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Färöer-Inseln: Ein 29-Jähriger übernimmt die Regierung vom eigenen Onkel

Beinir Johannesen wird mit 29 Jahren jüngster Regierungschef der Färöer-Inseln. Der konservative Politiker löst seinen Onkel ab und muss nun eine Dreiparteienkoalition schmieden.

8. April 2026, 17:30 Uhr 594 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Auf den Färöer-Inseln vollzieht sich ein Machtwechsel, der gleich mehrere bemerkenswerte Dimensionen hat. Beinir Johannesen, erst 29 Jahre alt und Vorsitzender der konservativen Volkspartei Folkaflokkurin, steht vor der Ernennung zum jüngsten Regierungschef in der Geschichte des autonomen Inselarchipels. Besonders pikant: Er löst seinen eigenen Onkel ab. Aksel V. Johannesen von den Sozialdemokraten war der bisherige Ministerpräsident und hatte die vorgezogenen Neuwahlen selbst ausgelöst, nachdem seine Koalition nach drei Jahren interner Konflikte zerbrochen war.

Wahlsieg mit historischer Marge

Bei den Parlamentswahlen am 26. März erzielte Folkaflokkurin unter Beinir Johannesens Führung 26,7 Prozent der Stimmen, den höchsten Stimmenanteil einer einzelnen Partei auf den Färöern seit 1990. Die Partei gewann neun Sitze im Logting, dem färöischen Parlament, ein Zugewinn von drei Mandaten gegenüber der vorherigen Wahl. Der Erfolg ist umso bemerkenswerter, als die Volkspartei erst unter Johannesens Führung diesen Aufschwung erlebte. Der junge Politiker hat es geschafft, die traditionell konservative Partei für neue Wählergruppen attraktiv zu machen, ohne ihren Kern zu verwässern.

Die Sozialdemokraten seines Onkels verloren hingegen deutlich und rutschten auf den dritten Platz ab. Die Unionistenpartei Sambandsflokkurin wurde zweitstärkste Kraft. Damit zeichnete sich bereits am Wahlabend ab, dass ein Generationenwechsel an der Spitze der färöischen Politik bevorsteht.

Schwierige Koalitionsverhandlungen

Trotz des deutlichen Wahlsiegs steht Johannesen vor einer komplexen Regierungsbildung. Im 33-köpfigen Logting benötigt eine Regierung mindestens 17 Sitze für eine Mehrheit. Folkaflokkurin und Sambandsflokkurin kommen zusammen auf 16 Mandate, also ein Sitz zu wenig. Ein dritter Koalitionspartner ist zwingend erforderlich.

Nachdem alle Parteivorsitzenden Johannesen als Regierungsbildner benannt hatten, begann er am 30. März Koalitionsverhandlungen mit der Unionistenpartei und den Sozialdemokraten seines Onkels. Diese Konstellation wäre rechnerisch komfortabel, denn zusammen kämen die drei Parteien auf 24 Sitze. Politisch ist sie jedoch heikel: Die Sozialdemokraten müssen sich damit abfinden, als Juniorpartner in eine Regierung unter konservativer Führung einzutreten, nachdem sie gerade erst abgewählt wurden. Johannesen hat bis zum 10. April Zeit, eine Regierung zu bilden.

Die Färöer zwischen Tradition und Aufbruch

Die Färöer-Inseln, ein autonomes Gebiet Dänemarks mit rund 54.000 Einwohnern, werden international selten beachtet. Dabei sind die politischen Verhältnisse auf dem Archipel im Nordatlantik durchaus interessant. Die Inseln verfügen über eine lebendige parlamentarische Demokratie mit einem Mehrparteiensystem, in dem sechs bis acht Parteien um die Gunst der Wählerinnen und Wähler konkurrieren. Die zentrale Konfliktlinie verläuft zwischen Befürwortern einer stärkeren Unabhängigkeit von Dänemark und jenen, die die bestehende Verbindung zum Königreich erhalten wollen.

Johannesens Volkspartei steht traditionell für eine enge Anbindung an Dänemark, während sie wirtschaftspolitisch einen konservativen Kurs verfolgt. Der junge Parteichef hat im Wahlkampf vor allem auf wirtschaftliche Themen gesetzt und die Frage der Unabhängigkeit in den Hintergrund gerückt. Zu den innenpolitischen Streitpunkten gehört auch der Bau eines umstrittenen Unterwassertunnels zur Insel Suduroy, ein Projekt, das die Vorgängerregierung beschlossen hatte und das zum Bruch der Koalition beitrug.

Ein Generationenwechsel mit Symbolkraft

Dass ein 29-Jähriger die Regierung einer europäischen Gebietskörperschaft übernimmt, ist ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist die familiäre Dynamik: Neffe löst Onkel ab, Konservative lösen Sozialdemokraten ab. In der überschaubaren politischen Landschaft der Färöer, wo persönliche Beziehungen und familiäre Netzwerke eine größere Rolle spielen als in größeren Ländern, hat dieser Wechsel eine besondere Symbolkraft. Er signalisiert, dass auch in einer traditionsbewussten Gesellschaft politischer Wandel möglich ist, wenn eine neue Generation glaubwürdig für Erneuerung steht. Ob Johannesen die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

KI-gestützt erstellt

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