diese Kluft überbrücken können, ist offen. Scheitern die Gespräche bereits vor Beginn, droht eine Rückkehr zu militärischen Auseinandersetzungen, mit unabsehbaren Folgen für die gesamte Region.